Reise-Blog 2013

Eine Verabredung mit mir

Mein Bus und ich
Mein Bus und ich

Die letzten Vorbereitungen für meine Auszeit laufen auf Hochtouren. Morgen geht es los. Was ich mache? Ich habe eine Verabredung mit mir. Ich könnte es nicht treffender beschreiben. Danke Feli für diesen Satz, den du letztens bei einem schönen gemeinsamen Ostsee-Spaziergang aus deiner eigener Erfahrung mit mir teiltest. Für mich bringt er mein Vorhaben genau auf den Punkt.

Ich will meinem Genius folgen: Kreise ziehen, die Mitte finden. Das ist der rote Faden in meinem Leben, der mich leitet und steuert, ohne das es mir jederzeit bewusst ist.

Immer wieder los, unterwegs sein, die Welt erkunden, Begegnungen machen, Menschen und Organisationen kennenlernen, mit dem Gedanken spielen einfach zu bleiben – dort wo es schön und wert ist, Erfahrungen zu machen, die mich weiterbringen. Währenddessen manchmal – jedoch nicht immer – die Mitte finden und irgendwann zurückkehren, um wieder zur Ruhe zu kommen.
Teresa von Avila sagt in ihrem Buch »Die innere Burg« dazu: Wie können wir hoffen, in anderen Häusern Ruhe zu finden, wenn wir sie im eigenen nicht zu finden vermögen?" Im Unterwegs mit sich selbst sein, zu sich kommen, aus der Ruhe Kraft schöpfen – das sagt dieser spirituelle Satz für mich persönlich aus.

Meine Reise mit meinem schönen grünen Bus beginnt morgen. Philosophisch gesehen könnte ich natürlich sagen, dass ich mich bereits seit meiner Geburt (oder Vor-Geburt) auf der Reise befinde – wie wir alle (aber wer erinnert sich noch daran?), doch wirklich bewusst ist mir erst seit einigen Jahren im Rahmen meiner zahlreichen Ausbildungen geworden, dass ich mich auf (m)einer persönlichen Reise befinde.

Ich habe viele Rückmeldungen zu meinem Vorhaben in den letzten Wochen bekommen. Einige (mehrere) würden am liebsten mitkommen – einige (wenige) haben ihre Unsicherheiten auf mich projiziert und mir davon abgeraten. So eine Auszeit polarisiert – in Teilen auch mich. Natürlich habe ich das nicht von heute auf morgen entschieden. Für mich als selbstständige Unternehmerin ist es eine gar nicht mal so unbedeutende Entscheidung, die gut überlegt und organisiert werden möchte. Ich will ja nicht meine Arbeit und mein Leben aufgeben. Im Gegenteil, ich möchte durch meine Reise neue Perspektiven entwickeln, um das Leben weiterhin zu genießen und zu schauen, was noch alles möglich ist.


Wichtig ist doch, dass ich mich erstmal entschieden habe zu gehen, das an sich war der schwierigste Part. Was daraus wird? Die Zeit wird es zeigen. Ich habe ja in dem Sinne nur den groben Plan in Richtung Italien und Südeuropa aufzubrechen. Warum dorthin? Weil ich die Sonne, das Meer, die Berge und die südeuropäische Mentalität sehr mag. Warum keine Weltreise? Weil ich die bereits vor 17 Jahren gemacht habe. Wo ich wann sein werde ist noch vollkommen offen. Das ist das eigentlich spannende dabei. Mich treiben lassen und meiner inneren Stimme folgen. Die benötigt allerdings erstmal eine gehörige Portion Ruhe, damit ich sie wieder hören kann.

So, und nun muss ich los ... die restlichen Sachen packen, Wohnung an die Untermieter übergeben, Bus einräumen und dann losfahren, um irgendwann dem Satz von Astrid Lindgren zu folgen: »Und dann muss man ja auch noch die Zeit haben, einfach nur dazusitzen und vor sich hinzuschauen.«

 


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Passt, wackelt und hat Luft

Follow me – es geht los!
Follow me – es geht los!

Nach einem turbulenten letzten Tag bestückt mit packen, organisieren und der Bearbeitung letzter Kundenanfragen habe ich gestern bei Einbruch der Dunkelheit und mit nachbarschaftlicher Unterstützung meinen Fahrradträger an den schönen grünen Bus angebaut. Hier in der Straße, in der ich wohne, ist mittlerweile gefühlt fast jeder Dritte unter die Busfahrer gegangen, was das Parken an sich mit so einem großen Bus für einen Newcomer wie mich spannend macht. Danke Gudio für Deine geduldige Hilfe. Die Stirnlampe hat's möglich gemacht.

 

Gestern Abend wurde mir noch einmal sehr bewusst, wie dankbar ich bin, mein Leben so leben zu dürfen wie ich es möchte. Aber bevor ich das Philosophieren anfange, gibt es noch jede Menge zu tun. Meine erste Etappe heute ist sehr kurz. Sie führt mich über einen letzten Kundentermin in Richtung Lüneburger Heide, wo ich Familie und Freunde besuchen werde.

 

 

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Alles neu macht der Mai

Abschied aus der Falkenwiese
Abschied aus der Falkenwiese

Was für ein schönes Datum – der 1. Mai! Für mich klingt es nach Aufbruch, nach »alles frisch und alles neu«. Die Bäume sprießen, alles blüht und erwacht, es geht in eine neue Jahreszeit und – sehr passend für mich – gleichzeitig in einen neuen Abschnitt.

 

Nach Wochen und gefühlten Monaten der Vorbereitung bin ich kurz nach dem Mittag endlich losgefahren. Es war ein schöner Abschied, der uns da bereitet wurde. Annika, die sich ebenfalls gestern mit ihrem Bus (in Richtung Südfrankreich) auf den Weg gemacht hat und ich wurden mit einem schönen Straßenbild und einigen winkenden Händen und vielen guten Wünschen aus der Falkenwiese verabschiedet.

 

Etwas müde und erschöpft aber glücklich endlich unterwegs zu sein bin ich nachmittags hier angekommen und wurde von meinen treuen, langjährigen Freunden Willkommen geheißen. Hier in der Lüneburger Heide habe ich ein paar Impressionen eingefangen. Darunter Fluffy alias Branko – eine Seele auf vier Pfoten.

 

Morgen geht es weiter, die Familie besuchen.

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Vor und zurück …

Nachdem ich heute früh eine weitere, dieses Mal familiäre Station angefahren habe und wir beim gemeinsamen Mittagessen über Vergangenes und Zukünftiges erzählten, fiel mir siedend heiß ein, dass ich eines meiner wichtigsten Utensilien bei meinen Freunden vergessen hatte: mein Notebook!


Ein Zeichen? Ein Wink mit dem Zaunpfahl? Soll ich etwa keinen Kommunikator auf meine Reise mitnehmen? Einfach mal alles abschalten und keine Berichte senden? Das fühlt sich in der Tat ungewohnt an. Ich entschied mich dennoch, wieder zurück zu fahren. Es war nur ein Umweg von ca. 50 km (der bei meinem zukünftigen km-Pensum kaum auffallen wird), um dieses Stück »Verbindung« zu holen und auf meine Reise wieder mitzunehmen.

 

Dementsprechend war die heutige Situation sehr passend – immerhin wandele ich derzeit ein wenig auf meinen Spuren der Vergangenheit: Wo komme ich her? Wo stehe ich jetzt? Wo geht es hin?

 

Die ersten beiden Fragen habe ich in den letzten Monaten gut für mich beantworten können. Ich bin gespannt und voller Freude in die dritte Frage hineinzuleben.

 

 

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Von Honiggläsern und Eismanschetten

Frühling in der Lüneburger Heide
Frühling in der Lüneburger Heide

Auf meiner Reise durch die Lüneburger Heide wandelte ich im wahrsten Sinne auf den Spuren meiner Vergangenheit. Hier habe ich die ersten 17 Jahre meines Lebens und später meine Studienzeit verbracht.

 

Als ich durch das Industriegebiet meiner Ursprungs-Kreisstadt (die mit dem Hundertwasser-Bahnhof) fuhr, passierte ich nicht nur meine alte Schule, sondern auch einige Firmen, in denen ich früher als Schülerin in den Ferien jobben konnte. Da wurden Honiggläser mit Deckeln und Etiketten versehen, Eiskonfekt in die Verpackung gelegt, Getreidefeuchtigkeit gemessen, um für die Landwirte der Umgebung die korrekte Trocknung zu berechnen und später während meines Ingenieurstudiums auch mal am Fließband Rückleuchten an eine bekannte deutsche Automarke geschraubt. Zum Einen aus Gründen der Neugier, zum anderen, um die Finanzierung meiner schon damals vorhandenen Reiselust sicherzustellen.


Es ist herrlich mir Zeit zu nehmen, denn wenn ich ehrlich bin, habe ich die ja sonst auch immer mal wieder, ich habe sie mir nur zu selten gestattet ... unterwegs zu sein »im Bummelzug statt mit dem ICE« oder wie in meinem Fall im übertragenen Sinne mit dem Bus statt im sportlichen 2-Sitzer.

 

Heute Abend geht es in die Nähe von Göttingen – aufs Land zu guten Freunden, wo ich ein paar Tage ausspannen werde.

 

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Orient-Express in Niedersachen

Der etwas anderer Orient-Express
Der etwas anderer Orient-Express

Hier bei meinen Freunden im südlichen Niedersachsen gibt es viel zu sehen und zu bestaunen – einiges davon sofort, anderes erst auf den zweiten Blick. Ein wunderschöner bunter Garten mit versteckten und offen zur Schau gestellten Schönheiten umgibt mich gerade. Die gelben Butterblumen säumen eine großflächige Wiese, etwas weiter entfernt blöken Louis und seine Kumpanen, Major Tom liegt mir zu Füßen und räkelt sich in der Sonne, nachdem er mir stolz eine Maus präsentiert hat.

 

Und hier und da pickt sich ein Huhn durch die Wiese, dem es im Gehege zu langweilig geworden ist. Rundherum Wälder, Äcker und Wiesen mit Pferden. Ab und an ein Mäusebussard auf der Jagd nach Beute, Gänse irgendwo versteckt aber zu hören und ansonsten nur das Rauschen des Windes durch die Bäume vorbei am Orient-Express inmitten der Wiese.

 

Hier entsteht auch Kunst aus Wolle und mit ihr diverse liebevoll gestaltete Objekte ... SuFilzt! Viecher, Trösterle und Beschützerle. Darunter auch meine Begleiter: Rosalinde, Bengt-Anders und Solveig und seit gestern neu dabei auch Serafina. Die Impressionen dieser Landlust findet Ihr in den Bildern.

 

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Zwiegespräch mit Goethe

Goethe im Schein der Laterne
Goethe im Schein der Laterne

Auf meinem Weg zwischen Göttingen und Frankfurt habe ich einen kurzen Abstecher durch NRW gemacht. Bei einer Übernachtung im Wohnzimmer eines Freundes, dem ich auf meiner Pilgerwanderung auf dem Weg des Heiligen Franz von Assisi zwischen Florenz und Rom im vergangenen Jahr begegnet war, fiel mein Blick auf eine Büste von Goethe, der – angeleuchtet von einer Laterne – mich zu einem nächtlichen Zwiegespräch einlud.

 

Inspiriert von den abendlichen Zeilen zuvor in einem Buch von Ulrich Schnabel »Muße – Vom Glück des Nichtstuns«, begann ich mein Gespräch mit Goethe, der u.a. die Meinung vertrat, dass das größte Unglück im Leben die Eile sei sowie das Leben in rasender Geschwindigkeit zu durchlaufen, für den Menschen nicht unbedingt von Vorteil sei.

 

Ja genau, wo bleibt eigentlich die Muße? Ist es das, was ich mir von meiner Auszeit wünsche? Einfach mal Zeit für Muße zu haben, zum – durchaus von einigen Menschen verpönten – Müßiggänger zu werden? Wer kennt nicht den Spruch »Müßiggang ist aller Laster Anfang«? Muss ich nun ein schlechtes Gewissen bekommen? Was machen wir uns das Leben doch manchmal auch schwer, selbst in Zeiten, in denen es gar nicht ist.

 

Ich habe mich dagegen entschieden und freue mich darauf, durch mehr Muße in meinem Leben mehr Balance zu erfahren. Meinen Kopf frei bekommen und aufräumen, um Platz für neue Ideen und mehr Kreativität zu schaffen. Im Gedanken, genau das für mich Richtige zu tun, ließ es sich gleich besser einschlafen ... und Goethe schaute auch am Morgen darauf noch – irgendwie ahnend – mir eine gute nächtliche Inspiration gewesen zu sein.

 

 

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München – Die Schönheit des Lebens

Flexibilität und Balance
Flexibilität und Balance

Ich weiß, wenn man zuviel davon redet, wie gut es einem gerade geht, begegnet einem manchmal – nicht zwingend häufig – ein komischer Blick, Erstaunen und mitunter auch Unverständnis. Um so schöner, dass es auch Menschen gibt, die sich ebenfalls oder mit einen freuen und denen manchmal in Momenten bewusst wird, dass ihr Leben auch gerade sehr schön ist, so wie es ist. Mir ist dazu heute eine kleine Anekdote eingefallen, die ich im vergangenen Jahr an einem auftragsfreien Tag erlebt habe.

»Haben sie aber ein schönes Leben« war die Aussage einer Frau, die mich eines Tages (vor einem Kinoplakat stehend) zu dem Titel dieses kleinen Textes inspirierte. Ich fragte sie damals nach dem Wochentag, weil ich wissen wollte, ob der Film denn an genau dem Tag laufen sollte und er mir auf die Schnelle nicht einfiel. Diese Frage veranlasste die Frau mir darauf zu antworten, dass ich es doch gut habe und ob es nicht unheimlich schön sei, nicht in der wöchentlichen Mühle des Arbeitslebens »gefangen« zu sein? Einfach mal zu vergessen, welcher Wochentag gerade sei. Das hat meine Gedanken hierzu in Wallung gebracht. Für mich als »Freelancer« gibt es nicht zwingend ein geregeltes Arbeitsleben. Damit muss man umgehen können. Ich persönlich liebe das. Da ist mal ein Mittwoch oder Donnerstag frei, dafür aber ein Samstag oder Sonntag ein Arbeitstag.

Ist die Schönheit des Lebens abhängig von einem Wochentag? Darf es immer nur am Wochenende schön sein, wenn wir nicht arbeiten? Oder im Urlaub, wenn wir frei haben? Was verbinden wir mit den einzelnen Wochentagen, welchem Rhythmus folgen wir? Wie und worüber definieren wir uns? Dürfen wir uns die Schönheit des Lebens nur dann erlauben, wenn wir etwas leisten? Oder leisten wir etwas, damit wir uns etwas erlauben dürfen oder können? Welche Bedeutung hat Erlaubnis? Und wer gibt uns die … wenn nicht wir selbst?

Was ist das eigentlich – Muße? Ulrich Schnabel hat dazu verschiedene Aussagen recherchiert und beleuchtet. In seinem Buch spricht er davon, dass …

 

  • Muße etwas mit Eigenzeit zu tun hat. Darin wird Muße auch als jene Zeiten definiert, die wir mit Tätigkeiten füllen, die uns direkt Freude bringen.
  • Muße bedarf vor allem einer Sache – ausreichender Zeit. Da fühle ich mich gleich wieder im richtigen Boot und durchaus zugehörig.
  • Muße hat mit Eigenzeit zu tun, sagt jemand anders darin ... und Muße ist die Übereinstimmung zwischen mir und dem, worauf es in meinem Leben ankommt.
  • Muße hat etwas mit innerer Haltung zu tun – dem Ideal der Eigenzeit. Da muss auch meiner Meinung nach nicht zwangsläufig unterschieden werden zwischen Arbeitszeit und Freizeit.


Da haben wir neben Astrid Lindgren nun auch Ulrich Schnabel und Goethe: Die Kunst der Muße ist ... stehenzubleiben und das Glück des Augenblicks zu genießen ... und nicht ständig unseren Wünschen nachzurennen.

 

 

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Ich bin ein Gänseblümchen …

Ich bin ein Gänseblümchen …
Ich bin ein Gänseblümchen …

... lautet ein Song von der Band »Ganz schön feist«. Auf meiner heutigen Wanderung habe ich mich u. a. der Betrachtung der Gänseblümchen hingegeben. Dabei habe ich festgestellt, dass es nicht nur wunderschöne sondern auch sehr vielschichtige Blumen sind. So eine Gänseblume ist in den Blättern und im Stiel eher zart und wirkt auf den ersten Blick zerbrechlich. Im Innern jedoch, dem gelben Kern der Blume ist es dick, stark und kräftig und wenn man genau hinschaut, hat es den Anschein, dass diese Kraft alles andere als zerbrechlich ist und aus der Mitte heraus bis in die zarten Blätter wirkt. Natürlich lässt sich so eine Blume sehr schnell bei Nichtachtung zertreten, zerfahren oder gar zerrupfen – Wer kennt das nicht: »Er liebt mich, er liebt mich nicht, er ...« – aber bei wem geht so ein Spiel schon immer so gut aus? Wenn es nicht hinkommt, pflücken wir einfach eine neue Blume und zerrupfen sie mit verträumter Hingabe aufs Neue, solange bis es eben passt oder passend gemacht wird.

Irgendwie passte die Anatomie des Gänseblümchen heute sogar auch ein wenig zu meiner Stimmung. Schon seit ein paar Tagen steckte mir etwas hinter den Augenlidern – irgendwie war mir sogar ein wenig nach Heulen zumute. Das ist leider auch gar nicht so einfach offen zuzugeben. Aber liegt nicht genau darin die Stärke, eben auch mal die Schwäche preiszugeben? Und eben diese mir selbst gegenüber auch einzugestehen? Hey, jetzt bist du hier unterwegs, hast alle (gefühlte) Zeit der Welt ... was um Himmels Willen vermiest dir eigentlich gerade deine positive Stimmung? Das Gänseblümchen war es jedenfalls nicht.


Vielleicht ist es die fehlende Struktur. Jemand, die wie ich in den letzten 10 Jahren mehr als durchgetaktet war, für die Planung und Struktur zum täglich Brot gehörte, ist plötzlich unterwegs mit Vorfreude im Herzen, endlich mal keinen Plan in der Tasche zu haben, außer die grobe Richtung Italien und Südeuropa. Ist doch eigentlich kein Wunder, oder? Ich habe mich aufgemacht zu reisen – mit mir zu sein, um meinem Leben wieder neue Möglichkeiten zu eröffnen und um Zeit zum Schauen und Denken und Leben zu haben. Nach wie vor freue ich mich (wie ein Kind), dass ich es getan habe. Dabei stelle ich mitunter aber auch fest, dass es eine gewisse Portion Mut benötigt, so einen Schritt gemacht zu haben.

Der kanadische Weltenbummler Steve Zikman sagt dazu »... Mit einem Mal sehen wir Dinge, die wir vorher nie gesehen haben (oder habt Ihr schon mal voller Inbrunst ein Gänseblümchen betrachtet?), denken uns Dinge aus, wo wir vorher nie auf die Idee gekommen wären ... Reisen führt zu uns selbst. Es macht uns echt.« Während die Autorin Miriam Beard es etwas anders aber wie ich glaube, auch sehr treffend auf den Punkt bringt: »Reisen ist ein tiefgreifender Wandel, dem wir uns unterwerfen, ein fundamentales Umdenken in Bezug auf das Leben.«

 

 

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Wenn du an eine Weggabelung kommst …

Zen-Mönch im Garten
Zen-Mönch im Garten

… beschreite sie. Was könnte meinen Weg momentan besser beschreiben als dieser Zen-Spruch. Wer meinen Weg durch Deutschland in den vergangenen zweieinhalb Wochen mitverfolgt hat, mag sich mitunter fragen, was mich bisher dazu bewegt hat so langsam zu reisen und warum ich nicht die direkte Nord-Süd-Verbindung Deutschland-Italien gefahren bin – warum also nicht gleich ab in die Sonne?

 

Ähnlich wie das Wetter schlage auch ich gerade ein paar Kapriolen auf meinem Weg und folge meinen intuitiven Entscheidungen an Weggabelungen (ohne immer genau zu wissen wohin mich der Weg am Ende bringen wird). Es ist herrlich mich so treiben zu lassen und auch schön zu wissen, dass momentan am Ende eines Reisetages immer noch Freunde auf mich warten, bei denen ich sein darf und die mich uneingeschränkt und wertschätzend bei sich aufnehmen. Mag sein, dass auch dieses Faktum mich verlangsamt nach Italien reisen lässt, wo ich ja überwiegend auf mich allein gestellt und entsprechend mehr mit mir konfrontiert sein werde.

Auf meiner bisherigen Reise habe ich daher schon einige wunderbare Kraftplätze besuchen können, die beseelt waren von ihren Bewohnern – allesamt in der Natur und auf dem Land. Danke Ihr Lieben, dass ich Euer Gast und einfach SEIN durfte.

So bin ich vor ein paar Tagen südlich von München wieder losgefahren nachdem ich mit einem berührend gesungenen Lied am Frühstückstisch meiner Freunde verabschiedet und begleitet wurde: May the Long Time Sun Shine Upon You. Mit einem Mini-Schlenker über die Österreichische Grenze habe ich Zwischenstopp in der Nähe des Bodensees gemacht, um am nächsten Morgen bei strömenden Regen über den Feldberg (mit Schnee) ins Dreiländereck D, CH, F nach Lörrach an die Schweizer Grenze zu fahren, wo ich einen sehr inspirierenden Tag mit geschäftlichem Hintergrund verbracht habe.

Nun könnte man meinen, dass ich im Anschluss direkt in die Schweiz gefahren bin, aber nein, ich habe noch kurz einen Abstecher zurück nach Freiburg gemacht, wo ich derzeit die Pfingsttage bei Freunden verbringe, die mich spontan zu einem Fest bei schönstem Sonnenschein eingeladen haben.

Aber morgen, an Pfingstmontag verlasse ich Deutschland – ich »mache rüber« in die Schweiz – mal sehen, wie weit es mich bringt. Alle reden derzeit von Unwettern im Süden. Ich glaube aber die Sonne wird scheinen – nicht nur für mich und wenn nicht von außen, dann auf alle Fälle im Herzen.

 

 

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Tief hängen die Wolken ...

Es grünt so grün ...
Es grünt so grün ...

... aber die Laune ist trotzdem gut und es sollte mich heute nicht davon abhalten eine kleine Wanderung an der Schweizer Grenze zu unternehmen.

 

Erst wollte ich weiterfahren, dann aber bin ich einfach irgendwann rechts abgebogen, habe meine Wanderklamotten übergestülpt und bin ein Stündchen ins Grüne hineingewandert. 

 

Normalerweise lasse ich mich ja stark vom (schlechten) Wetter beeinflussen. Da helfen auch häufig die Sätze nicht: »Es gibt kein schlechtes Wetter, nur ungeeignete Kleidung«. Aber heute verhält es sich anders. Es herrschen gefühlte 12 Grad und regnen tut es »leise Bindfäden«. Von Sommerregen kann keine Rede sein. Eigentlich wollte ich bereits weiter fortgeschritten sein in der Schweiz, aber der einsetzende Dauerregen an der Grenze hatte mich zunächst etwas deprimiert.

 

Was gibt es also für eine bessere Medizin, als einfach rechts abzufahren und die Einladung einer depressiven Stimmung einfach abzulehnen, mit einem freundlichen aber bestimmten »Nein danke, heute kein Bedarf«. Dort, wo es trotz Regen einladend aussieht und üppig grünt, ein paar Schritte fernab der Straße zu laufen und ... einfach mal TIEF durchzuatmen.

 

Welch schöne Aus- und Einblicke ich hatte und was für eine fantastische Natur mich umgeben hat, seht ihr in den Bildern. 

 

Und morgen ... Morgen fahre ich solange weiter bis die Sonne scheint. Dieser Satz ist für Feli!

 

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Spontaneität, die ...

Geradliniger Weg

Laut Wikipedia folgt die Person (also die, die spontan handelt) aus eigenem Antrieb auf eine für die Umwelt oft überraschend schnelle Weise, ... (weiterlesen). Spontaneität basiert anscheinend auch auf einem besonderen Maß an Intuition. Wer spontan handelt, heißt es da, hat gute Erfahrung im Umgang mit den eigenen Emotionen. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass ein zu hohes Maß an emotionaler Spontaneität sowohl für einen selbst als auch für den anderen manchmal durchaus etwas irritierend wirken kann. Ach ja und bei körperlichen Ereignissen handelt sich dabei um eine Art Reflex. Das kann ja manchmal wiederum durchaus vorteilhaft sein. 

 

Was veranlasst mich heute darüber in meinem Blog zu schreiben? Sicher unter anderem die Tatsache, dass ich heute Mittag spontan (mit kurzfristiger Ankündigung) auf einen Besuch bei einer Kollegin am Zürichsee vorbeigefahren bin, das Glück hatte, sie zu Hause anzutreffen und von ihr Willkommen geheißen wurde.

 

Eigentlich hatte ich mir gestern Abend ja vorgenommen, heute solange zu fahren, bis die Sonne scheint. Aber heute bin ich müde. Wovon – mag sich da der eine oder andere fragen? Vom Reisen, dem Wetter, vom »immer wieder Entscheidungen neu treffen« und vielleicht auch davon, endlich einmal die Zeit zu haben, mich treiben zu lassen. Widersprüchlich? Finde ich nicht.

 

Wenn wir unserem täglichen »äußeren« Rhythmus folgen, also einer (im übrigen wie ich der Meinung bin) frei gewählten aber von äußeren Rahmenbedingungen abhängigen Tagesstruktur folgen (Arbeit, Familie, biologische und lebenserhaltene Rhythmen, etc.), leben wir doch häufig entgegen unserer eigenen Chronobiologie. Man geht Verpflichtungen ein, versucht seinen eigenen Werten gerecht zu werden, hält Versprechen und Verträge ein – häufig viele Jahre lang – ohne sich darüber bewusst zu sein oder zu werden, wie die eigene innere Uhr tickt und was das entsprechende Tageszeit abhängige Bedürfnis ist. Ich glaube, wichtig ist es, sich immer wieder Pausen zu gestatten und sich die Zeit zu nehmen, wenn auch nicht von heute auf morgen möglich, sich seiner bewusst zu werden. Ich bin sicher, dieses Thema werde ich in späteren Blog-Beiträgen wieder besprechen. Freue mich über Eure Kommentare hierzu.

 

So, genug philosophiert – jetzt geh' ich runter an den Zürichsee und trotze dem Regen. Wie sagte letztens jemand in einem TV-Reisebericht »Ich bleibe stehen, mache eine Pause und genieße das Naturschauspiel.«


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An Tagen wie diesen ...

Ankunft in Bella Italia
Ankunft in Bella Italia

… ist es gut, Begleiter zu haben, die mir meine Freunde zu Beginn meiner Reise mitgegeben haben. Heute morgen habe ich mich wieder aufgemacht. Nach so viel Spontanität ist es gut, zumindest für kurze Zeit einen Plan zu haben. Auch wenn ich noch ein paar Wanderungen vorhatte, verlasse ich heute die schöne aber momentan extrem regnerische Schweiz, um endlich nach Bella Italia zu reisen. Meine Stimmung ist mittelmäßig und etwas getrübt durch das graue Nass. Aber der Song »May The Longtime Sun« meiner Freunde aus München wirkt Wunder und ich fühle mich getragen von der Musik, guten Gedanken und der Vorfreude auf Italien.

 

Kurz vor St. Moritz und dem Silvaplaner See hört es wenigstens auf zu regnen, wenn auch der Himmel noch immer recht grau scheint. Immerhin ein Hoffnungsschimmer, der meine Stimmung hebt. Heute fahre ich solange ich Lust habe und lade gleichzeitig meine innere Stimme ein, mir zu flüstern, wo ich anhalten soll. 

 

Und dann endlich kommt der Grenzübergang kurz hinter dem Majola-Pass (Soglio - Chiavenna) ... Benvenuto in Bella Italia. Hier begrüßt mich die Sonne – auch gleich im Herzen. Und zu so einer Begrüßung gab es einen echt italienischen Cappuccino.

 

Die erste Nacht in Italien verbringe ich auf einem Campingplatz Adamello, der seinen Namen vom Parco Adamello abgeleitet hat. Neben ein paar italienischen Motorradfahrern bin ich der einzige Gast für heute Nacht. »Ciao, sei qui da sola?« Vorsichtshalber habe ich freundlich »Nein« gesagt :-). 

 

 

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Italienisch für Anfänger (Teil 1) ...

Ankunft am Lago di Garda
Ankunft am Lago di Garda

Dies ist ein Restaurant ... Ah ja, alles klar. Heute möchte ich mir Trento anschauen. Nach vielen Serpentinen und langer Fahrt endlich angekommen war mein Bedürfnis nach einem Cappuccino groß. Hätte ich mir natürlich auch denken können, die Tische im Restaurant waren draußen zum Lunch eingedeckt, da kommt es nicht so gut an, nur einen Cappuccino zu trinken und nichts zu Essen zu bestellen. Aber die Verlockung war so groß, dass ich nicht weiter darüber nachgedachte. Würde ich das in Deutschland auch so machen? Sicher nicht, dort gehe ich in ein Café oder in eine Bar (oder bereite mir den Kaffee zuhause selbst zu).

 

Mit etwas Abstand bin ich dankbar für diese erste italienische Lerneinheit (selbst wenn ich zunächst etwas irritiert war) und stelle fest, dass es so gar keinen Grund gibt, mich darüber zu ärgern. Nur weil ich hier ein paar Monate verbringen möchte, muss ich nicht von der ersten Sekunde an freundlich behandelt werden. Im Gegenteil, mir ist es viel lieber, dazu zu lernen und die Menschen und Verhaltensregeln in diesem Land kennenzulernen. 

 

Eine andere Begebenheit kurz zuvor auf der Fahrt vom Parco Adamello nach Trento hatte ich an einer Tankstelle. Ich wunderte mich etwas über zwei unterschiedliche Diesel-Preise und fragte den herbei eilenden Tankwart, warum es denn verschiedene Preise gäbe. Noch bevor er antwortete, begann er flink zu tanken – ich war erfreut über so einen zuvorkommenden und schnellen Service – und erklärte mir, dass Selfservice vier Cent weniger kosten würde als der Service. Ich würde mal sagen, das war Italienisch für Anfänger Teil 2. 

 

Aber immerhin haben sich in einem Bergdorf ebenfalls auf der Etappe drei Männer gleichzeitig darum gekümmert, als ich nach einem Verlängerungskabel für meinen Bus fragte. Und schon standen sie mehr oder minder gleichzeitig lamentierend und diskutierend über der Werkbank, um besagtes Kabel eigens für mich mit den Steckern dafür herzustellen. Auch zwei hinzukommende Kunden, die eigentlich einen anderen Wunsch hatten, haben sich ereifert, ihr Wissen darüber preiszugeben. 15, 20 oder 25 Meter und die Stärke des Kabels, das musste erstmal erörtert werden. Für welche Zwecke? Ach so ja, ... Camping. Und wieder die Frage »Sei qui da sola?« Dieses Mal als Antwort »Nein, ich besuche meine Familie«. Das ist Teil 3 von Italienisch für Anfänger: Über so viel italienische Hilfsbereitschaft muss berichtet werden. 

 

Nun bin ich am Lago di Garda angekommen. Eigentlich wollte ich in Riva di Garda haltmachen. So viele Menschen haben mich für heute jedoch abgeschreckt. Also bin ich weitergefahren und irgendwo hinter Limone links abgefahren. Nun stehe auf dem Campingplatz mit meinem Bus direkt am See. Leider soll das Wetter schon wieder umschlagen. Abwarten. 

 

 

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Lichtblicke ...

Suchbild: Wasserfontäne mit Ente
Suchbild: Wasserfontäne mit Ente

... gab es heute immer wieder. Endlich hat sich die Sonne wieder blicken lassen. Bis Mittags gab es schönes warmes Frühlingswetter und alle waren draußen am See. Am Nachmittag dann leider wieder dramatische Wolkenspiele am Himmel. Das hat aber die Wasserfontäne nicht davon abgehalten, auf schön Wetter zu machen und fröhlich vor sich hin zu plätschern. 

 

Morgen bekomme ich Besuch aus Deutschland und treffe für eine Woche meine Kollegin und Freundin. Auf uns warten Weinprobe, Wandern, Fahrradtouren, Faulenzen, gutes Essen und la dolce vita ... ach ja, natürlich bei (hoffentlich) schönstem Sonnenschein.

 

Demnächst schreibe ich vielleicht mal einen Blog-Artikel über »peinliche Sauberkeit«. Dazu habe ich schon ein Bild eingestellt (vor kurzem entdeckt auf einem Campingplatz). 

 

 

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Endlich Sonne - Urlaub am Gardasee ...

Ein Traum von einem Bulli
Ein Traum von einem Bulli

Was für ein Unterschied es doch macht, wenn die Sonne schon morgens durch mein Busfenster scheint und mich anlächelt und dies auch noch an meinem genialen Stellplatz nur 10 m vom Ufer des Gardasees entfernt. Ich stelle heute einfach nur ein paar Bildimpressionen ein. Obwohl – eine kleine Geschichte gibt es noch zum Besten:

 

Als ich gestern auf dem Platz am Gardasee ankam, habe ich spontan Holger und Kim mit dem tollen Bulli kennengelernt. Wirklich ein Traum von einem Bulli und sehr liebevoll ausgestattet. Gute Reise Ihr zwei! Schön, dass wir uns kurz begegnet sind. 

 

Immer wieder ist es für mich spannend irgendwo anzukommen, um mich dort für eine Weile niederzulassen. Dabei beobachte ich die unterschiedlichsten Reaktionen, gepaart aus einer Mischung aus Faszination und Unverständnis und mitunter wahrscheinlich auch Mitleid gegenüber einer »allein reisenden Frau«. 

 

Hier ein kurzer Dialog:

»Und sie sind alleine unterwegs?«

»Ja.«

»Aha. Das ist aber ganz schön mutig von ihnen.«

»Ja, finden sie?«

»Na ja, können sie den denn überhaupt alleine fahren, den Bus?« 

»Ach na ja, also, das ist kein Problem, fährt sich ganz gemütlich.«

 

Und so weiter. Smalltalk eben, einfach irgendeine Art von Kontaktaufnahme.

 

Einigen brennt aber auch die Neugier unter den Nägeln, mich nach dem eigentlichen Grund zu fragen. Nur trauen tun sich das die wenigsten. Warum eigentlich? Könnte ja was Schlimmeres dahinter stecken. Warum macht die das? Ist die frisch geschieden? Hat die keinen abgekriegt? Ist es gar eine Aussteigerin? Aber eigentlich sieht sie ganz normal aus. 

 

Alles was anders ist, macht auch etwas Angst. Wenn ich dann doch gefragt wurde, ergab sich meist immer ein intensives und schönes Gespräch. Plötzlich war die Unsicherheit auf der anderen Seite wie weggeblasen. Interessant, oder?

 

Es geht darum, die Dinge wie sie sind zu beobachten. Kommunikation hat auch etwas mit innerer Haltung zu sich selbst und anderen gegenüber zu tun. »Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge.« (Kurt Marti)

 

 

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4 Wochen später ...

... einfach nur dazusitzen und vor sich hinzuschauen.
... einfach nur dazusitzen und vor sich hinzuschauen.

... nach meiner Abreise aus Lübeck sitze ich auf einer Bank im »Sentiero delle Cime del Ventrar« ca. 1500 m über dem »Lago di Garda« und wage einen ersten Rückblick auf meine Auszeit. 

 

Ca. 2500 km bin ich bereits gefahren. Es erscheint mir nicht viel – in Anbetracht der Tatsache, dass ich mindestens noch bis in den Süden Italiens reisen möchte und auch irgendwann wieder zurückfahren werde. 

 

Bewusst langsam habe ich mich auf den Weg gemacht. Die schönen Begegnungen mit meinen Freunden in ganz Deutschland haben mir einmal mehr gezeigt, dass ich nicht nur durch die Vielfalt meiner beruflichen Reisen wunderbare Menschen kennenlernen durfte. Ich bin dankbar für mein Leben, versuche jeden Tag bewusst zu genießen, mit allen Höhen und manchmal auch Tiefen. Neben vertrauten Begegnungen gab es auch manchmal dunkle (Regen-) Tage, an denen ich vor lauter Entscheidungsfreiheit und der unendlichen Vielfalt an Möglichkeiten schier nicht wusste, ob ich links oder rechts abbiegen wollte. Da ist so ein »Navi« manchmal ganz hilfreich, denn es sagt einem – wenn auch nicht immer logisch nachvollziehbar – »In 300 m links abbiegen, dann sofort rechts abbiegen«, sofern im Vorfeld das Ziel eingegeben wurde. 

 

Wo will ich heute hin? Ein kurzer Blick auf die Karte zeigt mir alle Möglichkeiten. Nun muss ich »nur« noch entscheiden! Dabei sind Neugier und Mut stets meine Begleiter. Auf beide kann ich mich verlassen, wie auch auf mein (Ur-) Vertrauen »Wird schon alles gut gehen« und das tiefe Gefühl, dass es in meiner Vorstellung etwas Höheres gibt, mit dem ich verbunden bin. Ich lasse mich leiten und versuche meiner inneren Stimme zu folgen. 

 

Immerhin leben wir hier in Europa ja in einer tollen, wenn auch mit Herausforderungen gespickten Gemeinschaft, in der es nicht wirklich etwas auszuhalten gibt, oder? Kein Krieg vor der Tür – außer der Kleinkrieg unter uns Menschen. »Du hast mich geärgert, mein Chef ist Schuld, der Kollege macht nicht das, was er soll oder ich will, ich bin unglücklich mit meiner Partnerin oder meinem Partner, ändere du doch dein Verhalten, dann wird alles besser, etc.«

 

Ist es anmaßend zu sagen, wir leben im Schlaraffenland? Ich finde nicht. Wir haben alles und vor allem die volle Entscheidungsfreiheit. Wenn wir Ja sagen, hat das genauso Konsequenzen als wenn wir Nein sagen. Bei uns gibt es immer volle Teller, Supermärkte, die mit ihren Lebensmitteln und anderen Dingen aus allen Nähten platzen und Kleidung, soweit das Auge reicht. Was wollen wir mehr? Wir wollen zufrieden sein und von allem etwas, wollen auf keinen Fall »zu kurz kommen«. Um uns möglichst »alles« leisten zu können, verzichten wir gleichzeitig auf so vieles. Wie z.B. der Ruhe, dem einfach vor sich hinschauen, um der eigenen Kreativität wieder mehr Spielraum zu geben. 

 

So, das könnte jetzt sicher noch einige Stunden so weitergehen. Ich persönlich liebe ja das Philospophieren. Dazu gibt es einen interessanten Leserartikel in der Zeit.

 

Wer übrigens einmal am Gardasee unterwegs ist, dem lege ich den »Sentiero delle Cime del Ventrar« ans Herz. Er wird von Wanderern und Botanikern als einer der schönsten Wanderwege Europas bezeichnet. Der Weg überquert auf ganzer Strecke schwindelerregende und fantastische Felswände, die sich mehrere 100 m tief in das wilde »Tal de l' aqua« stürzen. Die Wanderung hat mir nicht nur ein paar schöne Bildimpressionen geschenkt, sondern auch eine gehörige Portion Muskelkater:-). Aber aller Schmerz wird bald verschwunden sein, so dass ich mich in die nächsten Abenteuer (wo auch immer) stürzen kann.

 

 

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Grazie mille ...

Wie aus dem Kalenderblatt ...
Wie aus dem Kalenderblatt ...

... an all jene, die mir bisher so schöne und inspirierende Emails und Kommentare geschrieben haben. Eure offenen und aufrichtigen Gedanken und Worte zu meiner Reise begleiten mich und tun mir gut. Das gibt mir das Gefühl mit Euch in Verbindung zu stehen und ich freue mich sehr, dass Euch mein Blog gut gefällt und Ihr auf diese Weise auf meiner Reise teilnehmt. 

 

Die Woche am Gardasee, gemeinsam mit meiner Freundin Silke ist schön und intensiv und neigt sich langsam dem Ende entgegen. In den vergangen Tagen habe ich mich weniger als eine Reisende sondern vielmehr als Urlauberin gefühlt, die »la dolce vita« am Lago di Garda in freundschaftlicher Gesellschaft verbringen darf. 

 

Auch wenn das Wetter hier sehr durchwachsen ist, nicht nur die Sonne, diese aber immer öfter scheint, gibt es immer ein paar Möglichkeiten aktiv zu sein oder manchmal auch einfach die Seele baumeln zu lassen. So wie heute. Die einzigen Bewegungen, die ich heute von mir gebe, sind die durch einen Gang von und zur Waschmaschine, ins Waschhaus oder zu meinem kleinen aber feinen Gasherd, um neuen Kaffee zu bereiten. Zwischendurch schreibe oder lese ich oder wechsle ein paar Worte mit den Platznachbarn.

Darunter auch Lydia und Waldemar, die sich mit ihrem neuen und, wie ich finde, sehr schönen Wohnmobil und ihrer Reise damit einen langjährigen Traum erfüllen. Sehr nette und sympathische Menschen, die heute leider schon wieder in Richtung deutsche Heimat aufbrechen mussten und nicht versäumten, mich für meinen Rückweg irgendwann im Herbst zu sich einzuladen. Liebe Lydia, ich habe die Abschiedstränen in Deinen Augen gesehen und verstehe sie gut ... oder war es gar der morgendliche Wind?

 

Die Märkte in dieser Gegend haben uns zum schlendern eingeladen und natürlich gibt es auch ein paar Dinge, die wir plötzlich meinten, unbedingt haben zu müssen. Schuhe, Taschen und Kleidung gibt es zu noch einigermaßen fairen Preisen in jeder Menge. Ich bin froh, dass mein Bus nur begrenzte Ladekapazität und die Reichweite meines Geldbeutel-Inhaltes begrenzt ist. 

 

Gestern übrigens war Kultur in Verona angesagt. Eine Stadt, die mir sehr gut gefallen hat und deren Arena im Herzen der Stadt mein früheres Bauingenieur-Herz hat höher schlagen lassen. Welch wunderbares Werk, welch schöne Architektur und wie schön, dass diese Stadt ihren Wert erhält und mit Opern, Arien und diversen Konzerten die Aufmerksamkeit auf sich zieht. 

 

Morgen mache ich mich wieder auf den Weg. Erst zum Flughafen Verona, wo ich meine Freundin verabschieden werde, dann weiter Richtung Süden, in die Toskana.

 

 

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Atemberaubend und schön ...

Durch wilde Berglandschaften ...
Durch wilde Berglandschaften ...

... waren die Berglandschaften und engen Straßen durch die mich der Weg heute von Verona in die Toskana nach Lucca geführt hat. Hätte ich im Vorfeld gewusst, wie eng und steil und mit wie vielen Serpentinen die Strecke bestückt ist, wäre ich vielleicht nicht in so schöne Regionen fernab der allgemeinen "Rennstrecke" – der Autostrada – gefahren. Sicher ... ich wäre schneller von A nach B gereist. Wäre aber auch langweiliger und teurer gewesen, aufgrund der Maut obendrein. Außerdem war mir ja zunächst nur »A« als Ausgangspunkt bekannt – »B« als Ziel meiner heutigen Reise war mir definitiv noch nicht vollkommen klar. Grobe Richtung Toskana, also immer Richtung Süden. Ich hätte durchfahren können bis südlich von Siena, wo ich Bekannte besuchen möchte. Aufgrund der genialen Landschaft jedoch, die sich mir bot, bin ich nur langsam vorangekommen, um immer wieder aufs Neue Halt zu machen und Bildimpressionen einzufangen.

 

Außerdem habe ich die Führung heute einer freundlichen aber sachlichen Stimme namens »Anke« überlassen. Die einzigen Vorgaben, die ich ihr gegeben habe, waren »Autobahnen vermeiden« und »schöne Route«.

OK, ich gebe es zu, es war aufregend und spannend, was sie mir da geboten hat. Du willst eine Herausforderung? Also schön, hier hast du sie.

 

Schöne Route, hohe Berge, viele enge Serpentinen. Mein Auto ist genial, konnte mir mal so richtig zeigen, was es drauf hat und ich, ... ich hatte jede Menge Spaß dabei. Unterwegs kam dann noch meine Tankanzeige zum Leuchten. Wie lange reicht eigentlich so eine Reserveanzeige? Hätte ich doch noch tanken sollen, aber zugegeben, ich war zu geizig. 1,75 € für den Liter Diesel? Die spinnen ja. Nicht mit mir! Bin ich nicht bereit zu zahlen. Als es dann darauf ankam, hätte ich wohl auch 2,50 € für den Liter bezahlt. Aber soweit ist es glücklicherweise nicht gekommen und »Anke« hat mir auf Anweisung dann auch noch exakt die nächste Tankstelle berechnet. Es kommt eben auf die »richtige Führung« an. Also runter vom Gas, im Gang N (Automatik-Getriebe) den Berg hinunter, das spart zumindest ein paar Milli-Liter. Und dann, nach so viel Wonne und Spaß in fantastischer Landschaft auch noch für 1,56 € den Liter tanken dürfen. Eindeutig mein Glückstag heute. So einfach ist mein Herz gerade zu erfreuen. Siehste, hat sich doch gelohnt. Einfach mal drauf los, ohne groß nachzudenken. Wird schon gutgehen. Ist es ja auch.

 

Irgendwann war ich müde vom vielen Kurven und den aufregenden Landschaften und habe kurzerhand entschlossen, rechts abzubiegen, um nach Lucca zu fahren. Kurz vor Torschluss habe ich noch einen sehr stadtnahen Campingplatz ergattert. 800 m Fußweg bis zur Stadtmauer. Wild campen traue ich mich (noch) nicht. Morgen mache ich einen Kulturtag. 



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Lucca ...

It's raining again ...
It's raining again ...

... ist eine wirklich sehenswerte Stadt in der nordwestlichen Toskana. 

 

In der Nacht hat es heftig geregnet. Irgendwo tropft es in mein Auto hinein. Muss noch herausfinden wo. Früh bin ich auf und nach einem leckeren Camping-Kaffee und heißer Dusche ab in die Stadt. Der Himmel versprach einen sonnigen und warmen Tag. Rasch waren die Regentropfen der Nacht  vergessen.

 

Welch Festung diese Stadt umgibt. Einmal unzerstört ringsum. Man flaniert auf der Festung, fährt Inliner, Fahrrad, Skatboard, man joggt, walkt, geht spazieren und manchmal sitzt man auch nur da, um zu schauen. Hier muss auch Astrid Lindgren gewesen sein. Ein buntes Treiben, ein Bild von Leben, Vielfalt und Gemütlichkeit. 

 

Enge gepflasterte Gassen, jede Menge Kirchen, Museen, Piazzas, Cafés, die zum Espresso oder Capuccino einladen, fantastische Bauten und gemütliche Läden. Ich weiß dann immer gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll, nach oben auf die Bauwerke oder nach unten, die Einladungen der vielen bunten Läden annehmen. 

 

Hier findet Ihr ein paar schöne Bildimpressionen der Stadt. 

 

Es gibt noch eine Geschichte zum Besten:

Um die Mittagszeit bin ich in ein Lokal gegangen und habe leckere hausgemachte Pasta gegessen. Der Himmel zog sich bereits zu, aber wir Touristen wollen ja um jeden Preis jede Minute im Freien verbringen – so auch ich. Das zieht vorüber, außerdem sitze ich ja unter dem großen Sonnenschirm, ich geh' doch jetzt nicht rein. Schon bald begann es heftig zu blitzen und zu donnern, doch der Regen hat noch etwas gezögert. Irgendwann ging es dann los. Dicke Regentropfen hatten auch bald schon die Sonnenschirme und somit auch uns Touristen durchweicht. Also alle rein. Das war eng, aber irgendwie auch gemütlich. Man kam ins Gespräch, ins Palavern, wer wohin, woher, mit wem, warum, wie lange, ach ja, das wollte ich auch schon immer mal machen so ein »sabbatical«. War schön, auf alle Fälle. Aber natürlich ... es standen noch andere Leute im Türeingang, freundlich aber bestimmt wurden wir gebeten, die Plätze zu tauschen. Heißt, wir in den Türeingang – immerhin hatten wir fertig gegessen – und die anderen an den Tisch, die hatten immerhin noch Hunger. 

 

Und es regnete und regnete ... und schien auch sobald nicht aufhören zu wollen. Da hatte ich nun meinen schönen blauen kleinen Knirps in meinem Bus liegen lassen. Sah ja nicht nach Regen aus. In Lucca gab es ein paar gewiefte Straßenhändler, die von der fliegenden Sorte und die – bei Regen – sofort zur Stelle sind. Die Arme voll mit kleinen und großen Regenschirmen, ein angemessener Preis, aber wenn es schon mal regnet und ihre Zeit gekommen ist, dann schlagen sie zu. Verständlich. Aber heute wollte keiner so richtig zugreifen. Ich auch nicht. Hab ja meinen kleinen blauen, brauche keinen zweiten – dachte ich. 

 

Und es wurde irgendwann weniger. Man verabschiedete sich, wünschte sich das Beste usw.

Pustekuchen, das war erst der Anfang einer Serie von Hagelgewittern und Regengüssen. Bis zum Campingplatz sind es ja nur ca. 1 km Fußweg. Aber schauen kann man ja mal, im nächsten Shop nach einem großen, bunten Regenschirm. Ist sicher günstig hier. Hätte ich mich mal rechtzeitig an den Straßenhändler gehalten ... Eine Frau vor mir im Geschäft (italienisch wohlgemerkt) beschwerte sich lautstark darüber, dass die Schirme hier im Laden doch dreimal so teuer seien wie auf der Straße. Gut, mein italienisch ist nun wirklich nicht gut, aber das habe selbst ich verstanden. Der Verkäufer, bemüht höflich und freundlich zu bleiben, erklärt das »warum und weshalb«. Als fliegender Händler muss man keine Steuern und selten Standmiete zahlen – vorausgesetzt man ist schnell genug, wenn die Carabinieri kommen und lässt sich nicht erwischen. Aber sie ließ sich nicht besänftigen, zeterte, meckerte und kaufte den Schirm – so auch ich. 

 

Am Nachmittag bin ich weitergefahren, wieder spontan, wieder Richtung Süden, wieder durch fantastische toskanische Landschaft. Hier ist es schön! Ich möchte bleiben. Ich bin bis San Gimignano gekommen. Spät angekommen, noch einen entfernten Platz gefunden und mit Vino Bianco und ein paar Chips gemütlich in den Bus gesetzt und geschrieben. Für Euch, für mich. Buena Notte!


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Ab ins Kloster ...

Ab ins Kloster ...
Ab ins Kloster ...

... dachte ich mir, als ich gestern das Schild links an der Straße kurz vor Pienza sah. 3 Tage "minimum stay". OK, ich brauche mal was anderes als die Matratze in meinem Bus. Vor allem brauche ich Ruhe. Nichts hören, ruhige Atmosphäre, runter kommen, nicht mehr umherfahren und außerdem war ich wie immer »neugierig« und wollte mal sehen, wie es sich so in einem italienischen Kloster schlafen lässt. 

 

Ornella hat mich begrüßt – eine großartige Frau, die hier das Management des Agriturismo auf S' Anna betreibt. Eigentlich ein Bed & Breakfast, manchmal gibt es auch Dinner. Wenn nicht – selbst versorgen!

 

Hier ist es so ruhig – das hat mich erstmal etwas irritiert. Was mache ich hier eigentlich? Irgend etwas hat mich doch getrieben links abzubiegen und spontan zu entscheiden, hier drei Nächte zu verbringen. Was will ich damit anfangen? Mal wieder lasse ich es auf mich zukommen.

 

Hier wurde übrigens »Der englische Patient« gedreht. Ein toller Film vor grandioser Kulisse. Noch ist die »Crete-« grün und üppig, in ein paar Wochen wird hier alles verbrannt und bräunlich sein. So wie man die südlich gelegene Toskana im Hochsommer und Herbst (und sei es nur von Bildern) kennt.

 

In den vergangen 5 Wochen habe ich nicht so entspannt geschlafen wie hier. In der Nacht höre ich absolut nichts außer die Natur – vor allem Käuzchen, die miteinander kommunizieren. Da wird mir ganz warm ums Herz, das sind alte Kindheitserinnerungen. Schon allein dafür hat sich dieser Abstecher hier gelohnt. Und zu einem kargen gewohnt italienischen Frühstück erklingt Freejazz durch alte Klostermauern. Herrliche Atmosphäre. Letztes Jahr soll hier eine französische Gruppe von Leuten ein indisches Fest über 1 Woche lang gefeiert haben. Wenn das nicht International und »über-religional« bedeutet. Und hier handelt sich um ein katholisches Kloster wohlgemerkt. Aber um die Gemäuer zu erhalten hat man sich für den touristischen Weg entschieden.

 

Und dann die Landschaft. Jeden Stein, jeden Baum, jede Aussicht möchte ich in mir aufnehmen und festhalten. Aber wirklich festhalten geht nicht, höchstens in digitaler Form. Für die Zukunft und, um Euch Bildimpressionen zu schenken.

 

Doch der Moment vergeht – mit jedem Atemzug – einatmen und ausatmen – und im Geiste sind wir schon irgendwo im »Jahre sonst so«, nur nicht im Hier und Jetzt. Das ist ein wichtiges Thema für mich um die Lebensfreude wieder zu steigern.

 

Bei meiner heutigen Wanderung kam ich, wie so oft ins Nachdenken. U. a. inspiriert von einem Buch, das ich gerade lese. Andreas Altmann hat das Buch »Triffst Du Buddha, töte ihn« geschrieben. Ich lese es mit einer Mischung aus Faszination und »genervt sein«. In Teilen polarisiert es mich und einige Aussagen treffen mich – ja, bisweilen verletzen sie mich auch. Denn darin erkenne ich mich durchaus manchmal wieder und fühle mich angesprochen. 


In meinem nächsten Blog erzähle ich mehr darüber.

 

 

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Ruhe und Stillsitzen ...

Ein Schauspiel ...
Ein Schauspiel ...

... und dann möglichst keinen daherkommenden Gedanken nachzueifern. Darin habe ich mich heute hier im Kloster S’ Anna versucht zu üben. Leicht fällt es mir nicht, Sekunden (nicht Minuten-) lang klappt es, von Stunden kann keine Rede sein. Dabei lädt die Klosteratmosphäre hier dazu ein.

 

In seinem Buch »Triffst du Buddha, töte ihn!« berichtet der Autor Andreas Altmann keineswegs von Mord und Totschlag. Vielmehr handelt es sich um einen Erfahrungsbericht. Der Autor erzählt über eine seiner Indien-Reisen und als Hauptinhalt darin von seinen Erfahrungen während einer 10-tägigen Meditation – dem Vipassana. Er begegnet dort einem Mann, seinem »Lehrer«, der trotz (oder gerade deswegen) Meditation ganz von dieser Welt scheint – »radikal spirituell« was Altmann mit »radikal antireligiös« gleichsetzt. 

 

Seine Suche nach dem Einen in Indien beschreibt er mit dem Satz »Wenn ich auf dieser langen Reise dem einen nicht begegne, von dem ich nichts weiß, als das ich ihn brauche, dann ist mir nicht zu helfen.«

Und er schwört, den Weg nach innen nur anzutreten, wenn der Weg auch nach außen führt, zurück in die Welt. »Nichts wäre absurder, als sich nach innen zu verziehen, um der Welt, diesem Weltwunder, zu entsagen«. Warum er das tut? Wohl auch um zu lernen, im Augenblick zu leben. »... immer da zu sein, wo ich gerade bin«. 

 

Das gefällt mir, das möchte ich auch! Ja, wirklich? Durchaus! Nur das »wie« ist mir noch nicht ganz klar. Merke ich doch, wie rastlos ich manchmal bin, zu schnell um den einzelnen Augenblick intensiv wahrzunehmen. Aber von alleine kommt das nicht. Da hilft kein »Beten und Bitten«, kein Drängen. Das geht nur mit »den Fuß vom Gas nehmen«. Jetzt muss ich lachen! Na, wenn das nicht zu meiner Reise mit dem Bus passt. 

 

Im Wandern fiel mir ein Satz zu: Manchmal frage ich mich, ob ich nicht langsamer viel schneller ans Ziel kommen würde. In der Langsamkeit, in der sich Achtsamkeit entwickeln kann, lässt sich das Ziel, sofern es denn eines gibt, vielleicht sogar auch schneller erreichen. Aber geht es immer darum, einem Ziel nachzurennen? Vielleicht ist ja das Ziel im Weg? Das habe ich irgendwann mal auf einer dieser Sprüche-Postkarten gelesen.

 

Mir hat mal ein Mönch in Sri Lanka aus der Hand gelesen. In meiner Neugier wollte ich hören, was er mir zu sagen hat. Erschreckend, was so eine Hand alles preisgeben kann. Darunter glücklicherweise mehr Beruhigendes als Unberuhigendes (man sieht und hört nur das was man hören will), vor allem aber auch die Aussage: »Du bist zu ungeduldig!« Ah ja! Sicher bin ich nicht der einzige Mensch aus dem Abendland, auf die diese Aussage so zutreffend passt. Aber er hatte Recht damit. Mal eben in die Hand geschaut und schon die Wirklichkeit dahinter erkannt. 

 

Was mir im Buch von Altmann auch gut gefällt ist, dass er per »Zufall« im Vipassana-Center angekommen ist, im Gepäck eigentlich eine andere Adresse die er aufsuchen wollte.  »Es ist die absolut verkehrte Adresse und es ist ... der absolut rechte Ort«. 

 

Das, was wir suchen, findet uns anscheinend manchmal (wenn wir nicht zu schnell sind, um gefunden zu werden). Ich bin von der Wirkung einer universellen Energie – der Energie des Universums und der Energie der verschiedenen uns umgebenden »Felder« – überzeugt. Was Altmann darüber denkt, da bin ich mir nicht sicher. Vielleicht durchschaue ich ihn beim Lesen weiterer Bücher etwas besser.

 

Seine Sprache ist recht wortgewaltig – im Positiven wie im scheinbar Negativen Sinne. Er ist radikal in seinen Aussagen, schonungslos, gibt seine Ansichten ungeschönt und doch voller Aufrichtigkeit und manchmal auch sensibel wieder. Ein Suchender, der findet und gefunden wird, der mit sich und der Welt ehrlich ins Gericht geht, nicht immer mit schönen Worten. Das ist durchaus erlaubt!

 

Im Vergleich der Ansichten und Verhaltensweisen verschiedener Religionen schreibt er den Satz »Mich wundert woher diese Lust nach Erniedrigung kommt. Statt die Lust nach Würde, Grandezza und Selbstachtung zu fördern.« Das ist ein starker Satz, finde ich. Und Recht hat er – einerseits! Andererseits – was ist mit denen, die durchaus Kraft aus einer Religion schöpfen, denen, die nicht ständig palavern, ihre Religion sei die einzig Richtige? Auch diese benennt er irgendwo und sie kommen einigermaßen gut weg. Das beruhigt mich, unabhängig von meiner persönlichen Einstellung dazu. 

 

Mich hat das Buch fasziniert und immer wieder polarisiert, will sagen, auf der einen Seite stimme ich vollkommen zu und nicke heftig, auf der nächsten Seite denke ich »was für ein Blödmann«. Sorry, seine Sprache, die ich da kurz mal übernehme.

Er be- und verurteilt und will sich doch eigentlich und irgendwie auch weit davon entfernt wissen, oder habe ich das nicht richtig aufgefasst? Bisweilen haben mich seine geschriebenen Sätze neben aller Faszination auch getroffen. Dann ist ja meistens was dran. Manchmal musste ich auch lachen – so viel Lebensweisheiten und -ansichten in einem einzigen Buch serviert zu bekommen, ... Altmann aber scheint bereits einige Erfahrungen mit Meditationen zu haben und erlaubt sich seine Ansichten. Gut so! Ich noch nicht. Auch gut so!

 

Drei Sätze aus seinem Buch, die mich berühren, ja bewegen (schwierig mich hier zu entscheiden, es gibt noch so viele weitere Sätze, die mich sehr angesprochen haben):

 

  • Einer der Beweggründe für das Reisen ist der Wunsch, das zu verlassen, was man schon kennt, eben das, was einem vertraut ist, ja oft schon ermüdet, schon lange nicht mehr begeistert. »... Und man zieht los, um das aufzusuchen, was fremd ist, unvertraut.«
  • Du bist für dein Leben verantwortlich und kein außerirdisches Wesen wird deine Abstürze und Notlandungen verhindern. Auch nicht dein Glück.
  • Erwachsene sind all jene, die aufgehört haben, nach Sündenböcken zu suchen, und bereit sind, Verantwortung für das zu übernehmen, was sie tun.

 

Vielleicht ist dieser Blogtext eine Anregung für Euch, das Buch zu lesen. Ich kann es sehr empfehlen.

 

 

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Zum Italienisch-Sprachkurs ...

Unterwegs in der Toskana ...
Unterwegs in der Toskana ...

... für Anfänger – einem Intensiv-Sprachkurs in Siena – habe ich mich angemeldet. Ab Montag lerne ich 14 Tage lang an einer Sprachschule italienisch. Dank an Carla für diesen Tipp. 20 Stunden pro Woche stehen auf dem Lehrplan. Ich bin gespannt und freue mich schon sehr darauf! 

 

D. h. ich werde zwei Wochen lang in Siena leben, jeden Tag mit dem Fahrrad in die Scuola radeln und italienisch pauken, um meiner kleinen Sehnsucht nach »Heimat und eingebunden sein« – nachzukommen und, um zumindest etwas italienisch »mitreden« zu können.

 

Es kann also durchaus sein, dass ich in den nächsten Tagen nur selten dazu komme, wie gewohnt meine Blogs zu schreiben. Vielleicht finde ich die Muße zwischendurch, falls nicht, bin ich spätestens nach dem Kurs wieder da. 

 

Ein kurzer Gruß noch an dieser Stelle an Max und Melanie aus der Schweiz – sehr sympathische Menschen – mit denen ich gestern Abend hier im Kloster ein fantastisches 4-Gänge-Menü – präsentiert von Ornella und Stefano (dem Management-Team von S’ Anna) – genießen konnte. Grazie Mille!

 

 

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Zwei für Eine ...

Ankunft auf der Isola d'Elba
Ankunft auf der Isola d'Elba

... bekam ich in den vergangen Tagen. Wie berichtet habe ich mich zu einem 2-wöchigen Italienisch-Sprachkurs in Siena angemeldet. Als ich am letzten Montag dort ankam, erzählte man mir, dass der (absolute) Beginner-Kurs leider bereits eine Woche zuvor angefangen habe, ich aber nun die fantastische Möglichkeit bekäme, innerhalb der nächsten 2 Tage durch quasi Privat-Unterricht (gemeinsam mit meinem Kommilitonen Nathan aus Südafrika) den bereits begonnenen Kurs nachzuholen – also 1 Woche in 2 Tagen –, um dann am Mittwoch in die fortgeschrittene Klasse einzusteigen. Ohne mir weitere Gedanken darüber zu machen, habe ich spontan zugesagt. Das nennt man also »Intensiv-Kurs«. Hätte ich im Vorfeld gewusst, worauf ich mich eingelassen habe, hätte ich der italienischen Grammatik, den vielen neuen Vokabeln und der italienischen Ausdrucksweise etwas mehr Respekt gezollt. :-) Aber Rückzieher machen ist nicht.

 

Heute also – an meinem Geburtstag – habe ich dann mit wahrlich rauchendem Kopf und bestandenem Abschlusstest den Sprachkurs beendet. Im Kopf den »gepaukten« Inhalt von 2 Wochen. Nebenbei gesagt kann den aber sicher schon aus reiner Höflichkeit der italiensichen Sprachlehrer uns Anfänger gegenüber, ganz sicher jeder bestehen. 

 

Das Umsetzen des erlernten Inhaltes gestaltet sich jedoch noch äußerst(!) schwierig für mich. Doch nun

habe ich Zeit jeden Tag das Erlernte zu wiederholen und nach und nach beim Einkaufen, Grüßen oder Plaudern auszuprobieren und es heißt üben, üben, üben.

 

Denn was nützt uns das Wissen, wenn wir es nicht umsetzen?! Vom Wissen allein kann man nur selten zufriedener und glücklicher werden, oder? Ich merke, dies könnte ein Ansatz zum weiteren Philosphieren sein, doch ruft mich zunächst »la spaggia«. Denn seit heute Abend bin ich auf der schönen Isola d'Elba

 

 

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Tanti Auguri – Grazie Mille ...

Fernweh I
Fernweh I

... für die zahlreichen Geburtstagskommentare, -mails, -sms und -anrufe von Euch. Ich habe mich SEHR darüber gefreut, dass Ihr an mich gedacht habt. Vielen Dank!

 

Am Freitag bin ich also direkt nach dem Abschluss an der Sprachschule – wo mich meine internationalen Kommilitonen auf italienisch »haben hoch leben lassen« – auf die schöne Isola d’Elba übergesetzt und befinde mich nun an einem Campingplatz direkt am Meer in Lacona. Schaue ich morgens nach dem Aufstehen aus dem Bus, führen mich meine Augen direkt an das Meer.

 

Endlich habe ich ein wenig das Gefühl von »Ankommen«, nach vielen schönen und auch turbulenten Wochen, fast kann ich schon sagen Monaten. Die Bedeutung von »ankommen« ist vielseitig, das Ankommen was ich meine wird beschrieben mit »ein Ziel erreichen« und als Unterpunkt mit »jemand, der los ging (beispielsweise auf eine Reise)«. Hier habe ich Zeit und Muße einfach zu sein, mich nicht zu stressen, meine Anspannung mehr und mehr loslassen zu können.

 

Ist es das Meer, das mich dazu einlädt, die Ruhe oder einfach das Sein in der Natur mit all den Geräuschen – dem sanften Meeresrauschen, dem leichten Wind in den Bäumen, dem Vogelgezwitscher oder den Nebengeräuschen der umliegenden Nachbarn, die mir ein wenig das Gefühl geben, in etwas eingebunden zu sein? Wahrscheinlich von allem etwas. 

 

Ich sitze, stehe, liege oder gehe vor, von und hin zu meinem schönen Bus, der mein Zuhause geworden ist und mir zunehmend vertraut wird. Die Dinge finden sich – wenn auch noch nicht in ausgeprägter Form – wieder. Wobei ich sagen möchte, dass sich diese Aussage derzeit überwiegend noch darauf bezieht, dass ich anfangs immer wieder Dinge in meinem Bus verlegt habe und sie zunächst partout nicht wieder finden konnte. Wer meinen Bus schon einmal gesehen hat, weiß, dass es so viele Möglichkeiten zum Verlegen eigentlich gar nicht gibt. 

 

Sicher hat dies auch etwas mit dem schönen Wort »Achtsamkeit« zu tun. Im gegenwärtigen Augenblick nicht anwesend zu sein, irgendwo in der Zukunft oder in der Vergangenheit zu verharren. Es ist wie es ist und mit etwas Geduld kommen die Dinge schon irgendwann wieder zu einem. Dies ist natürlich nur eine Metapher dafür, dass meine Auszeit u. a. den Grund hat, das etwas zu mir kommen soll, von dem ich nur eine Ahnung davon habe, was es sein könnte. Wer suchet der kann sich auch finden lassen. Doch mit zu wenig Achtsamkeit kann es mitunter passieren, dass man vielleicht die vielen Möglichkeiten, die sich einem tagtäglich immer wieder aufs Neue bieten, gar nicht wahrnimmt und man an dem, was eigentlich auch noch sein könnte, vorbei rennt. 

 

Hierzu gibt es eine einfache Übung, die man jeden Abend vor dem Einschlafen machen kann und die wirklich nur ein wenig Disziplin und ein paar Minuten in Anspruch nehmen. 

 

So kann man bei geschlossenen oder offenen Augen den Tag noch einmal Revue passieren lassen und bei Begegnungen, Gesprächen oder sonstigen erlebten Situationen kurz verharren. Was hätte sich beispielsweise scheinbar ganz profan aus einem Gespräch mit dem Postboten, einer Kollegin oder dem Reinigungspersonal oder aus einem entgegengebrachten Lächeln ergeben können? Oder daraus, jemandem die Vorfahrt zu gewähren, auch wenn man selbst sie eigentlich gehabt hätte. Es geht nicht nur um die scheinbar großen Dinge, auf die wir warten und die sich uns bieten (können und sollen) sondern auch um jede einzelne Begebenheit für sich, die weitere Möglichkeiten bergen kann. Wir entscheiden (bewusst oder unbewusst) jeden Tag, jeden Moment aufs Neue, welchen Weg wir einschlagen und welche Möglichkeiten wir daraus wahrnehmen und welche nicht. 

 

Im Übrigen habe ich ein paar neue Bildimpressionen der vergangenen Tage eingestellt, die betrachtet werden möchten. Ich hoffe, Ihr habt genauso Freude daran wie ich.

 

 

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Abgetaucht...

... ?
... ?

... bin ich heute nicht nur im azurblauen Wasser, welches die Ufer der Insel Elba herrlich umsäumt – mit Schnorchel und Tauchermaske die bunte Unterwasserwelt bewundernd – sondern auch in die letzten Seiten eines soeben ausgelesenen Romanes von Hans Bemman namens «Stein und Flöte». Ein wirklich großer Märchenroman um die Wirklichkeit hinter den Dingen. 

 

In dem Roman geht es um viele Geschichten, die sich um den Protagonisten namens «Lauscher» drehen. Er ist ein Mensch, der stets in die Irre geht und dennoch immer ans Ziel gelangt. Das Schicksal beschert ihm so einige fantastische Abenteuer, um ihn letztendlich auf seinen ganz persönlichen Weg zu führen.» Eben ein wunderbarer Roman zum Abtauchen und somit mein Buchtipp für Euch als Sommer-Urlaubslektüre.

 

Und als ich zwischen lesen, Schnorcheln und sonnenbaden meinen Blick hob, um die Wirklichkeit um mich herum zu erfassen, sah ich eben dieses Bild (rechts). Und was meint Ihr was sich dahinter verbirgt?

 

Lauscher lernt diesbezüglich in seinem Romanleben: «Die Dinge sind oft nicht so, wie sie im Augenblick zu sein scheinen...»

 

Und einer meiner Lieblingssätze in dem Buch lautet:

«Der Duft drang in ihn ein, süß und herb zugleich, und weckte in ihm eine unbändige Sehnsucht nach Leben, nach Mitteilen und Empfangen, und ihm war zumute, als müsse sein Leib bersten vor ungestillter Lust, dieses Leben, wie immer es sich auch darbieten mochte, zu empfinden und auszukosten.»

 

Wow! Welch schöner Satz! Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen. Und ein paar neue Fotos gibt es auch.

 

Buonasera!

 


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Aufgetaucht ...

Inkognito unterwegs!
Inkognito unterwegs!

... bin ich heute mit meinem frisch geliehenen Motorroller im Osten der Insel Elba. Aufregend und schön war die Fahrt, zunächst noch etwas unsicher auf den zwei kleinen Reifen, am Nachmittag schon mit etwas mehr Schräglage in den Kurven. Juchhuh!

 

Eigentlich wollte ich eine kürzere Tour machen, aber dann ist mir der Fahrtwind so herrlich um die Nase geweht und ich bin gefahren und gefahren, habe ziemlich schöne «Bilder geschossen» und bin zudem noch eine wilde, steile und enge Bergstraße hinauf zum Monte Perone der Insel Elba gefahren. Zwischendurch habe ich Jauchzer von mir gegeben – hört ja niemand außer mir. Das war ein Spaß!

 

Die Insel Elba ist eine sehr touristische Insel, aber hier findet man auch abseits der großen Buchten immer wieder schöne kleine, mehr oder weniger noch versteckte Buchten, die etwas Kletterei erfordern, um sie zu erreichen. Doch ist man erstmal angekommen, lässt man sich einfach ins kühle Nass fallen und schon ist die schweißtreibende Kletterei wieder vergessen.

 

Wagemutig habe ich mich dann am Nachmittag in einen gelben Käfig – einer Cabinovia – der «Società Elbana Teletrasporti begeben, um in 20 Minuten (einfache Fahrt) und luftiger Höhe von Marciana aus den Monte Capanne zu erreichen. Eigentlich viel zu teuer für meine Reisekasse, aber das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Art von Seilbahn bei uns in Deutschland zugelassen wäre. 

 

Und dann gibt es da noch dieses wunderbare kleine Bergdorf Sant'Ilario in Campo, das sich schon seit Tagen auf das am Wochenende stattfindende Kinderfest vorbereitet und sich laut Aussage einiger Marktplatz-Sitzer bereits sehr darauf freut. Die Kinder haben nicht nur Bilder und Plakate gemalt, sie haben auch mit viel Liebe und Arbeit den Schmuck für das Dorf gefertigt. Schaut mal auf die Bilder. Ist das nicht großartig?

 

Und morgen ... morgen bereise ich den Westen der Insel.

 

 

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Fast Mittsommer ...

Oh, ich fühle mich inspiriert in diesen hellen Sommernächten. Auch wenn sich eine ganz leise – will nicht sagen – «Sehnsucht» nach den – nicht durch und durch – «weißen Nächten» des nördlichen Deutschlands bei mir regt. Aber schon morgen ist Mittsommernacht, das klingt nicht nur schön, es ist auch schön. Lange ist es hell, alle halten sich im Freien auf, reden, feiern, lachen, tanzen – zumindest in den skandinavischen Ländern. 

 

Immerhin ist es auch hier im südlichen Europa fast bis 22:00 Uhr hell, bevor endgültig «das Licht ausgeht». Kein Vergleich zum hohen Norden, ich weiß. Aber wir haben hier in Italien die relative Gewissheit, dass es eine Sternenklare Nacht geben wird, auch ohne Regen und zu viel Kälte, von der wir wohl alle genug haben. Von lauen Sommernächten träumen wir Norddeutschen ja recht oft, in der Realität gibt es sie geballt gefühlte «alle 10 Jahre» oder max. 5 Nächte im Sommer.

 

Doch hier im südlichen Europa merke ich zunehmend, wie meine wohl aufgebauten äußeren (Schutz-) Schichten mehr und mehr dahin schmelzen – niemand da, der sie aufwischt – gut so, weg sollen sie sein.

 

Heute mal keine langen Berichte über Erlebnisse und Philosophien des Alltags – heute einfach nur so ein Gefühl, das mitgeteilt werden möchte.

 

Ich wünsche Euch allen einen fantastischen Sommer, viele laue Sommerabende, falls erforderlich schmelzende Schichten, gebräunte Haut, die Leichtigkeit des Sommers und Sonne, Sonne, Sonne – nicht nur im Herzen.

 


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La luna piena

La luna piena
La luna piena

In Italien verhält es sich anders als bei uns in Deutschland – keine Frage. Hier ist der Mond »weiblich« (la luna) und die Sonne (il sole) »männlich«. Funktioniert also auch. Wobei man, wollte man es vertiefen, durchaus auch »das Weib« (was aber ja wieder der deutschen Sprache angehört) als neutrale Form ansehen könnte – wohlwissend seitens uns Frauen, dass es sich dabei ganz und gar nicht so verhält, haben wir doch vielmehr beides, also » die männliche als auch die weibliche Seite« in uns integriert. 

 

Schwieriger wird es dann eher bei »der Mann«. Hier ist zumindest nicht schon auf den ersten Blick offensichtlich, dass im Manne auch das Weibe steckt. Dem Einen oder Anderen wird es vielleicht sogar Recht sein. Aber wer will da schon spitzfindig sein, wenn, dann doch nur im Sinne einer internationalen Grammatik. Ob männlich oder weiblich und wer in sich was am stärksten ausgeprägt hat, scheint hier in Italien auch eh nicht so sehr eine vordergründig diskutierte Thematik zu sein. Hier ist es eben wie es ist – der Mann lebt das Männliche, die Frau lebt das Weibliche. Und dies in z.T. recht ausgeprägter und manchmal nicht unangenehmer Form. Und selbstverständlich kommen da jeweils auch die anderen Seiten zum Tragen.

 

Weshalb ich das schreibe? Das sind einfach nur meine Gedanken, die mir heute zum Thema »Vollmond« – eben »la luna piena« gekommen sind. Eigentlich wollte ich ganz anders anfangen. Aber manchmal muss ich mich erstmal warm schreiben.

 

Gestern also, als ich hier in der Casa Carla in Secchieto – irgendwo in der Maremma, der südlichen Toskana – ankam, ich mit einem Glas gekühltem Weißwein von den herzlichen Besitzern »Carla und Wolfgang« empfangen wurde, anschließend (mit meinem gesamten Busbestand) »meine« Casa bezogen habe, um hier für 2 Wochen die Seele baumeln zu lassen, bin ich zudem noch von einem fulminanten Vollmond, der über den Hügeln der Toskana aufging empfangen worden. Was für ein Satz! Genauso voll und scheinbar endlos, wie meine gestrigen Eindrücke

 

Und als dann noch mein Blick nach rechts schweifte, weg vom Schein des Vollmonds hin zum verblühenden und dennoch duftenden Rosenstock, zeigten sich mir noch viele, viele umherfliegende, wild doch in Eintracht blinkende Glühwürmchen (Lamprohiza splendidula). Diese Gelegenheit nutze ich und schicke einen lieben Gruß an Irmi, die mir auf der Isola d'Elba von ihren Erlebnissen mit den Glühwürmchen berichtete. 

 

Hier – mit weitem und zugleich fernem Blick auf die umliegende Toskana – möchte ich mich sortieren, vielleicht sogar strukturieren und bin dabei selbst gespannt, ob es mir gelingen wird. Vielleicht aber möchte auch gar nichts strukturiert und geplant werden und es handelt sich bei dem Wunsch nur wieder um eine »Einladung in alte Gewohnheiten«. Obwohl ich dies manchmal durchaus genieße und nutze, um mich zwischendurch »zu erden«. Warum mache ich das noch mal? Wo will ich eigentlich hin? Was sind meine Bedürfnisse dahinter? Wie darf es weitergehen? Was darf bleiben? Was soll gehen?

 

Aber dazu mehr in einem der nächsten Artikel zum Thema »Selbstvergessenheit« und »sich besinnen«. Wobei letzteres aufs Neue durch schöne und bereichernde Zwischendurch-Gespräche mit »den Kringels« angestoßen wurde. Wer das ist? Der Name ist ein Pseudonym für eine bereichernde Begegnung mit einer sehr sympathischen Familie, die mir ebenfalls auf Elba begegnet ist. »Die Kringels« kommt von TimOn (mit Kringel im O), und JakOb (dito), MirkO (dito) und ChrisTina (der Kringel im O versteckt sich im zweiten nicht genannten Vornamen). Liebe Grüße an Euch und gute Reise! Welch eine Freude Euch begegnet zu sein. 

 

 

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Um mich herum ein Surren und Summen ...

Ein Summen und Surren ...
Ein Summen und Surren ...

... und bei genauerem Hinsehen, nicht nur Hinhören, entdecke ich ein lebendiges Bild, gefüllt mit kleinsten Flugobjekten jeglicher Couleur. Die Luft ist nicht nur vom Flimmern der Hitze in der Ferne erfüllt.

 

Große, kleine und noch kleinere Bienen, Hummeln, sogar Hornissen, Schmetterlinge, Fliegen, Mücken, Käfer und jede Menge mir nicht geläufige Insekten ... fliegen an mir vorbei – mal schnell und laut, dann wieder leise, fast zaghaft. Es geht zu wie auf einer »Autostrada«. Aber drängeln ist nicht angesagt. Schauend – Aug’ in Aug’ einander beobachtend – sitze ich auf meiner schönen, ruhigen und mit freier Sicht auf die Toskana gelegenen Terrasse im herrlichen Süden. Im Lavendel neben mir sammeln sich bunte Schmetterlinge, kleine Geckos huschen vorüber und wollen sich in der heißen Sonne wärmen. Nachtspeicherung.

 

Fast schon scheinen verschiedene Orchester ihre Konzerte wirr, doch irgendwie harmonisch und immer ihr Bestes zu geben.

 

Würde ich all dies auch wahrnehmen in meinem Alltagstrott? Nicht in dieser Intensität, da bin ich mir sicher. Und doch schreiten wir Tag für Tag durch sie hindurch, durch die Orchester des Lebens, mit all seinen Höhen, mit all seinen Tiefen ... und nehmen sie nicht immer wahr. Vielleicht auch, weil wir uns verschließen, vor dem ganzen Leben und nur das Eine – für uns scheinbar Wichtige und Sichtbare – eben sehen (wollen), weil der Blick auf das Andere, zunächst nicht immer vielversprechend zu sein scheint und manchmal auch Angst macht.

 

Mich jedenfalls ... mich inspiriert all das Gesumme und Gesurre. Und ich bin dankbar – nicht nur darum, hier zu sein. Auch für die Möglichkeiten, die sich mir während dieser Auszeit bieten. Tag für Tag. Nicht immer sehe ich sie, und doch ... sie kommen unweigerlich immer wieder. 

 

 

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Küssen kann man nicht alleine ...

Küssen kann man nicht alleine ...
Küssen kann man nicht alleine ...

... wie wahr. Aber darum geht es gar nicht in diesem Artikel. Vielmehr möchte ich Euch heute den Skulpturenpark »Il Giardino di Daniel Spoerri« vorstellen, durch den ich heute tagsüber lustwandelte. Bei der Betrachtung dieser Skulptur kam mir aber der Gedanke an den Song von Max Raabe. OK, ich sehe ein, dass das ein Sprung ist. Aber beide Künstler sind sehr kreativ auf ihre Art. Der Eine in erster Linie visuell, der Andere auditiv. 

 

Seit Anfang der 90iger Jahre hat der Schweizer Künstler Daniel Spoerri in der Nähe von Seggiano einen Skulpturenpark angelegt, der seitdem stetig wächst und seit 1997 vom italienischen Kultusministerium als Stiftung anerkannt und offiziell eröffnet ist. 

 

Hier habe ich ein paar Impressionen zusammengestellt. Besonders beeindruckend für mich war – neben diversen anderen – die Skulptur der Wiedergeburt, die dem 1968 von einem Erdbeben zerstörten sizilianischen Dorf »Ghibellina« gewidmet ist. Irgendwie sehr aussagekräftig und auch vielsagend zu interpretieren. Für mich passt sie ganz hervorragend in meine Auszeit.

 

Auch der »Fleischwolfbrunnen« zeigt sich deutlich ausgeprägt neben dem »Chambre No 13 de l'Hotel Carcasonne« in Paris – ein in Bronze gegossenes Skulpturenzimmer –, in dem Spoerri einige Zeit gelebt hat und seinen Inspirationen auf kreative Art nachgegangen ist. 

 

Mich hat der Park jedenfalls inspiriert und es war eine Freude dort hindurch zu wandern und zu schauen. Vielleicht kennt ihn die/der eine oder andere von Euch. Falls nicht, schaut Euch mal die Fotos an. 

 

 

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»Achte gut auf diesen Tag ...

Gegenwart – Vergänglichkeit
Gegenwart – Vergänglichkeit

... denn er ist das Leben – das Leben allen Lebens.

In seinem kurzen Ablauf liegt alle Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins. Die Wonne des Wachsens, die Größe der Tat, die Herrlichkeit der Kraft – denn das Gestern ist nichts als ein Traumund, das Morgen nur eine Vision.

Das Heute jedoch – recht gelebt – macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück und jedes Morgen zu einer Vision voller Hoffnung. Drum achte gut auf diesen Tag!«

 

Maulana Dschalal ad-Din ar-Rumi, um 1230

 

 

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Resümee einer Auszeit-Beginnerin

Irgendwie platt ...
Irgendwie platt ...

Heute vor 2 Monaten habe ich meine Auszeit begonnen und ich wage einen zweiten Rückblick.

 

Hier in der Casa Carla, in der ich vorhabe noch eine weitere Woche zu verbringen, komme ich mehr und mehr zur Ruhe ... und merke darüber, wie erschöpft ich in der Tiefe meines Seins eigentlich bin. Ich kann gut durchschlafen, obwohl ich den ganzen Tag lang meinem Leitspruch von Astrid Lindgren folge, nämlich »einfach nur dazusitzen und vor mich hinzuschauen.« Und nicht immer fällt es mir leicht meinem Bedürfnis nach absoluter Ruhe nachzukommen, gibt es doch hier so unendlich viele schöne und auch inspirierende Dinge zu tun. Für mich allerdings ist die Ruhe Balsam. Sie führt zunehmend zum Erwachen meiner Kreativität und ich fühle mich, allein schon ob der unglaublich schönen Natur, die mich hier umgibt, jeden Tag neu inspiriert, nach wie vor ohne zu wissen, wohin mich dies führen mag.

 

Jeden Morgen neu, entscheide ich mich meist dafür, doch lieber auf meiner Terasse Ausschau nach dem was kommen mag, zu halten. Man muss dabei aushalten können, dass da eben manchmal – zumindest äußerlich – scheinbar nichts geschieht. Doch seid gewiss, innerlich geschieht jede Menge. Und ja, ich gebe zu, es kommen nicht täglich nur schöne Dinge in der Ruhe zum Vorschein, die betrachtet werden wollen. Es ist eben wirklich ein bisschen wie ... Bilanz ziehen. 

 

Ein kleines – äußerliches – Highlight gab es aber gestern Abend. Meine Gastgeberin Carla nahm mich mit zur »fast Generalprobe« des Palios nach Siena. Der Palio di Siena ist eines der härtesten Pferderennen der Welt. Palio bezeichnet in Italien allgemein einen Wettkampf zwischen benachbarten Gebieten, der – wie in Siena – mit Pferden ausgetragen wird. Auf dem Piazza del Campo in Siena herrschte – 4 Tage vor dem Rennen wahrscheinlich eher noch geringer – Ausnahmezustand und eine Stimmung wie im Fußballstadion, nur dass hier nicht nur 2 Mannschaften gegeneinander antreten werden, sondern 17 sogenannte »Contraden«. Und dies zweimal pro Jahr – schon seit dem Mittelalter. Das erste Spektakel findet am 02. Juli statt. Ein paar Impressionen habe ich für Euch bereitgestellt. 

 

Ansonsten beschäftige ich mich auch ein wenig mit meiner Vergangenheit, sortiere Fotos – und stelle darüber immer wieder fest, was ich schon alles erleben durfte –, schreibe, denke, dichte (versuche mich zumindest darin), schaue und merke dabei, dass ich nicht immer gut mit und zu mir war. Aber wer ist das schon im Leistungsgetümmel unserer Gesellschaft? Italien ist – zumindest für mich – Entspannung pur und man kommt, wenn man sich denn voll auf die Mentalität dieser angenehmen Menschen und das Leben hier einlässt – durchaus von ganz alleine »runter«. Wovon eigentlich? Von der Verbissenheit, dem Leistungsdruck, dem alles perfekt machen zu wollen – noch nicht mal immer zu müssen –. Man muss Geduld haben hier und man hat hier die großartige Chance sich in Gelassenheit zu üben. Ich bin ja eh eine Verfechterin der Pflicht-Auszeiten ... nicht erst geworden. Eben um sich zu besinnen, um Achsamkeit zu üben – nicht nur im Kopf – vielmehr im Ganzen.

 

Was also haben mir die bisherigen zwei Monate Auszeit gebracht? Ich habe schon eingiges gesehen und vieles erlebt, ich hatte schöne und schräge Begegnungen, und letztlich ... ja letztlich habe ich festgestellt, dass mein Bedürfnis mit jedem neuen Schritt und der weiteren Reise in Richtung Süden, nach Ruhe und einfach sein, nicht verplant sein, momentan zumindest immer tiefer wird.

 

 

Und wisst Ihr was ich gerade direkt neben meinem Notebook sehe? Ein Glühwürmchen. Was gibt es Schöneres als den Moment mit allem was ist vollends zu genießen?

 

 

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Mit den Zehen Butterblumen pflücken ...

Sommer, Sonne, Leichtigkeit
Sommer, Sonne, Leichtigkeit

... ist eine alte Kindheitserinnerung von mir. Gerade habe ich es ausprobiert. Zwar nicht mit Butterblumen, da sie hier gerade nicht blühen (daher habe ich auch kein passendes Foto), dafür aber mit schlichtem Gras. Ging nicht so gut, da es aufgrund zunehmender Sonneneinstrahlung schon leicht vertrocknet ist, aber die Zehenfertigkeit funktioniert noch ganz gut.

 

Wie komme ich auf so etwas? Ich lese gerade ein schönes Buch von Zsuzsa Bank »Die hellen Tage« und bin aufs Neue inspiriert durch ihre Sprache. Das Buch erzählt von der Freundschaft dreier Kinder, die gemeinsam - "hinter Kirchblüt, wo die Felder beginnen und die Kieswege sich kreuzen" - aufwachsen ... 

 

Ich habe die ersten Seiten des Buches »verschlungen«, handeln sie doch von Leichtigkeit und Lebensfreude, die man meist als Kind erleben durfte. Und da ich mich gerade immer wieder während meiner Auszeit mit dem »inneren Kind« beschäftige, welches uns auch einen Zugang zu unserer Lebensfreude bietet, bot das Buch für mich einen passenden Einstieg in die Geschichte.

 

Laut Wikipedia (...) bezeichnet und symbolisiert »das innere Kind« die im Gehirn gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der eigenen Kindheit. Hierzu gehört nicht nur die Lebensfreude, sondern auch Schmerz, Glück, Traurigkeit, Intuition und Neugierde, etc. 

 

»Sich freuen wie ein Kind« ist so ein Satz, den jeder kennt. Erinnert Ihr Euch, wann Ihr Euch das letzte Mal aus tiefstem Herzen und mit größtmöglicher Leichtigkeit »gefreut habt wie ein Kind«? Wann Ihr Euren Kopf ausgeschaltet habt, nicht darüber nachgedacht habt, was richtig oder falsch ist oder was andere über Euch denken könnten? Wann Ihr das letzte Mal Eurem Herzen gefolgt seid – ganz ohne den Verstand?

 

Gut, ich gebe zu, auch ich bin äußerst dankbar, so oft schon meinen Verstand, der mich immerhin so weit wie ich gerade bin im Leben gebracht hat, nutzen zu können. Aber er spielt sich eben auch gerne mal auf, der Verstand. »Denkt« er ist der Größte und es gibt »niemanden« außer ihn, der ebenso wichtig ist. Natürlich ist er geprägt von unseren Erfahrungen und dem was uns unsere Eltern, Angehörige, Freunde und Gesellschaft – nicht immer, doch sicher häufig – nach bestem Wissen und Gewissen, eben nach eigenen Erfahrungen und erlernten Regeln eingeprägt haben. Und es ist ja eben manchmal – im Zeitalter des »keine Zeit habens« – auch ganz bequem, die Dinge nicht zu hinterfragen oder zu reflektieren. Wer anders ist, wer hinterfragt, ist auch für die Gesellschaft unbequem ... macht ihr Angst – siehe jüngste Vorkommnisse im nahen Osten. Wer oder was anders ist, »will« oder besser muss kontrolliert werden und hinter dieser Kontrolle steckt am Ende wieder die Angst. Und es braucht Menschen, die darauf aufmerksam machen. Auch das haben jüngste Ereignisse in der Welt gezeigt. Werte vs. Regeln. Regeln, die irgendwann auch aufgrund von Werten entstanden sind.

 

Da gilt es achtsam zu sein ... und die Achtsamkeit beginnt – davon bin ich überzeugt – zunächst bei uns selbst. Wie wollen wir achtsam im Umgang mit anderen sein, wenn wir es mit uns selbst nicht sind? Wenn wir gar nicht (mehr) bemerken, was hinter unserem Handeln steckt? Das funktioniert nicht und führt dazu, dass wir häufig dabei sind, »den anderen« unseren Willen aufzudrängen. Nicht immer zum Besten für uns und schon gar nicht für andere. Kontrolle ist machtvoll und mit dieser Macht gilt es ebenfalls achtsam umzugehen. Auch dies liegt in der Verantwortung – nicht nur von Führungskräften – sondern eines jeden im Umgang mit anderen Menschen.

 

Führung fängt bei uns selbst an. Es geht nicht nur um die äußere Führung, wie ich es viele Jahre mit Freude und Leidenschaft und aus tiefer Überzeugung in meinen Seminaren »gelehrt« habe. Wie will ich Führungskraft sein und die Kraft zur Führung haben, wenn ich mit mir – meinem inneren Kern, der auch mit dem inneren Kind verknüpft ist – nicht in Kontakt stehe? Wenn ich »mich und meine Emotionen, die ganz sicher einen Grund haben«, nicht beachte? Innere Führung ist Führung aus dem Herzen, die – gepaart mit der Führung nach außen – durchaus positiv und kraftvoll sein kann. 

 

Wie oft mir das gelingt? 

Leider immer noch viel zu selten, sagt eine negative Sitmme in mir, die es gewohnt ist Leistung zu erbringen, treu ihren Glaubenssätzen zu folgen, immer gut sein zu wollen und nach mehr zu streben.

Glücklicherweise immer mal wieder sagt die positive Stimme, die mit mir selbst in Kontakt ist, die bereits eine Idee der innewohnenden Leichtigkeit und Freude hat und weiß, wie es sich auch anders anfühlen kann. Die, die Entscheidungen im Kopf zwar wertschätzt, aber ihnen nicht immer folgen mag, weil das Herz ihr etwas anderes, nicht immer, doch meistens, etwas Leichteres zuflüstert.

 

Und hier gibt es noch ein paar erste Juli-Bildimpressionen.

 

 

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Zuhause ist ein Gefühl

Zuhause ist ein Gefühl ...
Zuhause ist ein Gefühl ...

Jetzt, wo ich bald davor stehe, diesen schönen Ort in der südlichen Toskana zu verlassen, in dem ich 2 Wochen in fast vollkommener Ruhe verbracht habe, überkommt mich eine mir altbekannte innere Unruhe und eine leise Stimme flüstert mir zu: »Ich will nicht weg, ich will bleiben!«

 

Dies mag weniger an diesem Ort hier liegen (obwohl paradiesisch schön), sondern womöglich daran, dass ich mich wieder auf den Weg machen werde, um weiter in Richtung Süden zu fahren, neues italienisches Vokabular im Gepäck, ans Meer, um mir den warmen Wind ins Gesicht pusten zu lassen und meine Augen auf das Blau des Himmels zu richten – dabei leise vor mich hinzusummen »Azzurro« ... 

 

Darauf freue ich mich also und doch ist da diese zarte vehemente Stimme, die auf sich (und mich) aufmerksam machen möchte. Dahinter verbirgt sich ebenso eine Sehnsucht nach »irgendwo sein, irgendwo bleiben, nicht wieder loszufahren« und doch gleichzeitig nach »ich will die Welt erkunden, will etwas Neues sehen und kennenlernen«. Zwei Seelen wohnen, ach(!) in meiner Brust. Da kreuzt auch Goethe wieder einmal meinen Weg.

 

»Zuhause ist ein Gefühl«. Dieses Satzgeschenk bekam ich von einer Frau, die ich sehr schätze und mag und die erfahren hat, was Lebensfreude eigentlich bedeutet, darunter sicher auch, jeden Tag aufs Neue am Leben teilhaben zu dürfen. Diesen Satz greife ich heute für meine Gedanken auf.

 

Wenn Zuhause ein Gefühl ist, ist es auf jeden Fall ein mächtiges, ein großes, ein sehnsuchtsvolles  Gefühl.

Wenn Zuhause ein Gefühl ist, ist das Zuhause also auch in uns, denn Gefühle entstehen in uns. Zwar bedürfen diese Gefühle eines gewissen Reizes, eines Auslösers und diversen Erfahrungen, Erinnerungen, vielleicht sogar Werte, aber sie gehören zu uns – diese Gefühle. Und auch das »innere Kind« spielt hierbei eine nicht unbedeutende Rolle. 

 

Wenn dieses – wodurch auch immer – angeregte, gereizte Gefühl sich also einen Weg über unsere Synapsen und »Hirn-Verdrahtungen« entlang der Nervenbahnen hinauf ins Bewusstsein und somit »ins Freie« schafft, dann kann auch so ein »Zuhause-Gefühl« verknüpft mit der Sehnsucht nach einem bestimmten Zustand des Seins entstehen und vielleicht, vielleicht kommt so diese flüsternde Stimme zustande. Mir ist schon klar, dass das jetzt wenig wissenschaftlich dargestellt ist, vielmehr ist der Ansatz ein philosophischer. Aber ich möchte mich hier auch nicht als Naturwissenschaftlerin beweisen sondern mich derzeit eher den Gedanken, Gefühlen und der Philosophie widmen.

 

Wenn Zuhause also ein Gefühl ist, dies aber nicht immer nur mit ausschließlich schönen Erinnerungen verknüpft ist, wie wir wissen, warum sehnen wir uns dann nach Zuhause? Warum lässt uns eine innere Stimme aufhorchen, warum fühlen wir uns durch sie ermahnt oder aufgerüttelt? Warum fragen wir uns in manchen Situationen ob wir zufrieden, ob wir glücklich sind?

 

Ich glaube man kann es auch »eine Sehnsucht nach Ankommen« nennen. Kann dies doch in der Tiefe bedeuten, aus einem vollkommenen Gefühl der Zufriedenheit agieren zu können. Das, was man tut, hat dann vielleicht einen – nicht immer tieferen – Sinn, wohl aber eine Bedeutung. Nicht mehr zu suchen oder sich ständig fragen, ob es richtig oder falsch ist, was man tut oder nach einem »mehr, höher, weiter, schneller« zu streben. 

 

Für mich ist Zuhause übrigens auch dann ein – fast schon banales – Gefühl, wenn ich z.B. an einem Samstag durch Arbeitsgeräusche (hämmern, sägen, klopfen) draußen im Garten oder Wald plötzlich an frühere Zeiten der Kindheit erinnert werde, die auch heute noch an gewissen Tagen (gefüllt mit der Luft der Jahreszeit) eine Sehnsucht an erlebtes Zuhause hervorrufen. Ohne, dass ich dort jemals wieder leben wollte, kann ein Zuhause also ein Gefühl sein, das tief in mir verankert zu sein scheint und plötzlich – aus heiterem Himmel (welch schönes Wortspiel) mit Sehnsucht und Freude auftauchen kann. 

 

Das Zuhause hat dann viel weniger mit dem äußeren Rahmen zu tun, dem wir so viel Wert beimessen, sicher auch um uns abzulenken oder um es perfekt machen zu wollen, das Haus, das Grundstück, die wohleingerichtete neue Küche, das neue Sofa, die Balkonpflanzen, oder sonst was.

 

Wenn wir ganz mit uns im Kontakt sind, dann sind wir Zuhause. Und dann kann es sein, dass auch dort zunächst einmal aufgeräumt werden muss, ausgemistet werden will, Altes losgelassen werden möchte, damit Neues entstehen und sich entwickeln darf. Im Kontakt mit uns und der Lebensfreude.

 

 

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Mit dem Fahrrad ab ans Meer ...

Kreise ziehen ...
Kreise ziehen ...

... dachte ich mir vor ein paar Tagen und bin, nachdem ich mich früh von der Casa Carla verabschiedet habe, direkt zum »Parco Naturale della Maremma« nach Alberese gefahren, habe dort meinen Bus geparkt, um die letzten KM mit dem Fahrrad nach Marina di Alberese zu radeln.

 

Es ging durch Wiesen, Felder und Brachland, mit betörendem Pinienduft in der Nase, vorbei am Wald des Parks bis zum Naturbelassenen Strand, welcher bereits – trotz frühem Vormittag – von sonnenhungrigen Italienern besetzt war.

 

Ein paar Stunden und Espressi später ging es dann auch schon weiter nach Pescia Fiorentina zum »Giardino di Tarocchi« von Nikki de Saint Phalle. Großartige Skulpturen haben mich dort erwartet. Im genannten Park stellt Nikki mit ihren Skulpturen die Karten des Tarots nach. Hier sind ein paar Bildimpressionen.

 

Und noch einmal weiter ging es am Abend mit Ziel Lago di Bracciano. Dank an Annika für diesen guten Tipp. Meine sympathische Hausmitbewohnerin befindet sich nämlich ebenfalls gerade im Sabbatical und müsste eigentlich gerade wieder zu Hause angekommen sein. Hier hatte ich mal wieder Glück und einen schönen Stellplatz keine 20 Meter vom See entfernt bekommen. Neben mir eine italienische Großfamilie im Urlaub, mit Nonna, Nonno, Vecchi e Bambini. Il Nonno spricht Deutsch, kennt sogar Bella Lübeck und hat ein paar Jahre seines Lebens in den 60ern als italienischer Gastarbeiter in Düsseldorf verbracht. Ich wurde sogleich in die Familie integriert, die immer darauf bedacht war, ihre Enkel unter Kontrolle zu halten, was nur manchmal gelingen mochte. »Non, non, niente, ... es ist nicht zu laut. Va bene!« Komme ich doch ebenfalls aus einer Großfamilie und bin durchaus mit einem gewissen Lärmpegel vertraut.

 

Gestern bin ich mit dem Fahrrad um den See gefahren. Das war zwar nicht eben ein Zuckerschlecken bei 32 Grad, dafür war der Sprung ins kühle Nass hinterher um so erfrischender. Bei meiner Giro di Lago bin ich immer wieder ein paar italienischen Rennradfahrern begegnet, die mir – trotzdem ich nicht in Radfahrerkluft unterwegs war – aufmunternd zugezwinkert haben.

 

Heute nun, da fahre ich weiter gen Süden. Vorbei an Rom, welches ich erst im September besuchen werde, an Napoli ebenfalls vorbei mit nächstem Ziel »Cilento«, zurück ans Meer. Mal sehen, wie weit ich heute komme und wo es mich entlang treibt.

 

 

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Ein aufregender Trip ...

Geschafft!
Geschafft!

... war heute meine Reise mit meinem grünen Bus einmal quer durch Neapel.

 

Doch zunächst zu meinem gestrigen Tag. Il Nonno, mein Nachbar vom Campingplatz gab mir noch den Tipp, einen Abstecher nach Sermoneta zu machen, einem mittelalterlichen Dorf mit großer Burganlage und morbider, aber schöner Architektur, hoch über der Ebene der Provinz Latina. Leider zog sich der Himmel viel zu früh dramatisch zu, so dass ich vor einem herannahendem Gewitter »geflohen« bin, ohne mich lange mit dem Ort auseinander zu setzen.

 

Über Latina, Terracina und Sperlonga hat mich die Küstenstraße direkt nach Gaeta geführt. Kein – wie ich finde – so schöner Ort für mich, um über Nacht zu bleiben, aber das Gewitter war mir gefolgt und hat mich aufgrund der Heftigkeit zum Bleiben »überredet«. Ein typisch italienischer Ferienort mit typisch italienischen Urlaubern, allerdings, das gebe ich zu, ist auch hier durchaus schöne Architektur zu finden, meidet man die »gepflasterte Strandregion«. Bei schönerem Wetter wären die zahlreichen Sonnenliegen, die mit Maß in Reih und Glied aufgestellt waren, wohl auch fast alle besetzt gewesen. So aber konnte ich im Abendlicht die Aufführung der Sonnenliegen und –schirme »Tanz aus der Reihe« und »geradlinige Aufstellung« mit irgendwie ungläubigem Gesicht »bewundern«.

 

Nach einer fast schlaflosen Nacht aufgrund von gemeinem Moskitosirren an meinen Ohren bin ich ziemlich gerädert mit meinem beräderten Gefährt früh am Morgen weitergefahren und bin – mit Hilfe der sonoren Stimme von »Anke«, meiner Navigationsbegleitung in Richtung Neapel aufgebrochen. Natürlich wollte ich nicht die Umgehungsstraße gefahren, nein, mitten hinein wollte ich, in das pulsierende Leben dieser sowohl geliebten als auch gehassten Stadt. Da scheiden sich die Geister – auch meine! Ich habe eine fantastische Stadtrundfahrt mit Reiseleiterin »Anke« erleben dürfen und fühle mich gerade in etwa einen Meter größer, weil ich es geschafft habe – diese Herausforderung. Fantastico Anja! Gut gemacht! Rechts und links ein Küsschen auf die Schulter. Man sollte sich auch ruhig mal selber loben.

 

Das heutige Abenteuer hieß also hinein ins Verkehrschaos, durch sehr(!) enge und kaputte Straße, vorbei an buntem, lautem Treiben, grüne Oasen und schmutzigen, stinkenden Mülloasen. Der Neapolitaner an sich scheint, wenn er will, die Gelassenheit in Person zu sein. Nach ungefähr 30 Min. hatte ich die Verkehrsregeln drauf. Man fährt, sonst bleibt man stehen und wer stehen bleibt und anderen Verkehrsteilnehmern aller Art die Vorfahrt gewährt ist selber Schuld, denn so leicht lässt es sich nicht wieder losfahren – steht man erstmal. 

 

Zweimal bin ich, fast in eine entgegen gesetzte Einbahnstraße gefahren, weil zwar die Richtung, in die ich wollte, noch entsprechend ausgeschildert war, man aber derweil beschlossen hatte, eine Einbahnstraße daraus zu machen. Für einen Ausländer wie mich, nicht auf den ersten Blick klar ersichtlich. Aber die Italiener passen auf, schnell wurde ich angehupt, man rief mir hinterher, lotste mich richtig und wünschte mir in aller Hektik noch eine »Buon Viaggio!«. Neapel kann Spaß machen ... oder fertig machen. Ich habe mich für den Spaß entschieden.

 

Ach ja, und immer wenn ich glaubte, jetzt wird es ruhiger, ich habe es geschafft, kam der nächste Stadtteil in dem es ähnlich laut, chaotisch, voll und hektisch doch irgendwie trotzdem ohne Unfälle zuging. Irgendwann hörte ich mich selbst schon »Madonna« rufen, weil ein italienisches Auto vor mir nicht schnell genug fuhr. Irgendwie anpassungsfähig, oder?

 

Nun bin ich schon einen Teil der wunderschönen beginnenden Amalfiküste entlanggefahren, wie Ihr seht noch immer nicht im Cilento angekommen, weil ich entschieden habe, hier in Marina del Cantone mal wieder einen Zwischenstopp einzulegen. Bisschen laut hier in der Bar, in der ich meinen Blog schreibe, aber unten ist es ruhiger. Neapel ermüdet auch. Ich mache Pause ... und blicke aufs Me(h)er – mal wieder. Bis morgen!

 

 

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Es kommt halt immer darauf an, was man daraus macht!

Sommerliche Farbspiele ...
Sommerliche Farbspiele ...

Nachhaltige Begegnungen kann es auch an unscheinbaren Autobahn-Auffahrten geben. Gestern traf ich Sharon, eine sympathische Frau aus Prag, die sich vor ein paar Tagen spontan mit ihrem PKW auf den Weg in Richtung Sizilien gemacht hat, um dort ihre Sommerferien zu verbringen. Wir begegneten uns an der letzten Wendemöglichkeit vor einer Autobahnauffahrt in Salerno und waren beide einer verkehrten Abbiegung gefolgt. Sharon sagte, sie sei bereits an der Amalfiküste hinter mir gefahren und erkannte mich mit meinem grün-weißen Bus sofort wieder. Auch sie hatte sich übrigens am Tag davor in das Getümmel von Neapel begeben, wohl aber eher unbeabsichtigt und war dennoch begeistert vom durchaus strukturierten Chaos dieser Stadt. Sie ist halb Engländerin, halb Deutsche und unterrichtet englische Sprache an einer internationalen Schule in Prag.

 

»Es kommt halt immer darauf an, was man daraus macht!« hat sie mir auf meine Frage hin, wie es sich denn so in Prag leben lässt, geantwortet. Und da konnte ich ihr nur vollkommen zustimmen. Denn ähnlich empfinde auch ich es auf meiner Reise durch Italien. Und dies ist ein Satz, der meiner Meinung nach in alle Lebenslagen passt, denn wir reisen ja durch unser Leben.

 

Dabei geht es ums fokussieren. Worauf lege ich in den verschiedenen Lebenssituationen den Fokus? Geht es uns schlecht, sind wir schlechter Stimmung oder haben wir das Gefühl, dass uns übel mitgespielt wurde, neigen wir dazu, uns genau darauf zu fokussieren. Regelrecht »verbeißen« können wir uns in solche Zustände. Dann ist es nicht so leicht, den Blickwinkel zu ändern, dann sind wir »Opfer«. Ich behaupte sogar, wir fühlen uns nicht selten »wohl« in diesem »Schlamassel«. Vielleicht nicht immer bewusst. Und dann soll bitteschön irgendwann der Retter kommen, der, der uns unserer Meinung nach entweder in diesen Schlamassel getrieben hat, oder besser noch der, der uns von außen rettet, also scheinbar nichts mit der Situation zu tun hat, in die wir da geraten sind. Gemeinsam, sozusagen »als Opfer- und Retter-Team« kann man dann auch ganz prima Stimmung gegen den scheinbaren »Verfolger« machen. Und dann kann es »à la Drama-Dreieck« so richtig schön rund gehen, und es geht schon längst nicht mehr um die Sache an sich. 

 

Ich habe mal eine Aussage von jemandem gehört, der meinte, es gehe ihm »ganz schön schlecht«. Und das war wahrscheinlich keine bewusste Aussage, vielmehr kam das »schön« darin wohl eher aus einem unbewussten Zustand. Obwohl er sich scheinbar unwohl fühlte, konnte er partout keinen Ausweg sehen, um etwas an seinem Zustand verändern.

 

Selten sehen wir solche Zustände als Herausforderung oder Chance. In einem Artikel der Zeit Online wird darüber berichtet, dass »schon das griechische Wort krisis nicht eine hoffnungslose Situation, sondern den Höhe- oder Wendepunkt einer gefährlichen Lage bezeichnet.« Es beinhaltet also die Chance zur Veränderung. Aber allein um die Dinge zu wissen, schafft leider noch keine Veränderung.

 

Manchmal, da höre ich auch in Coachings von Klienten, am Ende eines Gespräches, »Wissen sie, also eigentlich weiß ich das ja alles.« Und dann frage ich, was es eigentlich ist, was sie davon abhält, etwas anders zu machen, wenn sie es bereits wissen. Denn ich bin überzeugt, hinter diesem eigentlich steckt etwas sehr wertvolles, vielleicht sogar eine Schatzkammer, die alles beinhaltet, was es benötigt, um glücklich und zufrieden zu sein und der Schlüssel dazu hat den Namen »eigentlich«.

 

Um etwas wirklich nachhaltig zu verändern, bedarf es eines längeren Zeitraumes, in der durchaus Disziplin und Durchhaltevermögen gefragt sind.

Um etwas zu verändern, müssen wir bereit sein, unsere Komfortzone zu verlassen, die Zone also, in der uns alles schon so bekannt ist und in der es – beinahe ohne unser Zutun – ganz bequem läuft. Und sei es, dass wir das, was wir tun, aus einer alten Veränderung heraus tun, für die es ebenfalls irgendwann früher Disziplin und »Üben, Üben, Üben« erforderte, nur haben wir es über die Zeit des »bequemen Tuns« wieder vergessen. 

 

So ist das Leben eben. Man darf es nehmen wie es kommt! Wir haben die freie Entscheidungsmöglichkeit, etwas anders zu machen. Ich sage ja nicht, dass es immer einfach ist. Auch ich tue mich manchmal schwer, mich bewusst in Veränderungen zu geben. Manchmal warte auch ich darauf, dass da jemand kommt, der mich bitte mal an die Hand nimmt und mir zeigt, wie das Leben eben geht. Aber dann mache ich mir die Situation bewusst und stelle dabei fest, dass ich mir auch nicht so gern vorschreiben lasse, was ich zu tun habe. Ergo bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder darin bleiben und warten, dass es anders wird oder aber – was mir letztlich viel lieber ist – schauen, was ich daraus machen kann. So wie Sharon meine auch ich »Es kommt halt immer darauf an, was man daraus macht!«

 

Man kann übrigens, um das nicht zu vergessen, auch lernen, den Fokus von vornherein auf das Positive legen. Ein Kollege von mir hat einmal gesagt: »Die Medaille hat immer zwei Seiten – schau für welche du dich entscheidest, und wenn du dich für eine Seite entscheidest, dann tue es bewusst, mit allen Konsequenzen.«

 

Seit gestern bin ich im Cilento angekommen, in Palinuro ... und fahre heute weiter, mal sehen wo es mich hintreibt, bei all der Sommerhitze, wahrscheinlich an den Strand. Aber das sei für heute nur nebenbei gesagt.

 

Habt einen schönen Tag und verlebt ihn bewusst! 

 

 

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Kleine Glücksmomente ...

 ... erlebe ich immer mal wieder. Heute Morgen war so ein Moment des kurzen doch intensiven Glücks, in dem es mich durchströmt hat und ich mich »mit der Welt, mit dem Leben verbunden gefühlt habe«. Für einen kurzen Augenblick – ich ging über den Campingplatz – früh am Morgen, alles war noch ruhig, die Vögel erwachten gerade mit ihrem noch dezenten doch bereits klaren Zwitschern, sehr vereinzelt murmelte man mir ein verschlafenes doch wohlwollenes »Buon Giorno!« zu. Und plötzlich war es da, dieses Gefühl des Glücks. Ja, alles ist gut, was gibt es gerade Schöneres?

 

Früh habe ich mich auf den Weg gemacht, nachdem ich nur eine Nacht in Sapri verbracht habe. Nichts für mich, zwar ein lebhaftes Küstenstädtchen, doch ohne weitere Aussagekraft.

 

Mit grobem Ziel weiter gen Süden bin ich losgefahren und habe – mehr durch Zufall – einen kurzen Zwischenhalt an der bereits zweiten Christus-Statue in Maratea eingelegt. Der Segen reist mit mir, mir kann nichts passieren, ich fühle mich aufgehoben und sicher und ... heute irgendwie »ganz bei mir«.

 

Gegen Mittag war noch kein Ort erreicht, an dem ich bleiben wollte. Kalabrien ist grün, mehr als 800 KM Küste umringt diesen eigentümlichen südlichen Landstrich Italiens, mit unglaublich freundlichen Menschen. Überall wo ich anhalte, werde ich neugierig, zwar zurückhaltend doch absolut herzlich begrüßt, man will wissen, was die Deutsche hier im Süden Italien so alleine macht – noch dazu blond, warum also allein? Als ob es davon abhinge. Die Frauen sagen »Brava!«, die Männer schauen mir interessiert aber glücklicherweise eher verhalten hinterher und geben, ... da bin ich sicher, sobald ich um die Ecke bin, ihre Kommentare ab. Ich denke nicht weiter darüber nach.

 

Irgendwann überkommt mich der Hunger, ich muss jetzt und sofort anhalten, und da kommt ein »Ristorante« direkt an der SS18. Es ist erst kurz vor Zwölf, die Kellner machen gerade an gemeinsamer Tafel Mittag, der Eigentümer eilt mir entgegen, es ist niemand sonst da, aber eingedeckt ist für sicher mindestens 100 Personen. Irritiert doch hungrig erkläre ich mich ihm gegenüber ... und bekomme wenig später die besten Gnocchi und Insalata Pomodori, die ich seit langem gegessen habe.

 

Der Eigentümer überzeugt sich persönlich, ob es mir gut geht, ob das Essen in Ordnung sei und erzählt so ganz nebenbei, als er hört ich sei Deutsche, er würde mit seinen Brüdern auch in Deutschland auftreten. Ich stand einem Part der italienischen Bee Gees gegenüber. Genauer gesagt hatte ich es mit Walter zu tun, der mit seinen Brüdern Davide und Pasquale eigentlich aus einem Joke heraus aufgrund eines Radio-Aufrufes die Original-Bee Gees covert und die, mit der Famile Gibb seitdem in enger Freundschaft verbunden sind. Wir haben viel erzählt, gelacht und als ich abfuhr, konnte ich es noch immer nicht glauben. Walter meinte »Ich lerne Deutsch«, ich verabschiedete mich mit den Worten »Io studio italiano«. Immerhin bin ich nun für Februar 2014 auf der Gästeliste der Show in Hamburg eingetragen. 

 

Mit einem Lächeln im Gesicht ob dieser wirklich netten und irgendwie doch unglaublichen Begegnung bin ich nun in Capo Vaticano – kurz vor Sizilien ­– und ... natürlich blicke ich aufs Meer.

 

Es gibt ein paar schöne neue Bildimpressionen. Schaut mal rein, wenn Ihr mögt. 

 

 

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Ganz im Hier und Jetzt ...

... zu leben fällt wohl kaum jemandem von uns leicht.

 

Die vergangenen Wochen und Monate während meiner Auszeit haben mich immer wieder »eingeladen«, nicht immer nur wohlmeinende Rückblicke in die Vergangenheit zu werfen oder aber mit meinen Gedanken in die Zukunft zu schweifen, um mich – voller Zuversicht – meinen Visionen und Träumen mit ganzer Aufmerksamkeit zu widmen.

 

Dabei habe ich irgendwann festgestellt, dass ich vom eigentlichen Augenblick – wie der Schönheit des Sonnenuntergangs oder dem stillen Spektakel des aufgehenden Vollmonds oder auch einfach nur dem stetigen Rauschen der sanft brechenden Wellen vor meinem Stellplatz – nicht immer etwas voll und ganz mitbekommen habe, weil ich mit meinem Bewusstsein weder im Hier noch im Jetzt weilte.

 

Gerade bin ich aber recht zuversichtlich, da es mir mit zunehmendem Abstand und Einkehr von innerer Ruhe immer besser gelingt, solch geistige Abwesenheiten und sprunghaftes Wandeln zwischen Vergangenheit und Zukunft wahrzunehmen und mich immer mehr auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. 

 

Beim Lesen eines der Bücher von Thich Nhat Hanh – Zenmeister, Friedensaktivist und Autor – bin ich auf diese schönen und aussagekräftigen Worte von ihm gestoßen:

 

Du hast eine Abmachung mit dem Leben.

Diese findet im gegenwärtigen Augenblick statt.

Wenn du diesen Augenblick verpasst,

verpasst du deine Abmachung mit dem Leben.

 

Meine Abmachung mit dem Leben für heute lautet, mich mal wieder mit Astrid Lindgren zu verbinden – » ..., einfach nur dazusitzen und vor mich hinzuschauen.« – Und was tue ich? Ich blicke aufs Meer – wohin sonst!?

 

 

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Durch Parallelwelten ...

Wirrwarr!
Wirrwarr!

... habe ich mich in den vergangenen Tagen bewegt.

 

Kalabrien hat sich mir, bis hinunter zur Südspitze Italiens, in den unterschiedlichsten Versionen präsentiert. Meine Reise hat mich über 800 KM entlang meilenweiter weißer Sandstrände geführt, vorbei an türkisfarbenem Meer, durch dicht bewaldete Nationalparks und entlang braun verbrannter Wiesen und kargen Berghängen. Dabei bin ich Menschen begegnet, die sich mir sowohl rau als auch herzlich gezeigt haben.

 

Die Geschichten am Abend im „versuchten“ Gespräch mit Einheimischen (Italienisch, Englisch, Deutsch, Hände, Füße) drehten sich um verbrachte Jahre als Gastarbeiter in Deutschland, nicht (nur) gelebte Träume, darum, was es ausmacht, ein Kalabrier zu sein, nicht bezahlte Müllrechnungen und Strafzettel, der Entführung von Menschen und Verschleppung in die undurchsichtige Flora der Nationalparks und den Umgang mit italienischen Gesetzen.

 

Was am Ende bei allen Erzählungen und Geschichten herauskam: Die Menschen hier sind, neben allen Schwierigkeiten, die das Leben eben manchmal so mit sich bringt, stolz auf ihren schönen Landstrich und auf ihre scheinbar nicht enden wollende Küste und die Nationalparks im Landesinneren. Sie sind stolz auf ihr Leben und ihr Land und sie stehen dazu! Und sie wissen auch um die Schwierigkeiten des Landes und versuchen (für sich) das Beste daraus zu machen. 

 

Und ich habe wieder einmal erlebt, dass es sinnlos ist, mich meinen Vorurteilen hinzugeben, die ich – ja, ich gebe es zu – das eine oder andere Mal anfänglich hatte. Es ist sinnlos, andere Menschen zu bewerten, nur weil man selbst der Meinung ist, es anders – ja irgendwie richtiger – zu machen. Welch ein Blödsinn! Das Leben formt uns, wir werden sowohl von Familie als auch Gesellschaft mit Werten ausgestattet, die alle ihre Vorteile haben, aber eben auch unser Denken einschränken, es in bestimmte Bahnen leiten. Und bewerten wir die Menschen um uns herum nicht stets und permanent? Oder vergleichen wir nicht andere mit uns oder uns und unsere Leistung, unser Aussehen, unser Verhalten mit dem der anderen? Dies kann sicher auch teilweise zur persönlichen Weiterentwicklung führen aber eben – bei Nichtreflexion ­– auch manchmal in Enge und Vorurteile.

 

So eine Auszeit, wie ich sie gerade mache oder aber eine Reise, in welcher Form auch immer, erweitert den Horizont immer wieder aufs Neue. Man wird nicht nur inspiriert durch Landschaft, Menschen und Gebräuche sondern verlässt damit auch zu sehr »eingefahrene« Wege. Ich blicke über meinen Tellerrand hinaus und habe dabei die Chance zu lernen, dass das Leben voll von Parallelwelten ist, nicht nur im Außen sondern auch im Persönlichen, im Menschlichen.

 

Wir können den Weg der Liebe, des (Ur-)Vertrauens und des Verständnisses gehen, oder aber wir bewegen uns auf dem Weg der Angst, der Skepsis, der Bewertungen und Beurteilungen und verbleiben in unserem scheinbar so schönen und bequemen Leben. Vorurteile entstehen aus einem anderen Werteverständnis und aus Angst und Unsicherheit. Die Entscheidung, welchen Weg wir einschlagen, liegt bei uns! Immer wieder aufs Neue.

 

Mein Fazit der vergangenen Tage: Die Italiener lieben es laut, sie lieben es voll und mögen es bunt. Sie lieben die Gemeinschaft und es stört sie nicht im Geringsten, wenn es auch mal eng um sie herum wird. Und sie sind stolz auf ihr Leben und ihr Land – glücklicherweise nicht alle auf ihre Politik. Ist das nun eine Bewertung? Nein, das ist meine Meinung. Und ich stelle fest (mit einem lachenden und einem tränenden Auge) ... Ich bin eben keine Italienerin. Manchmal aber, da möchte ich mir noch eine Scheibe mehr von der Leichtigkeit, dem Familienbewusstsein, dem Hang nach Zusammengehörigkeit und der Kunst des Genießens – das, was die Italiener in meinen Augen einfach drauf haben – abschneiden! Mehr davon!

 

Und hier könnt Ihr in die neuesten Bildimpressionen klicken. Viel Freude beim Schauen. 

 

 

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Stillstand ...

Scheinbarer Stillstand
Scheinbarer Stillstand

... ist ein Zustand, in dem scheinbar nichts passiert. Es ist ein Zustand, der sich – zumindest für mich – nicht so leicht aushalten lässt. In den vergangenen Tagen umgab mich – oder anders ausgedrückt – befand ich mich in so einem Zustand des »scheinbaren Stillstands«.

 

Äußerlich war ich, wie meistens, viel unterwegs, bin durch Orte und Landschaften gereist, auf der Suche nach neuen Eindrücken, ja unbewusst sicher nach Ablenkung, vielleicht auch, um nicht mit mir selbst zu sein.

 

Innerlich, so stellte ich irgendwann fest, war ich jedoch während dieser Außentouren nicht mit mir in Verbindung. Fühlte mich rastlos, wusste nicht so recht, was mein eigentliches Bedürfnis ist. Beim Reisen und im Unterwegs sein, habe ich nur selten den Zugang zu meinen Gefühlen. Es sind mehr die Zeiten der Ruhe, des Innehaltens, des scheinbaren Nichtstuns, in denen ich mir meiner bewusst werde.

 

Um »zu mir selbst« zu finden – und das ist es eben auch, was ich mir von meiner Auszeit verbunden mit der Reise durch Italien erhoffe, wünsche, ja, wonach ich mich sehne – bedarf es immer wieder aufs Neue, »innezuhalten«. Um ich selbst zu sein oder anders gesagt, um mit meinem wahren Selbst in Verbindung zu treten. Da hat der Verstand dann auch mal Urlaub.

 

Zu meiner wahren Erkenntnis gelange ich letztlich nicht durch Bücher oder durch Erlebnisse im Außen, die mich zwar zu neuen Gedanken anregen aber eben auch ablenken können, sondern nur durch persönliche Erfahrung. Am besten kann ich mich selbst erfahren, in dem ich meine Gefühle zulasse.

 

Um an die Grundsubstanz unseres inneren Wesens zu gelangen, muss scheinbar »Stillstand« herrschen. Zu spüren, wie es um einen steht, was die Gefühle einem mitteilen möchten, will ausgehalten werden, selbst wenn es nicht so angenehm ist. Hinter dem auftretenden Gefühl, sei es Trauer oder auch Freude, befindet sich ein weiteres Gefühl. In der Bereitschaft dahinter zu blicken, ergibt sich so eine Möglichkeit, sich Stufe für Stufe »seinem wahren Kern« zu nähern. Und dies, davon bin ich überzeugt, ist nur möglich in Zeiten des »scheinbaren Stillstands«, denn wie sonst wollen wir erspüren, wie es um uns steht.

 

Es sind diese Situationen, diese Zustände, in denen so viel passiert, in denen wir die Chance haben, uns unserer bewusst zu werden, in denen wir mit uns in Verbindung sind und uns weiter entwickeln können. Hier können wir auf das lauschen oder das erspüren, was unser wahres Bedürfnis ist. Und das muss nicht zwangsläufig mit »klassischer« Meditation einhergehen, wie ich meine. 

 

Nichts ist plötzlich einfach so da, es erfordert unser Zutun und die Bereitschaft – jeder ganz auf individuelle Art. Hierzu bedarf es nicht unbedingt einer Reise wie ich sie unternehme. Für mich ist diese Reise eben eine ganz individuelle Reise – eben eine Reise mit mir selbst, in meinem Fall noch dazu in so einem herrlichen Land wie Italien.

 

 

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Loslassen ...

... ist eines dieser Wörter, die geradezu dazu einladen, damit zu spielen. Los-lassen! Es ist auch eines dieser Wörter, die immer mehr an Bedeutung gewinnen und das immer häufiger von uns benutzt wird.

 

Wer kennt nicht all diese Aussagen, wie »Sie müssen loslassen! Wenn du dir etwas von Herzen wünscht, musst du loslassen, dann kommt es von ganz allein! Oder auch gut: Ich rate ihnen, lassen sie den ganzen Stress einfach mal los! Und so weiter, ... Sicher alles gut gemeinte »Ratschläge«. Aber wie heißt es so schön »Ratschläge sind auch Schläge!« Hört und liest man ja immer mal wieder, auch unter uns Coach-KollegInnen. 

 

Wir machen uns mitunter viele Gedanken über das »Loslassen« und schaffen es manchmal nicht, vor lauter Nachdenken und Sinnieren darüber, dies letztlich in die Tat umzusetzen.

 

In diesem Wort steckt mehr als es scheint. Hier haben wir sowohl »los« wie »go! – Jetzt aber los! – In Gang kommen oder Etwas in Bewegung bringen« als auch »das Los«, mit der Chance auf Gewinn oder Niete integriert. Je nach Auslegungsbedarf.

 

Betrachtet man gesondert vom »los« wiederum das »lassen«, so beinhaltet eben jenes eine Art von »laissez faire, womit eine Haltung der Nichteinmischung mit dem Vertrauen darauf gemeint ist, dass sich die Dinge wohl am Besten von selbst regeln. [...]. Hier stimme ich zu, denn ...

 

... »loslassen« bedeutet ja nicht, etwas komplett zu (ver-)lassen, sondern vielmehr, dass ich einem Teil von mir das Steuer überlasse, voller Vertrauen, dass dieser Teil von mir bereits weiß, wohin meine Reise führt.

 

Da meldet sich natürlich gern mal sofort der Verstand, der all die Jahre ja auch ganz wunderbare Arbeit geleistet hat (oder haben will) und nun nicht so gern, einem anderen Teil das Zepter überlassen möchte. Und genau da haben wir den »Insalata mista«, um es mal italienisch auszudrücken. Die beiden verheddern sich, kommen in Konflikt. Während der Verstand mit einer jahrelang aufgrund von Erfahrungen trainierten gewissen Arroganz davon überzeugt ist, immer das Beste aus allem machen zu können, schnell und lösungsorientiert den Herausforderungen des Lebens die Stirn zu bieten, zieht sich der »andere Teil«, ich nenne ihn mal »die innere Stimme« wieder gelassen zurück, versucht es aber immer mal wieder, sich aufs Neue einen Weg ins Bewusstsein zu bahnen, scheitert vielleicht, gibt aber nicht auf und ... ja, bleibt gelassen. »Wenn du meinst mich nicht zu brauchen, ... ?!« Steckt ja irgendwie auch im »loslassen«, oder?

 

Natürlich ist das alles nur eine reine Metapher aus meinem Kopf. Mag sein, dass er gerade etwas überhitzt ist. Immerhin hatten wir heute 41 Grad. Es geht hier auch gar nicht darum, den einen oder anderen Teil hervorzuheben, vielmehr möchte ich verdeutlichen, dass beide Anteile ihre Berechtigung haben, dass es aber in gewissen Zeiten durchaus hilfreich (wenn auch nicht so einfach) sein kann, der einer Seite einer größeren Widmung zuzugestehen.

 

Loslassen kann es übrigens schon im Kleinen – scheinbar unbedeutsamen – täglichen Leben geben. Die einzigen Navigationshilfen während meiner Reise durch Italien sind meine »Reisebegleitung Anke«, die nicht müde wird, mir mit sonorer und stets freundlicher, doch neutraler Stimme einen Weg zu weisen, aber erst nachdem sie von mir einen relativ oberflächlich gefassten Auftrag bekommen hat (mein Navi) und eine Italien-Übersichtskarte im Maßstab 1:800.000. Kein Reiseführer also, der mir sagt, wo es am schönsten sein soll. Gut, es gibt das Internet und ab und an habe ich mich auch hierüber bedient. Überwiegend aber, lebe ich von den Begegnungen und Tipps, die ich unterwegs bekomme und vor allem davon, dass mich meine »innere Stimme« leitet, ob ich rechts oder links abbiege oder aber geradeaus fahre. Manchmal jedoch, da kann ich partout keine innere Stimme hören, habe einfach keinen Kanal zu ihr, bin abgelenkt oder meine es besser zu wissen (das ist dann mein Verstand: »Siehste, bringt doch alles nix!») oder ich höre sie erst, wenn ich vor lauter Müdigkeit nicht mehr geradeaus gucken kann und dann endlich ihr das Zepter überlasse. Aber manchmal, wenn auch für meinen Geschmack noch zu selten, begleitet sie mich für – bisher noch – wenige Stunden am Tag. Das ist schön, dann bin ich ganz mit mir! Voller Vertrauen und guter Laune. Und das fühlt sich dann richtig gut an! Dann ist alles möglich und nichts kann mich (und mein grün/weißes Gefährt) bremsen.

 

Übrigens hat mich meine innere Stimme in den vergangenen Tagen entlang der östlichen Küste vom Salento (wo ich an einem schönen kleinen Campingplatz unter Olivenhainen in der Nähe von Tricase leben durfte – Il Ponte) nach Ostuni geleitet, einer auch noch um Mitternacht sehr quirligen Kleinstadt in Apulien, jenseits der Küste.

 

Mittlerweile bin ich am Sporn des Italien-Stiefels angekommen, im Nationalpark Gargano und einem Ort namens Peschici. Zu Peschici möchte ich anmerken, dass hier am 31.10.1998 eine Tippgemeinschaft von 99 Spielern im Lotto die Rekordsumme von ca. 31. Mio. € gewonnen hat. Seitdem ist Peschici ein Synonyom für unverhofftes Glück.

 

Na, wenn das kein Glück ist. 

 

 

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Nach Dunkel kommt Hell...

Ein Kraftplatz – die Abruzzen
Ein Kraftplatz – die Abruzzen

... und nach Hell kommt Dunkel. Ein ewiger Kreislauf in der Natur. Ein Spiel zwischen Sonne und Mond. Die Nacht löst irgendwann den Tag ab und der Tag darauf die Nacht. Für so einen Wechsel gibt es ja weitere viele uns bekannte Beispiele.

 

Im Außen wie im Innen – so verläuft es derzeit für mich in stetiger Abwechselung.

 

Es gibt »helle Tage«, die sehr inspirierend sind und von denen ich zehre, in denen alles möglich scheint – ja ist! Dann darf ich aus einer Quelle in mir schöpfen, die mit allem gefüllt ist, was ich benötige ... und bin ganz mit mir verbunden.

 

Und es gibt »dunkle Tage« – eher »dunkle Sequenzen« –, in denen ich mich mit »alten Geschichten« plage. Bewusst schreibe ich, in denen »ich mich plage«, da ich es ja bin, die solche »Einladungen« in mitunter trübe Gedanken annimmt – wenn auch zunächst unbewusst. Wer kennt sie nicht, diese manchmal »trüben Zeiten«? Aber wer, wenn nicht ich selbst, kann am besten die Entscheidung treffen sie abzulehnen ...? »Nein Danke, ich stehe nicht mehr zur Verfügung.« Dazu bedarf es, die Situation »von außen zu beobachten« – will sagen – sich bewusst zu machen, was gerade geschieht. Das Gefühl, das mit diesen trüben Gedanken verbunden ist, ist nichts als ein Hinweis, den wir wahrnehmen und nutzen können oder in das wir uns hineinfallen lassen können. Eine Freundin meinte vor Kurzem hierzu: »Sieh’ die Gefährten am Wegesrand stehen, grüße sie und gehe an ihnen vorbei.« Eine wunderbare Metapher dafür, nicht stehenzubleiben und sich im Sud der Schwere zu suhlen, sondern sich für »das Helle« in mir, das Positive, das was sich gut anfühlt und mich weiterbringt, zu entscheiden. Nach Dunkel kommt Hell und mit der Zeit und etwas Übung kann es länger ­­– mit großer Wahrscheinlichkeit sogar anhaltend – ­hell bleiben.

 

Ich habe mich für das Helle entschieden. Und wenn es wieder erforderlich ist, werde ich Üben, Üben, Üben.

 

Ich blicke übrigens gerade auf die Bergwelt der wunderschönen Abruzzen. Opi, der Ort in dem ich mich gerade aufhalte, liegt mitten im Herzen des Parco Nazionale d' Abruzzo. Und es ist eine fantastische Landschaft, ein absoluter Kraftort. Es riecht gut nach frisch geerntetem Heu, feuchte Nebelschwaden ziehen an meinem Bus vorbei im ersten Morgenlicht, ein Hund hat mich adoptiert und bewacht mich und meinen Bus, begleitet mich – auch ohne Einladung – bei meinen Wanderungen und es sind bestimmt 15 Grad Temperaturunterschied zur Küste. Also angenehme 25 Grad, wobei ich auch gut mit 40 Grad leben, allerdings nicht wandern kann.

 

Zu den Bildimpressionen geht es hier.

 

 

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Halbzeit, ein Engel mit Fell und andere Begegnungen

Engel mit Fell
Engel mit Fell

Drei Monate bin ich nun bereits unterwegs. Der Tacho meines mittlerweile so vertrauten grün-weißen Busses zeigt fast 9.000 KM mehr an und mir ist – ich weiß nicht – eigentlich gar nicht so, als ob ich bereits seit einem viertel Jahr reise.

 

Gerade die vergangenen Tage kommen mir vor wie Wochen ... allein die letzten 4 Wochen wie Monate, aber die Monate längst nicht wie ein viertel Jahr.

 

Viel habe ich bisher gesehen, einiges erlebt, bin viele Km gefahren und dabei durch sehr gegensätzliche Landschaften gereist. Einmal rund um den Stiefel, meist immer der Küste entlang.

 

Die Reise verlief bisher – im Außen wie auch im Innen ­– manchmal durchaus turbulent. Im Außen hatte ich ausgesprochen angenehme und schöne Begegnungen mit sehr verschiedenen Menschen, meist Italiener, ab und an auch ein paar Deutsche. Sympathisch ist hierfür fast immer ein zutreffender Ausdruck.

 

Im Innen hatte ich interessante Begegnungen mit mir selbst, wenn auch nicht immer leicht zu durchschauen oder gar anzunehmen, doch letztlich – wie sich herausgestellt hat – immer mit Sinn und einer gewissen Nachhaltigkeit und – ja irgendwie ­– auch erhellend. Wie auch im Außen – wenn ich über diverse Unwegsamkeiten endlich am Ziel angekommen bin – so bin ich im Innen über das Reisen ein paar Schritte und Erkenntnisse weitergekommen. Und dafür bin ich wirklich dankbar!

 

»Last but not least« hatte ich eine wirklich schöne Begegnung mit jemandem, dem ich einen Teil meines Herzens geschenkt habe. Er hat – zumindest mir nicht bekannt ­– noch keinen Namen, ist ca. 7-12 Monate alt und – wie ich mittlerweile der Überzeugung bin – ein »Engel mit Fell«, der – genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort – mit mir zusammengetroffen ist. Auf dem Campingplatz inmitten des Parco Nazionale d’Abruzzo, wo er laut Auskunft der Platzbesitzer bereits seit einigen Monaten lebt und niemandem gehört. Der kleine Racker ist wirklich unglaublich süß und eine Bereicherung!

 

Jeden Morgen hat er mich vor meinem Bus begrüßt, lag, wenn ich anderweitig unterwegs war, am Abend bei meiner Rückkehr bereits wartend unter meinem Bus oder er hat mich auf meinen Wanderungen begleitet. Er wollte versorgt und vor allem bespaßt werden. Und den hatten wir, unseren gemeinsamen Spaß! Ein wunderbares Lebewesen, das Verantwortungsbewusstsein und Fürsorge in mir geweckt hat.

 

Zu-fälle gibt es ja meiner Meinung nach in dem Sinne eigentlich nicht. Ich bin aber der Meinung, dass alle Begegnungen ihren Sinn haben! Ich glaube an so etwas wie Synchronizität.

 

Den August werde ich übrigens in Deutschland verbringen, ein paar Aufträge bearbeiten und das – hoffentlich dann auch noch – schöne Wetter in Norddeutschland genießen. Ja, ich hatte es von vornherein so eingeplant. Mein Auto kann hier sicher untergestellt werden und wartet darauf, Ende August wieder von mir weiter bewegt zu werden. Es ist spannend für mich, mit den »gereisten« Erfahrungen einer mir sehr vertrauten Businesswelt einen kurzen zwischenzeitlichen Besuch abzustatten. Im Grunde genommen geht die Reise ja auch währenddessen weiter ... und im September und Oktober werde ich meine angefangene Auszeit im Süden weiterführen. Wer weiß, vielleicht habe ich bereits einen Richtungswechsel eingeschlagen. Mit Sicherheit jedoch werden sowohl meine Kunden als auch ich von meiner bisherigen Auszeit auch in der Arbeit profitieren.

 

Hier in Italien ist außerdem im August der Haupt-Ferien-Monat und am 15. August zudem noch »Ferragosta«. Da empfinde ich es als besser mich rauszuhalten und nicht mit den Massen unterwegs zu sein. Zudem hat das Thermometer in der Nähe von Rom gestern Nachmittag 46 Grad Celsius angezeigt. Eindeutig die richtige Zeit für einen Richtungswechsel. 

 

Ich schreibe meinen ReiseBlog weiter und freue mich, wenn Ihr mich auf meiner Reise und dem »Kreise ziehen – die Mitte finden« weiterhin begleitet.

 

Ein paar letzte Juli-Bildimpressionen gibt es auch. 

 

 

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Zwischen den Welten ...

Balance
Balance

... befinde ich mich hier nach meiner Rückkehr und Ankunft in Lübeck. Es ist Sommer – ein richtiger Sommer! Ein nicht so häufiges Vorkommnis hier im Norden ... um so schöner für mich, die gerade aus dem heißen Süden zurückgekehrt ist – wenn auch nur als vorübergehender Besuch eingeplant.

 

Mein »Rucksack« ist – so empfinde ich es gerade – prall gefüllt mit neuen Erfahrungen. Und es wachsen auch hier, mit kurzer Unterbrechung meiner Auszeit, neue Erkenntnisse aus diesen gemachten Erfahrungen. Einige davon sind mir durchaus vertraut, sie haben mich bereits in einer anderen Phase meines Lebens gestreift, doch kaum von mir wahrgenommen, konfrontiert mit zu viel damaliger Sorge vor Veränderung, haben sie sich wieder zurückgezogen. Dabei blieb etwas zurück, ein Gefühl nagender und doch immer wieder von mir erfolgreich verdrängter Unzufriedenheit.

 

Heute fühlt es sich anders – ja gut ­– an. Heute habe ich – wohl auch durch die Reise allein mit mir im vergangenen viertel Jahr – wieder eine andere Haltung zu mir und zum Leben entwickelt. Das Neue möchte ausprobiert und gelebt werden. Es will nicht erneut mit Ablehnung konfrontiert werden. Es hat sich – ganz zart noch – eine neue Freude in mir eingestellt. Da gibt es kein Zurück mehr. Es scheint fast so, als ob ein ewig glimmender Funke durch gemachte Erfahrungen und Prozesse mehr Stärke bekommen hat und das Feuer neu, irgendwie anders, in mir entfacht ist.

 

Etwas Mut gehört dazu, so aufrichtig zu (be-) schreiben, wie ich diese Veränderungen durch Erfahrungen wahrnehme und doch möchte ich davon berichten, in dem ich mit diesem Mut – vielleicht anderen Menschen – Mut zur Veränderung mache. Ich sage ja auch nicht, dass es einfach ist ... doch lohnenswert ist es allemal. Wenn auch zum Teil erst im Nachhinein spürbar. Denn, wer steckt schon gern inmitten solcher Veränderungsprozesse? Wer verlässt schon gern seine Komfortzone, selbst wenn sich ein Teil des Lebens schon lang nicht mehr so anfühlt wie es sich anfühlen sollte – nämlich gut?! Und doch führt kein Weg daran vorbei.

 

Es besteht durchaus eine gewisse »Gefahr« im Ankommen in den eigenen vertrauten Wänden. So habe ich bereits vor Ablauf der ersten 24 Stunden festgestellt, dass ich sofort mit Leichtigkeit in alte, zumindest von mir nicht mehr gewollte Verhaltensmuster gefallen bin. Es hat Ähnlichkeit mit einem »Besuch bei den Eltern im ursprünglichen Zuhause«. Hier verfällt man häufig auch ganz schnell wieder in ein Kindheitsschema, in die Rolle des früheren Kindes, so leicht wird es einem von den Eltern gemacht, so einladend sind sie in ihrem Verhalten – sicher gut gemeint. Aber ich bin nicht auf Besuch bei meinen Eltern, ich bin zurück in meine Wohnung gekommen, in der ich noch vor kurzem meinte, mich hier sehr wohl zu fühlen.

 

Nach drei Monaten »kuscheliges wenn auch beengtes Zuhause auf vier Rädern« stelle ich fest, dass ich mit sehr viel weniger auch sehr gut leben und auskommen kann. Das ist – irgendwie – befreiend. Momentan wohne ich in einer »gefühlten« viel zu großen Wohnung, die nicht nur traumhaft schön gelegen ist sondern auch alles beinhaltet, was ich bisher meinte zu brauchen.

 

Doch nehme ich wahr, dass sich in mir – nicht erst heute und doch mit anderer Vehemenz als früher – ein Wunsch nach einem anderen Lebenskonzept verstärkt. Meine Wohnung war bisher mein Anker, der Ort, den ich – zumindest solange ich hier »auf festem Untergrund« meine Wurzeln geschlagen habe – neben meiner Tätigkeit als reisende Unternehmerin eigentlich nicht mehr verlassen wollte. Aber ich habe mich eben auch lange nicht – wenn überhaupt jemals – so intensiv mit mir befasst wie in den vergangenen Monaten. Vor meiner Auszeit war ich viel, fast nur, im Außen unterwegs und habe mir meine Anerkennung überwiegend in meiner Arbeit »verdient« – statt sie mir auch selbst zu geben. Und da meint man ganz selbstverständlich, dass das Drumherum einen gewissen Ersatz zu leisten hat, damit der Teil in einem, der schon längst zu kurz gekommen ist ebenfalls eine gewisse Befriedigung erhält, die aber nie so ganz erfüllend zu sein scheint und wo immer eine gewisse Leere bleibt. Wie soll denn auch das Innere ausschließlich vom Äußeren erfüllt werden? Wenn wir immer nur etwas rausgeben, aber langfristig nichts reingeben. Das kann ja auf Dauer nicht funktionieren. Da läuft was leer oder brennt was aus oder ist schlicht gesagt »beleidigt«, wenn es nicht zu seinem eigentlichen Recht kommt, um nicht die mittlerweile allgemein gebräuchlichen Worte hierfür als eine Zustandbeschreibung zu nutzen.

 

Ein Freund fragte mich nach dem Status Quo in der Halbzeit. Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich bei mir eine gewisse Ernüchterung aber gleichzeitig der Beginn einer neuen, noch zarten Freude gegenüber dem Leben eingestellt haben. Ist das nun ein Widerspruch? Meiner Meinung nach nicht. Manchmal will etwas Altes losgelassen werden, damit sich etwas Neues, wenn auch noch Ungewisses entwickeln kann. Das Wesentliche ist doch für uns alle sehr individuell. Und dieses ganz individuelle Wesentliche darf sich entwickeln, wenn wir es mutig zulassen – ganz im eigenen Tempo und nach den eigenen Bedürfnissen. Aber dazu bedarf es mehr als den ersten Schritt, dazu bedarf es auch, neue Erkenntnisse nicht einfach nur als neues Wissen abzuspeichern sondern diese nach und nach als etwas Neues in sein Leben zu integrieren. Und hierfür braucht es ein aufrichtiges und ehrlich gemeintes Ja zum eigenen Leben. Das kann manchmal eine weitere Herausforderung sein, für die es sich aber doch lohnt – so meine ich – Veränderungen anzugehen. Und manchmal geht es leichter in kleinen Schritten – nach und nach.

 

 

 

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Let's get on the road again!

Gipfel in den Abruzzen
Gipfel in den Abruzzen

Seit genau einer Woche bin ich zurück in Italien. Mein Bus stand unverändert auf dem Campingplatz, auf den ich ihn abgestellt hatte. Er sprang glücklicherweise auch sofort wieder an. Das war ein wirklich gutes Willkommensgefühl. Ich hatte mich bereits wieder sehr auf meine erneute Reise und den 2. Teil meiner Auszeit gefreut.

 

Nachdem ich mich wieder heimisch eingerichtet hatte, ein bisschen im Lago di Bracciano geschwommen bin und ich den Campingplatzbesitzern am ersten italienschen Abend versucht habe zu erklären, weshalb ich denn eigentlich einen Monat lang in Deutschland war, bin ich am nächsten Tag direkt zum Parco Nazionale d’Abruzzo weiter gefahren. Ich war neugierig, ob der kleine Racker, den ich bereits als den »Engel mit Fell« erwähnt habe,  noch da ist.

 

Ist er! Und – ich gebe zu – er ist einer der Gründe, weshalb ich bislang noch keinen weiteren Blogartikel geschrieben habe. Dieser Hund, dem ich mein Herz bereits Ende Juli ein Stück weit geschenkt hatte, wollte mir während meiner Zeit in Deutschland einfach nicht mehr so richtig aus den Kopf gehen.

 

Nun bin ich also hier und versuche ihn an mich und mich an den Hund zu gewöhnen. Es geht weiter und ich freue mich, von nun an wieder regelmäßig über meine Erlebnisse und Erfahrungen – im Innen wie im Außen – in Form dieses ReiseBlogs zu schreiben.

 

 

Schaut Euch doch einfach derweil schon mal die ersten Bildimpressionen des Monats September an, wenn Ihr mögt.

 

 

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Spieglein, Spieglein, ...

Wer kennt es nicht, das Märchen, in dem der Spiegel »nach der Schönsten im ganzen Land« befragt wird und dieser zunächst schmeichelnd antwortet, nur um dann am Ende doch genau das wider zu spiegeln, was die Fragende unter keinen Umständen hören möchte, nämlich das, was ihr größtes Problem zu sein scheint. Nun stelle ich mich nicht jeden Morgen vor den Spiegel und frage ihn, was er über mein Aussehen denkt. Ich nehme dies heute einfach nur als Metapher dafür, was uns im Leben – manchmal in Begegnungen, manchmal in Situationen – von unserem jeweiligen Gegenüber gespiegelt wird.

 

Weshalb ich diese Artikel-Überschrift gewählt habe, ist der Grund, dass mich derzeit ein anderer Spiegel begleitet und mir meine Befindlichkeiten aufs Feinste widerspiegelt.

 

Gestatten: Pio! – Mein Name. Ich lebe hier auf dem Campingplatz »Le Foci« mitten im Herzen des Nationalparkes der Abruzzen, bin in etwa 8 Monate alt und ein Mischling aus Schäferhund und »weiß nicht so genau was noch«.

 

»Pio« ist der Hund, für den ich mich extra auf den Weg zurück in die Abruzzen gemacht habe und den ich gerade versuche zu adoptieren. Ob es gelingt? Bisher sieht es ganz gut aus. Nun – wer baut schon gern tiefgehende Beziehungen innerhalb von ein paar Tagen auf, wenn er vorher so gut wie auf sich allein gestellt und permanent darauf bedacht war, zu überleben?! Das Schöne an »Pio« ist nicht nur sein Aussehen, sondern auch, dass er ein sehr positiv ausgeprägtes Sozialverhalten zeigt, trotz dem es wahrscheinlich nicht immer ganz einfach für ihn in der Vergangenheit war, alleine durchzukommen. Aber er hat es immerhin bisher geschafft. Vielleicht hatte er sogar in den ersten Wochen seines noch jungen Lebens eine menschliche Begleitung und wurde dann jedoch, als er flügge wurde, zunehmend anstrengender für seine Besitzer. Doch dies ist nichts als eine Vermutung meinerseits.

 

In den vergangenen 48 Stunden haben wir so etwas wie eine erste, nähere Bindung aufgebaut. Hierzu gehört, dass er seit zwei Nächten in meinem Bus schlafen darf. Das an sich war nicht nur für ihn äußerst aufregend, wobei er sich relativ zügig entspannt und leise schnarchend die Nacht verbracht hat, während ich in der ersten Nacht kein Auge zugetan habe.

 

Nachdem ich ihm dann das erste Mal die Leine angelegt hatte, wollte er keinen Schritt mehr laufen, hat sich einfach nur stur hingesetzt und – ich gebe zu – ziemlich vorwurfsvoll auf mich geblickt. Wie kann sie es wagen? Was soll das denn jetzt? Ging doch bisher auch ganz wunderbar ohne. Und was soll ich denn jetzt machen mit diesem Ding da an mir? So stelle ich mir in etwa »Pios« Gedanken vor, auch wenn mir natürlich jeder Hundetrainer sagen wird, dass Hunde in dem Sinne nicht denken. Trotzdem! Das ist irgendwie leichter für mich.

 

Da halfen zunächst weder Leckerlies noch gutes Zureden. Er wollte einfach nicht. Ihr könnt Euch vielleicht meine Verzweiflung und auch Unsicherheit vorstellen, oder? Immerhin bin ich das erste Mal in meinem Leben so etwas wie eine »Fast-Hundebesitzerin«. Nach einer verfrühten und ausgiebigen Zwangs-Mittagspause war ich so frustriert, dass ich ihm kurzerhand Halsband und Leine wieder abgenommen habe. Dann eben nicht! Bleibst Du eben hier. Du musst ja nicht mit, wenn Du nicht willst. Weißt ja nicht, wie einfach und gut du es bei mir haben könntest. Wie soll das denn bloß gehen? So in etwa waren dann meine Gedanken.

 

Nun aber, nachdem ich mich mit Leine und Halsband, aber ohne Hund auf den Weg zurück gemacht hatte, folgte er mir plötzlich aufmerksam. Okay! Ich habe noch viel zu lernen. Das Positive daran war, dass Pio mich mit meiner Unsicherheit und Verzweiflung sowie dem «nicht wissen was zu tun ist« über sein Verhalten ziemlich gut gespiegelt hat.

 

Auch nach einigen Tagen intensiver Betreuung und Zuwendung durch mich, würde er wahrscheinlich im Moment noch jede Gelegenheit nutzen, um sich aus dem Staub zu machen und z.B. den Tag mit denjenigen zu verbringen, die ihn nicht anleinen und die er – auch ohne Leine – auf die Wanderung begleiten darf. So ist er es gewohnt, so hatte er bisher seinen Spaß und seine soziale Anbindung, die wohl jeder – nicht nur Hund – benötigt.

 

Das Problem daran ist aber, dass im Nationalpark – aufgrund der dort lebenden Wölfe und Bären – keine freilaufenden Hunde erlaubt sind und er ggf. auch von Jägern abgeschossen werden könnte, falls er nicht schon vorher auf der stark befahrenen Straße von einem rasanten Fahrer ohne Rücksicht überfahren wird. Ist hier übrigens auch keine Seltenheit.

 

Laut Aussage der Campingplatzbesitzer gehört er niemandem und lebt hier er schon einige Monate auf dem Platz. Allerdings ist der Winter hier in den Abruzzen hart, es gibt eine Menge Schnee bei teilweise minus 20 Grad und der Platz ist geschlossen. Also kein Futter von irgendwelchen netten Touristen und definitiv keine sichere Unterkunft.

 

Kommt da etwa die Retterin in mir durch? Definitiv ein klares Nein. Ich mache es nicht, weil ich ihn retten möchte, ich nehme ihn mit, weil er an einem Tag in einer bestimmten Situation in mein Leben getreten ist, die für mich recht einprägend war.

 

Ja klar, ich habe auch ein paar Schuldgefühle und zwar dahingehend, einem Hund einfach so die Freiheit zu nehmen. Das ist auch ein kleines Thema. Aber letztlich – so auch die Aussage der Hundetrainerin »Carla« aus Pescasseroli, die hier täglich eine Stunde mit mir und Pio trainiert – ist es eine Chance für ihn, älter als nur 12 Monate zu werden, weil er den Winter mit großer Wahrscheinlichkeit ansonsten nicht überleben wird. Und für mich ist es eine Chance des von mir gewünschten Richtungswechsels in meinem Leben. Bitte – hier ist er!

 

Ich werde weiter berichten. In Kürze! Hier im Blog und auch auf Twitter. 

 

 

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Ein kleiner Wettbewerb ...

Die Nadel im Heuhaufen ...
Die Nadel im Heuhaufen ...

... kann natürlich nur gut werden und richtig Spaß machen, wenn es genügend Teilnehmer dafür gibt. 

 

Am Beginn des zweiten Teils meiner Reise nach Italien, durch Europa (OK, das habe ich nun nicht ganz geschafft) und mit mir selbst (von nun an mit Begleitung namens »Pio«) möchte ich meine Leser zu einem kleinen aber feinen Wettbewerb aufrufen.

 

Und dies gibt es zu gewinnen: 12 Kalender für das Jahr 2014 mit Bildern meiner Reise und Zitaten meiner Leser. Und so einfach könnt Ihr dabei sein:


1.) Sagt mir bitte, welches der Bilder aus meinem Reiseblog Euch am besten gefällt.

2.) Sendet mir dazu Euren Gedanken (maximal 140 Zeichen) oder ein passendes Lieblingszitat.

Am Ende meiner Reise werde ich 12 Einsendungen auswählen, einen Kalender daraus machen und den 12 Gewinnern jeweils ein Exemplar senden. Bitte schickt Eure Vorschläge und Zitate an: mail@anjameineke.de.

 

Freue mich über Eure Teilnahme.

 

 

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Was so los ist derzeit ...

Jeden Tag ein paar Millimeter ...
Jeden Tag ein paar Millimeter ...

möchte ich Euch in einem kurzen Sonntäglichen Artikel berichten.

 

Kalt ist es geworden hier in den Abruzzen. Pio und ich befinden uns auf ca. 1.100 m Höhe und die Nächte kühlen mittlerweile auf bis zu 5 Grad ab. Dafür ist es tagsüber noch herrlich warm, meist bis zu 25 Grad mit viel Sonne. Allerdings gab es auch schon ein paar heftige Regengüsse. Die Luft riecht klar nach Herbst, die Natur richtet sich für den bevorstehenden Winter ein. Ich persönlich liebe den Morgen bei Sonnenaufgang, dann fühle ich mich eins mit der Natur und meine Müdigkeit der vergangenen Nacht ist wie weggeblasen.

 

Das Schöne hier im Nationalpark ist das »Wildlife« rundherum. Frühmorgens und nachts hört man hier derzeit die Hirsche röhren, im September und Oktober ist Paarungszeit. Mit der Organisation »Ecotours« kann man Exkursionen mit »Fast-Garantie« für das Entdecken von Bären und Wölfen unternehmen oder mit viel Glück diese bei seinen Wanderungen auch selbst entdecken. Mir ist das leider noch nicht gelungen. Gestern habe ich mich mit einem Franzosen unterhalten, der hier in der Nähe bei einer Autotour eine Bärin mit zwei Jungen über die Straße hat laufen sehen. Er hielt an, schoss ein paar Fotos und stellte später hier zurück auf dem Campingplatz zu seinem absoluten Leidwesen fest, dass er keine Speicherkarte im Fotoapparat eingelegt hatte. Er war – verständlicherweise – mehr als nur ein bisschen ärgerlich auf sich selbst.

 

Bis Dienstag bleiben Pio und ich noch hier auf dem Platz, wir wollen morgen mit Carla, der Hundetrainerin aus Pescasseroli und ihrem Freund Lorenzo noch einen letzten Tag verbringen. Die beiden sind mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen und Carla und ich schmieden Pläne, ob wir nicht vielleicht ein internationales Projekt zum Thema »Führung und Kommunikation« mit ein paar Anderen auf die Beine stellen könnten. Das macht Spaß.

 

Pio und ich waren in der Zwischenzeit übrigens beim Tierarzt in einem Ort ca. 40 Km von hier entfernt. Den Tierarzt »Giovanni« fand Pio gar nicht so schlimm, er hat die Spritzen ohne großen Aufstand hingenommen und sich dabei recht entspannt verhalten. Allerdings war die Fahrt in meinem Bus dorthin mehr als aufregend für ihn. Bei den vielen Serpentinen wurde ihm ziemlich übel und er hat sein Innerstes erstmal so richtig nach Außen gekehrt – nach oben raus versteht sich von selbst. Das könnte in den nächsten Tagen auch für mich noch recht aufregend werden, wenn wir uns erst auf den Weg zurück machen.

 

Nun hat Pio also einen offiziellen Pass mit eingetragenem Namen. Sein Geburtsdatum haben wir auf den 10.02.2013 festgelegt. Muss ja alles »seine Richtigkeit« haben. Ach ja und übrigens sind mittlerweile durch ein Gespräch mit einem Standbesitzer auf dem Markt in Pescasseroli auch seine Eltern bekannt. Seine Mutter ist eine Belgische Schäferhündin und sein Vater aller Wahrscheinlichkeit nach ein Deutscher Schäferhund, obwohl ein Bewohner von Pescasseroli der festen Überzeugung ist, dass  auch ein Labrador als Vater in Frage käme. Aber den können wir in Pio beim besten Willen zumindest rein äußerlich nicht erkennen, an seinem Gemüt schon eher.

 

Die neuen Bildimpressionen vom Monat September sind online. Ihr könnt also die Fotos bei der Auswahl für den Wettbewerb mit einbeziehen. Ich freue mich auf Eure Zuschriften.

 

 

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A big thank you to Carla ...

Carla and Pio in front of Animalibera in Pescasseroli
Carla and Pio in front of Animalibera in Pescasseroli

... who is THE dogtrainer in Pescasseroli, right in the middle of the National Park of Abruzzo.

 

Thank you, Carla, so much, for helping me and Pio with your passion to bring the two of us together. You are definitely a person with her heart in the right place. It was a pleasure to meet and work with you. You helped us, Pio and me, so much to get closer to each other. Hope to see you again with one of our international projects in Europe or just on a visit to Gemany or Italy. Best wishes to you and Lorenzo.

 

Grazie Mille!

 

 

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Frau mit Hund Anja ...

Wer suchet der findet ...
Wer suchet der findet ...

... stand gestern auf der Getränkeliste in der Casanuova in der Toskana. Es war wohl nicht ganz klar, wer denn jetzt eigentlich den Namen »Anja« trägt, ich oder mein Hund, auf jeden Fall ist »die Neue« eben besagte »Frau mit Hund Anja«.

 

Pio und ich haben gestern – mit einer Übernachtung am Lago Trasimeno – die Toskana erreicht nachdem wir am Dienstag aus den Abruzzen aufgebrochen sind. Wir fahren soweit es möglich ist auf der Autostrada – nun wieder in Richtung Norden –, das ist für meinen Hund angenehmer als die vielen Serpentinen der Nebenstraßen. Er findet das Autofahren allerdings nach wie vor ziemlich daneben. 

 

Die Casanueva – südlich von Florenz – lädt zu ein paar entspannten Tagen ohne viel Reisen ein. Mein Bus steht am Rande der Olivenbäume und wir haben die Möglichkeit am »social life« teilzunehmen. Frühstück und Abendessen inklusive und beides kann sich absolut sehen und schmecken lassen.

 

 

Nun, so kurz bevor ich mich endgültig auf den Weg in Richtung Norden mache, stelle ich fest, dass ich noch ein paar Tage brauche, um mich von Italien und dem Leben in meinem Bus zu verabschieden. Natürlich ist meine Auszeit noch nicht vorüber, doch habe ich hier eine so intensive – sowohl schöne als auch manchmal nicht ganz so leichte – Zeit mit mir verbracht, dass ich es gern mit einem typisch italienischen Leben ausklingen lassen möchte.

 

Ich bin sicher, es wird auch in den kommenden Wochen noch recht spannend und aufregend mit meiner neuen Begleitung sein. Ich werde weiter berichten. Unsere Route steht noch nicht fest, wir werden aber wohl über Österreich zurück nach Deutschland reisen. 

 

Denkt an den Kalenderwettbewerb 2014. Wer mir schreibt, welches sein Lieblingsfoto in meiner Bildergalerie der Monate Mai bis September ist und welches Lieblingszitat bzw. welche Gedanken ihm dazu einfallen, der kann einen von 12 Foto-Kalendern für das Jahr 2014 gewinnen. Schickt mir eine Mail mir Eurem Vorschlag an: mail@anjameineke.de. Einige Mails sind bereits eingegangen. Ich lasse den Wettbewerb noch bis Anfang Oktober laufen.

 

Und hier geht es zu den aktuellen Bildimpressionen.

 

 

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Vertrauen ...

Erstmal Stacheln ausfahren ...
Erstmal Stacheln ausfahren ...

... ist ein recht bedeutendes Wort, das gern für Beziehungen jeglicher Art benutzt wird. Aber was heißt das denn eigentlich?

 

Für mich ist es momentan äußerst spannend zu erleben, wie an jedem gemeinsam verbrachten Tag das Vertrauen zwischen meinem Hund und mir wächst. Das ist schön! Es scheint, ich entdecke die Welt gerade auch etwas neu. Z.B. ist es nicht nur lustig sondern auch sehr anrührend zu beobachten, wie Pio sich ganz langsam an das Wasser heran pirscht. Die kleinen Wellen des »Lago di Garda«, an dem wir heute angekommen sind, wollen ihm einfach nicht recht geheuer sein. Wieso sehen die Steine da am Grund des Sees eigentlich so komisch aus? Warum schwimmen da so komische Tiere auf dem See, was machen die da und warum kann ich sie nicht erreichen? So in etwa sieht Pios »Gesichtsausdruck« aus, wenn wir unsere Tour machen und am Wasser entlang gehen.

 

Zum Thema »Vertrauen« fallen mir auch noch einige verwandte Wörter ein:

-       Zutrauen

-       Blindes Vertrauen

-       Anvertrauen

-       Vertrauensverhältnis

-       »Misstrauen« vs. Vertrauen

 

Vertrauen hat auch etwas mit »sich trauen« zu tun. Etwas oder jemand, der neu ist, ist uns vielleicht nicht ganz »geheuer«, wir wissen noch nicht, was das oder der Neue ist und beobachten, ja, wir probieren aus, wie es sich so verhält mit dem Neuen. Dürfen wir so sein, wie wir sind? Wie sieht es mit Status oder Dominanz aus? Können wir uns »an-vertrauen«? Dürfen wir »Zu-trauen« fassen ohne einen Schaden davon zu tragen? Wie reagiert das (oder der) wir noch nicht kennen auf unser Verhalten? Wie reagieren wir selbst?

 

Es kann mitunter recht lange dauern bis ein Vertrauensverhältnis – vielleicht sogar irgendwann das »blinde Vertrauen« – aufgebaut ist. Ich muss hier immer wieder an »Der kleine Prinz« denken. Diese wunderschöne Geschichte, die wohl fast jeder kennt, ist eine Geschichte auch über »das Vertrauen«. Erinnert Ihr Euch an die Beschreibung der ersten Begegnung zwischen dem kleinen Prinzen und der Rose?

 

Je nachdem, welche Erfahrungen wir in unserem Leben machen oder bereits gemacht haben – egal ob kurzes oder langes Leben – ist unser Vertrauensverhältnis geprägt durch eben diese und durch daraus entstehende innere Glaubenssätze, die uns in unserem Verhalten (meist unbewusst) steuern.

 

Es gibt sicher Menschen – vielleicht auch Tiere –, die schnell Vertrauen aufbauen können, aber eben auch jene, die aufgrund ihrer Erfahrungen mehr Zeit hierfür benötigen. Wichtig ist, dass wir lernen den anderen – egal ob Mensch oder Tier – in seinem Verhalten und seinem Ausdruck zu verstehen, d.h. diese oder diesen zu deuten. Und dieses bedarf Zeit. 

 

Ich glaube auch, dass Vertrauen etwas mit Annehmen und Loslassen zu tun hat. Über das »Los-lassen« habe ich bereits geschrieben, ein Artikel über das »Annehmen« steht noch aus.

 

Als neue Hundebesitzerin ist es mir ein Anliegen meinen Hund Pio »zu lesen«, d.h. seine Reaktionen zu deuten. Es wird spannend und aufregend bleiben, und ich mache derzeit ganz sicher auch noch jede Menge Fehler. Wir beide haben bereits einen Termin für ein Intensivtraining in einer Hundeschule in Süddeutschland ausgemacht. D.h. auch, dass ich Anfang Oktober zurück in Deutschland sein werde.

 

In einem meiner nächsten Artikel werde ich über das Thema »Abschied und Neubeginn« berichten.

 

Denkt auch an den Kalenderwettbewerb 2014. Wer mir schreibt, welches sein Lieblingsfoto in meiner Bildergalerie der Monate Mai bis September ist und welches Lieblingszitat bzw. welche Gedanken ihm dazu einfallen, der kann einen von 12 Foto-Kalendern für das Jahr 2014 gewinnen. Schickt mir eine Mail mir Eurem Vorschlag an: mail@anjameineke.de. Einige Mails sind bereits eingegangen. Ich lasse den Wettbewerb noch bis Anfang Oktober laufen.

 

Und hier geht es zu den aktuellen Bildimpressionen.

 

 

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Über die Grenzen ...

Herbstliche Ausblicke ...
Herbstliche Ausblicke ...

... Italiens und Österreichs fahren Pio und ich in Kürze zurück nach Deutschland.

 

Ich blicke zurück auf intensive Wochen und Monate. Meine Auszeit – da darf ich mich glücklich schätzen – dauert noch bis Ende Oktober, doch der Abschied aus Italien fällt mir schwer, hatte ich hier doch eine wirklich bewegende Zeit.

 

Über die Grenzen bin ich zu Beginn meiner Auszeit gegangen – nicht nur symbolisch von Deutschland über die Schweiz nach Italien –, habe mich voller Neugier und Mut mit meinem tollen grünen Bus allein auf den Weg gemacht, um Neues – auch in mir – zu entdecken. Dies ist mir gelungen, meine ich. Nicht immer so leicht war mein Weg, doch gleichzeitig unglaublich schön, bewegend und inspirierend.

 

Ich habe eben »die Nebenstraßen« benutzt (viele Serpentinen), weg von der »Hauptroute« (keine geradlinige gut ausgebaute Autobahn), einmal quer durchs »Chaos« (mitten durch die engen Gassen von Neapel) und dann wieder zurück in die Ruhe der »Natur«. Rund um den Stiefel Italiens bin ich gefahren, ich habe schöne und auch einige schräge Begegnungen gehabt. Die Zeit verläuft anders, kein Alltagstrott, der die Stunden raubt, keine vorgegebene Route.

 

Im Außen wie im Innen – so habe ich die vielen Turbulenzen meiner Reise bisher erlebt. Wagt man es einmal die vorgegebene Route zu verlassen und zu schauen, was da sonst noch so ist, wird man unglaublich überrascht und  beschenkt. Das Leben ist bunt! Das Leben ist schön! Das Leben ist reichhaltig! Es bietet alles was wir brauchen, um den nächsten Schritt zu tun. Ich glaube auch, dass wir immer dann mit bestimmten und neuen Herausforderungen konfrontiert werden, wenn wir soweit sind, diese zu meistern.

 

Und dann geht es darum, sich diesen Herausforderungen zu stellen, nicht im Kampf, vielmehr im Annehmen des Neuen und Loslassen des Alten. Das ist nicht immer so einfach, denn Veränderungen machen Angst, sind unbequem und wir bewegen uns zunächst auf unsicherem, ja unbekanntem Terrain.

 

Der Weg nach vorn bringt uns weiter, nicht der Weg zurück, nicht die Stagnation. Ich für mich habe gelernt, dass Lebensfreude kein Tages-, ja, kein Dauerzustand ist. Sie kommt und geht mit den Aufgaben, die wir zu meistern haben. Aber sie ist stets in uns – die Lebensfreude –, sie kommt uns nicht abhanden, sie wird nur manchmal arg überlagert von »unserem Freund« namens Verstand, der immer darauf bedacht ist, das Beste für uns zu wollen. Nur leider wurde er über die Jahre sehr konditioniert und meint, er allein darf das Zepter in der Hand halten.

 

Vor ein paar Tagen sind Pio und ich bei herrlichstem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen durch das wunderschöne Südtirol gewandert. Hinter jeder neuen Ecke erwartete uns ein neuer Ausblick über eine herrlich, herbstliche Landschaft, voll von Almenwiesen und Apfelplantagen, deren Bäume mit abertausenden von bunten Äpfeln bestückt waren. Das sind diese kurzen aber intensiven Glücksmomente, in denen alle meine Sinne berührt werden – »jauchzen«! Dann spüre mich ganz bei mir, bin mit mir in Verbindung. Körper, Geist und Seele sind eins und harmonisieren miteinander – »jeder« kommt zu seinem Recht. Ein Geschenk! Meine Seele kann Purzelbäume schlagen, zeigt mir, dass das Sein in der Natur etwas ganz Besonderes ist und »sie« und »ich« fühlen uns wohl. Allein ... All-ein ... alles eins ... Wortspiele fallen mir hierzu ein.

 

Und hier noch eine kleine Erinnerung an meinen Kalenderwettbewerb 2014. Wer mir schreibt, welches sein Lieblingsfoto in meiner Bildergalerie der Monate Mai bis September ist und welches Lieblingszitat bzw. welche Gedanken ihm dazu einfallen, der kann einen von 12 Foto-Kalendern für das Jahr 2014 gewinnen. Schickt mir eine Mail mir Eurem Vorschlag an: mail@anjameineke.de. Einige Mails sind bereits eingegangen. Ich lasse den Wettbewerb noch bis zum 06.10. laufen und mache mich dann an die wahrlich nicht so leichte Auswahl.

 

Und hier geht es zu den neuen Bildimpressionen.

 

 

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Ende gut – alles gut! Weiter geht's ...

Miteinander – Füreinander – Voneinander Lernen!
Miteinander – Füreinander – Voneinander Lernen!

 

... auf ins Neue Jahr 2014!

 

Ich wünsche Euch ein tolles, kraftvolles, gesundes, lebensfreudiges und an Erfahrungen bereicherndes Jahr.

 

Dies ist mein Abschluss-ReiseBlog-Artikel.

 

Meine Bilanz für 2013?

 

So eine Auszeit hat es in sich. Ich habe mir damit ein besonderes Geschenk gemacht. Im eigentlichen Sein, mit mir und in der südlichen Sonne Italiens verbrachten Zeit habe ich mich sowohl ein Stück weit verloren als auch wieder entdeckt. Auch sind Saiten in mir zum Klingen gebracht worden, die mir so bisher noch nicht bekannt waren. Ich bin reicher an Erfahrungen und Erlebnissen geworden – so schön. 

 

Worum geht es nun? Wer weiß das denn eigentlich? Ein Teil von mir verlangt danach, dem Zarten und Neuen in mir ein Chance zu geben, ja auch einer gewissen Verletzlichkeit Raum zu geben und diese im Alltag des Seins nicht einfach wieder nieder zu treten. Das Neue braucht neuen Raum, dazu müssen auch einige Türen geschlossen werden. 

 

Mein Pio ist auch ein Geschenk. Wir kommen gut miteinander zurecht, bauen Vertrauen und Beziehung auf, lernen mit- und voneinander. Er ist häufig ein Spiegel meiner Selbst. Da heißt es achtsam und aufmerksam sein. 

 

Es wird weitere Geschichten, Artikel und vielleicht ein Büchlein geben. Doch noch bin ich am Sortieren, ordnen, ausmisten, einladen, ausprobieren. Es ist spannend, wenn auch nicht immer so einfach zu begreifen. 

 

Ich danke allen meinen treuen Blog-Lesern für die schönen Kommentare und Rückmeldungen und für die Begleitung während meiner Reise. Die Reise des Lebens geht weiter, wenn auch vorerst nicht in Form einer Auszeit oder eines speziellen ReiseBlogs. 

 

Meine Erfahrungen werde ich niederschreiben und hoffe damit, Mut zu machen, sich die Zeit zu nehmen, die es braucht, um dem Leben mit mehr Freude und weniger Frust begegnen zu können. 

 

Habt es schön, liebe Leser. Ich bin dankbar für 2013 und freue mich auf das frische und noch junge Jahr 2014. Alles Liebe und Gute für Euch in 2014. 

 

Herzlich, 

Anja & Pio

 

 

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