Zwischen den Welten ...

Balance
Balance

... befinde ich mich hier nach meiner Rückkehr und Ankunft in Lübeck. Es ist Sommer – ein richtiger Sommer! Ein nicht so häufiges Vorkommnis hier im Norden ... um so schöner für mich, die gerade aus dem heißen Süden zurückgekehrt ist – wenn auch nur als vorübergehender Besuch eingeplant.

 

Mein »Rucksack« ist – so empfinde ich es gerade – prall gefüllt mit neuen Erfahrungen. Und es wachsen auch hier, mit kurzer Unterbrechung meiner Auszeit, neue Erkenntnisse aus diesen gemachten Erfahrungen. Einige davon sind mir durchaus vertraut, sie haben mich bereits in einer anderen Phase meines Lebens gestreift, doch kaum von mir wahrgenommen, konfrontiert mit zu viel damaliger Sorge vor Veränderung, haben sie sich wieder zurückgezogen. Dabei blieb etwas zurück, ein Gefühl nagender und doch immer wieder von mir erfolgreich verdrängter Unzufriedenheit.

 

Heute fühlt es sich anders – ja gut ­– an. Heute habe ich – wohl auch durch die Reise allein mit mir im vergangenen viertel Jahr – wieder eine andere Haltung zu mir und zum Leben entwickelt. Das Neue möchte ausprobiert und gelebt werden. Es will nicht erneut mit Ablehnung konfrontiert werden. Es hat sich – ganz zart noch – eine neue Freude in mir eingestellt. Da gibt es kein Zurück mehr. Es scheint fast so, als ob ein ewig glimmender Funke durch gemachte Erfahrungen und Prozesse mehr Stärke bekommen hat und das Feuer neu, irgendwie anders, in mir entfacht ist.

 

Etwas Mut gehört dazu, so aufrichtig zu (be-) schreiben, wie ich diese Veränderungen durch Erfahrungen wahrnehme und doch möchte ich davon berichten, in dem ich mit diesem Mut – vielleicht anderen Menschen – Mut zur Veränderung mache. Ich sage ja auch nicht, dass es einfach ist ... doch lohnenswert ist es allemal. Wenn auch zum Teil erst im Nachhinein spürbar. Denn, wer steckt schon gern inmitten solcher Veränderungsprozesse? Wer verlässt schon gern seine Komfortzone, selbst wenn sich ein Teil des Lebens schon lang nicht mehr so anfühlt wie es sich anfühlen sollte – nämlich gut?! Und doch führt kein Weg daran vorbei.

 

Es besteht durchaus eine gewisse »Gefahr« im Ankommen in den eigenen vertrauten Wänden. So habe ich bereits vor Ablauf der ersten 24 Stunden festgestellt, dass ich sofort mit Leichtigkeit in alte, zumindest von mir nicht mehr gewollte Verhaltensmuster gefallen bin. Es hat Ähnlichkeit mit einem »Besuch bei den Eltern im ursprünglichen Zuhause«. Hier verfällt man häufig auch ganz schnell wieder in ein Kindheitsschema, in die Rolle des früheren Kindes, so leicht wird es einem von den Eltern gemacht, so einladend sind sie in ihrem Verhalten – sicher gut gemeint. Aber ich bin nicht auf Besuch bei meinen Eltern, ich bin zurück in meine Wohnung gekommen, in der ich noch vor kurzem meinte, mich hier sehr wohl zu fühlen.

 

Nach drei Monaten »kuscheliges wenn auch beengtes Zuhause auf vier Rädern« stelle ich fest, dass ich mit sehr viel weniger auch sehr gut leben und auskommen kann. Das ist – irgendwie – befreiend. Momentan wohne ich in einer »gefühlten« viel zu großen Wohnung, die nicht nur traumhaft schön gelegen ist sondern auch alles beinhaltet, was ich bisher meinte zu brauchen.

 

Doch nehme ich wahr, dass sich in mir – nicht erst heute und doch mit anderer Vehemenz als früher – ein Wunsch nach einem anderen Lebenskonzept verstärkt. Meine Wohnung war bisher mein Anker, der Ort, den ich – zumindest solange ich hier »auf festem Untergrund« meine Wurzeln geschlagen habe – neben meiner Tätigkeit als reisende Unternehmerin eigentlich nicht mehr verlassen wollte. Aber ich habe mich eben auch lange nicht – wenn überhaupt jemals – so intensiv mit mir befasst wie in den vergangenen Monaten. Vor meiner Auszeit war ich viel, fast nur, im Außen unterwegs und habe mir meine Anerkennung überwiegend in meiner Arbeit »verdient« – statt sie mir auch selbst zu geben. Und da meint man ganz selbstverständlich, dass das Drumherum einen gewissen Ersatz zu leisten hat, damit der Teil in einem, der schon längst zu kurz gekommen ist ebenfalls eine gewisse Befriedigung erhält, die aber nie so ganz erfüllend zu sein scheint und wo immer eine gewisse Leere bleibt. Wie soll denn auch das Innere ausschließlich vom Äußeren erfüllt werden? Wenn wir immer nur etwas rausgeben, aber langfristig nichts reingeben. Das kann ja auf Dauer nicht funktionieren. Da läuft was leer oder brennt was aus oder ist schlicht gesagt »beleidigt«, wenn es nicht zu seinem eigentlichen Recht kommt, um nicht die mittlerweile allgemein gebräuchlichen Worte hierfür als eine Zustandbeschreibung zu nutzen.

 

Ein Freund fragte mich nach dem Status Quo in der Halbzeit. Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich bei mir eine gewisse Ernüchterung aber gleichzeitig der Beginn einer neuen, noch zarten Freude gegenüber dem Leben eingestellt haben. Ist das nun ein Widerspruch? Meiner Meinung nach nicht. Manchmal will etwas Altes losgelassen werden, damit sich etwas Neues, wenn auch noch Ungewisses entwickeln kann. Das Wesentliche ist doch für uns alle sehr individuell. Und dieses ganz individuelle Wesentliche darf sich entwickeln, wenn wir es mutig zulassen – ganz im eigenen Tempo und nach den eigenen Bedürfnissen. Aber dazu bedarf es mehr als den ersten Schritt, dazu bedarf es auch, neue Erkenntnisse nicht einfach nur als neues Wissen abzuspeichern sondern diese nach und nach als etwas Neues in sein Leben zu integrieren. Und hierfür braucht es ein aufrichtiges und ehrlich gemeintes Ja zum eigenen Leben. Das kann manchmal eine weitere Herausforderung sein, für die es sich aber doch lohnt – so meine ich – Veränderungen anzugehen. Und manchmal geht es leichter in kleinen Schritten – nach und nach.

 

 

 

Kommentare: 4 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Petra (Samstag, 10 August 2013 18:06)

    Liebe Anja, herzlich willkommen im Norden Deutschlands. Es fehlt noch der Link zu Deinem Beitrag zum "Loslassen", den ich jetzt gleich mal im Blog verlinken werde.

    Ich wünsche Dir einen angenehmen August und dann noch zwei schöne Reisemonate. Bin gespannt, auf welcher Route Du unterwegs sein wirst. Herzlicher Gruß. Petra ... die morgen mit dem Bernina-Express über die Alpen fahren wird.

  • #2

    Anja (Montag, 12 August 2013 12:11)

    Liebe Petra,

    danke für die Willkommensgrüße. Es ist gleichzeitig spannend und herausfordernd wieder – wenn auch nur kurz – zu Hause zu sein und in den "All-tag" rein zu schnuppern.

    Zum Thema »Los-lassen« sind in mir seit heute morgen ganz »frisch« neue Gedanken und Erkenntnisse entstanden, nachdem ich ein recht tiefgreifendes Gespräch mit jemandem geführt habe. Die Erkenntnisse gehen neben dem »Los-lassen« in Richtung »An-nehmen und integrieren«. Mehr dazu schreibe ich, sobald ich ein paar Gedanken sortiert habe, hier in meinem Blog.

    Deinen gleichnamigen Artikel über das »Los-lassen« (http://www.lebenstempo-blog.de/lass-einfach-los-ist-mir-zu-einfach-daher-gesagt-wenns-denn-so-einfach-waer/) finde ich ebenfalls sehr inspirierend.

    Tanti Saluti e Ci Vediamo
    Anja

  • #3

    Martina (Samstag, 31 August 2013 07:20)

    Liebe Anja,
    es war sehr schön, Dich gestern Abend in München gesehen und gesprochen zu haben - und das am Vorabend Deines zweiten Auszeit-Teils! Ich wünsche Dir für die nächsten zwei Monate viel Freude und Bereicherung, viel Lachen, Muße zum Nachdenken und -spüren, tolle Begegnungen mit anderen und mit Dir selbst.
    Auf bald, viele Grüße,
    Martina

  • #4

    Creola Schroyer (Mittwoch, 01 Februar 2017 17:01)


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