Loslassen ...

... ist eines dieser Wörter, die geradezu dazu einladen, damit zu spielen. Los-lassen! Es ist auch eines dieser Wörter, die immer mehr an Bedeutung gewinnen und das immer häufiger von uns benutzt wird.

 

Wer kennt nicht all diese Aussagen, wie »Sie müssen loslassen! Wenn du dir etwas von Herzen wünscht, musst du loslassen, dann kommt es von ganz allein! Oder auch gut: Ich rate ihnen, lassen sie den ganzen Stress einfach mal los! Und so weiter, ... Sicher alles gut gemeinte »Ratschläge«. Aber wie heißt es so schön »Ratschläge sind auch Schläge!« Hört und liest man ja immer mal wieder, auch unter uns Coach-KollegInnen. 

 

Wir machen uns mitunter viele Gedanken über das »Loslassen« und schaffen es manchmal nicht, vor lauter Nachdenken und Sinnieren darüber, dies letztlich in die Tat umzusetzen.

 

In diesem Wort steckt mehr als es scheint. Hier haben wir sowohl »los« wie »go! – Jetzt aber los! – In Gang kommen oder Etwas in Bewegung bringen« als auch »das Los«, mit der Chance auf Gewinn oder Niete integriert. Je nach Auslegungsbedarf.

 

Betrachtet man gesondert vom »los« wiederum das »lassen«, so beinhaltet eben jenes eine Art von »laissez faire, womit eine Haltung der Nichteinmischung mit dem Vertrauen darauf gemeint ist, dass sich die Dinge wohl am Besten von selbst regeln. [...]. Hier stimme ich zu, denn ...

 

... »loslassen« bedeutet ja nicht, etwas komplett zu (ver-)lassen, sondern vielmehr, dass ich einem Teil von mir das Steuer überlasse, voller Vertrauen, dass dieser Teil von mir bereits weiß, wohin meine Reise führt.

 

Da meldet sich natürlich gern mal sofort der Verstand, der all die Jahre ja auch ganz wunderbare Arbeit geleistet hat (oder haben will) und nun nicht so gern, einem anderen Teil das Zepter überlassen möchte. Und genau da haben wir den »Insalata mista«, um es mal italienisch auszudrücken. Die beiden verheddern sich, kommen in Konflikt. Während der Verstand mit einer jahrelang aufgrund von Erfahrungen trainierten gewissen Arroganz davon überzeugt ist, immer das Beste aus allem machen zu können, schnell und lösungsorientiert den Herausforderungen des Lebens die Stirn zu bieten, zieht sich der »andere Teil«, ich nenne ihn mal »die innere Stimme« wieder gelassen zurück, versucht es aber immer mal wieder, sich aufs Neue einen Weg ins Bewusstsein zu bahnen, scheitert vielleicht, gibt aber nicht auf und ... ja, bleibt gelassen. »Wenn du meinst mich nicht zu brauchen, ... ?!« Steckt ja irgendwie auch im »loslassen«, oder?

 

Natürlich ist das alles nur eine reine Metapher aus meinem Kopf. Mag sein, dass er gerade etwas überhitzt ist. Immerhin hatten wir heute 41 Grad. Es geht hier auch gar nicht darum, den einen oder anderen Teil hervorzuheben, vielmehr möchte ich verdeutlichen, dass beide Anteile ihre Berechtigung haben, dass es aber in gewissen Zeiten durchaus hilfreich (wenn auch nicht so einfach) sein kann, der einer Seite einer größeren Widmung zuzugestehen.

 

Loslassen kann es übrigens schon im Kleinen – scheinbar unbedeutsamen – täglichen Leben geben. Die einzigen Navigationshilfen während meiner Reise durch Italien sind meine »Reisebegleitung Anke«, die nicht müde wird, mir mit sonorer und stets freundlicher, doch neutraler Stimme einen Weg zu weisen, aber erst nachdem sie von mir einen relativ oberflächlich gefassten Auftrag bekommen hat (mein Navi) und eine Italien-Übersichtskarte im Maßstab 1:800.000. Kein Reiseführer also, der mir sagt, wo es am schönsten sein soll. Gut, es gibt das Internet und ab und an habe ich mich auch hierüber bedient. Überwiegend aber, lebe ich von den Begegnungen und Tipps, die ich unterwegs bekomme und vor allem davon, dass mich meine »innere Stimme« leitet, ob ich rechts oder links abbiege oder aber geradeaus fahre. Manchmal jedoch, da kann ich partout keine innere Stimme hören, habe einfach keinen Kanal zu ihr, bin abgelenkt oder meine es besser zu wissen (das ist dann mein Verstand: »Siehste, bringt doch alles nix!») oder ich höre sie erst, wenn ich vor lauter Müdigkeit nicht mehr geradeaus gucken kann und dann endlich ihr das Zepter überlasse. Aber manchmal, wenn auch für meinen Geschmack noch zu selten, begleitet sie mich für – bisher noch – wenige Stunden am Tag. Das ist schön, dann bin ich ganz mit mir! Voller Vertrauen und guter Laune. Und das fühlt sich dann richtig gut an! Dann ist alles möglich und nichts kann mich (und mein grün/weißes Gefährt) bremsen.

 

Übrigens hat mich meine innere Stimme in den vergangenen Tagen entlang der östlichen Küste vom Salento (wo ich an einem schönen kleinen Campingplatz unter Olivenhainen in der Nähe von Tricase leben durfte – Il Ponte) nach Ostuni geleitet, einer auch noch um Mitternacht sehr quirligen Kleinstadt in Apulien, jenseits der Küste.

 

Mittlerweile bin ich am Sporn des Italien-Stiefels angekommen, im Nationalpark Gargano und einem Ort namens Peschici. Zu Peschici möchte ich anmerken, dass hier am 31.10.1998 eine Tippgemeinschaft von 99 Spielern im Lotto die Rekordsumme von ca. 31. Mio. € gewonnen hat. Seitdem ist Peschici ein Synonyom für unverhofftes Glück.

 

Na, wenn das kein Glück ist. 

 

 

Kommentare: 3 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Sara (Mittwoch, 24 Juli 2013 17:06)

    Ciao Anja!!!! Grazie per il biglietto che ci hai lasciato prima di partire, ci ha fatto davvero tanto piacere! Ieri ci siamo spostati anche noi, ora siamo a Torre Lapillo al camping torre castiglione.. il mare qui è bellissimo, c'è la spiaggia di sabbia fine ma anche un po di scogli!
    Se vai in Abruzzo ti consiglio il campeggio "i ripari di giobbe" ad Ortona, è sempre ma accogliente e con una bella spiaggia in una baia!
    E se poi verrai anche su da noi vicino a Milano fammelo sapere!
    Un caro abbraccio e buona continuazione!
    Sara e Angelo

  • #2

    Astrid (Donnerstag, 25 Juli 2013 10:13)

    Ciao Anja,

    so hast Du also Deine innere Navigatorin, deine innere Stimme, immer dabei, auch wenn Du sie manchmal nicht hörst. Ich wünsche Dir weiterhin gutes navigieren durch Italien und Deine inneren Landschaften. Und ich freue mich nun mit meinem süßen Chrischi Richtung Bornholm zu navigieren.

    Viele liebe Grüße
    Astrid

  • #3

    Petra (Donnerstag, 25 Juli 2013 16:24)

    Liebe Anja, soeben habe ich Deine Mail erhalten, dass Du auch zum Thema "Los-lassen" in Deinem Blog geschrieben hast. Ja, was ein schöner Zu-Fall :-). Ich freue mich schon auf Deinen Kommentar und deine Gedanken. Bei der inneren Stimme bin ich noch gar nicht angekommen. Zur Unterstützung werde ich über die Herzensstimme schreiben, als unsere innere Stimme, die uns lenkt oder eben auch nicht.

    Genial finde ich, dass Du die Einleitung zum Thema genau so empfindest wie ich: Es ist eben nicht ganz so einfach mit dem "lass doch einfach mal los".

    Ich freue mich immer wieder von Dir zu hören von Deiner Italien-Reise.
    Herzlich. Petra