Stillstand ...

Scheinbarer Stillstand
Scheinbarer Stillstand

... ist ein Zustand, in dem scheinbar nichts passiert. Es ist ein Zustand, der sich – zumindest für mich – nicht so leicht aushalten lässt. In den vergangenen Tagen umgab mich – oder anders ausgedrückt – befand ich mich in so einem Zustand des »scheinbaren Stillstands«.

 

Äußerlich war ich, wie meistens, viel unterwegs, bin durch Orte und Landschaften gereist, auf der Suche nach neuen Eindrücken, ja unbewusst sicher nach Ablenkung, vielleicht auch, um nicht mit mir selbst zu sein.

 

Innerlich, so stellte ich irgendwann fest, war ich jedoch während dieser Außentouren nicht mit mir in Verbindung. Fühlte mich rastlos, wusste nicht so recht, was mein eigentliches Bedürfnis ist. Beim Reisen und im Unterwegs sein, habe ich nur selten den Zugang zu meinen Gefühlen. Es sind mehr die Zeiten der Ruhe, des Innehaltens, des scheinbaren Nichtstuns, in denen ich mir meiner bewusst werde.

 

Um »zu mir selbst« zu finden – und das ist es eben auch, was ich mir von meiner Auszeit verbunden mit der Reise durch Italien erhoffe, wünsche, ja, wonach ich mich sehne – bedarf es immer wieder aufs Neue, »innezuhalten«. Um ich selbst zu sein oder anders gesagt, um mit meinem wahren Selbst in Verbindung zu treten. Da hat der Verstand dann auch mal Urlaub.

 

Zu meiner wahren Erkenntnis gelange ich letztlich nicht durch Bücher oder durch Erlebnisse im Außen, die mich zwar zu neuen Gedanken anregen aber eben auch ablenken können, sondern nur durch persönliche Erfahrung. Am besten kann ich mich selbst erfahren, in dem ich meine Gefühle zulasse.

 

Um an die Grundsubstanz unseres inneren Wesens zu gelangen, muss scheinbar »Stillstand« herrschen. Zu spüren, wie es um einen steht, was die Gefühle einem mitteilen möchten, will ausgehalten werden, selbst wenn es nicht so angenehm ist. Hinter dem auftretenden Gefühl, sei es Trauer oder auch Freude, befindet sich ein weiteres Gefühl. In der Bereitschaft dahinter zu blicken, ergibt sich so eine Möglichkeit, sich Stufe für Stufe »seinem wahren Kern« zu nähern. Und dies, davon bin ich überzeugt, ist nur möglich in Zeiten des »scheinbaren Stillstands«, denn wie sonst wollen wir erspüren, wie es um uns steht.

 

Es sind diese Situationen, diese Zustände, in denen so viel passiert, in denen wir die Chance haben, uns unserer bewusst zu werden, in denen wir mit uns in Verbindung sind und uns weiter entwickeln können. Hier können wir auf das lauschen oder das erspüren, was unser wahres Bedürfnis ist. Und das muss nicht zwangsläufig mit »klassischer« Meditation einhergehen, wie ich meine. 

 

Nichts ist plötzlich einfach so da, es erfordert unser Zutun und die Bereitschaft – jeder ganz auf individuelle Art. Hierzu bedarf es nicht unbedingt einer Reise wie ich sie unternehme. Für mich ist diese Reise eben eine ganz individuelle Reise – eben eine Reise mit mir selbst, in meinem Fall noch dazu in so einem herrlichen Land wie Italien.

 

 

Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Barbara Simonsen (Freitag, 19 Juli 2013 12:19)

    Stillstand? - Psst..vielleicht ist der Fluss des Lebens immer so ruhig und leise, dass wir ihn nur in Stille und Nichtstun wahrnehmen... begleitet vom Ein und Aus des Atems.
    Alles Gute Ihnen, liebe Anja Meineke, und genießen Sie die Tempiwechsel: mal beim Lauschen nach innen und mal beim Düsen mit dem Roller längs der Küste. Ganz herzlich, Barbara Simonsen aus Ratzeburg