Durch Parallelwelten ...

Wirrwarr!
Wirrwarr!

... habe ich mich in den vergangenen Tagen bewegt.

 

Kalabrien hat sich mir, bis hinunter zur Südspitze Italiens, in den unterschiedlichsten Versionen präsentiert. Meine Reise hat mich über 800 KM entlang meilenweiter weißer Sandstrände geführt, vorbei an türkisfarbenem Meer, durch dicht bewaldete Nationalparks und entlang braun verbrannter Wiesen und kargen Berghängen. Dabei bin ich Menschen begegnet, die sich mir sowohl rau als auch herzlich gezeigt haben.

 

Die Geschichten am Abend im „versuchten“ Gespräch mit Einheimischen (Italienisch, Englisch, Deutsch, Hände, Füße) drehten sich um verbrachte Jahre als Gastarbeiter in Deutschland, nicht (nur) gelebte Träume, darum, was es ausmacht, ein Kalabrier zu sein, nicht bezahlte Müllrechnungen und Strafzettel, der Entführung von Menschen und Verschleppung in die undurchsichtige Flora der Nationalparks und den Umgang mit italienischen Gesetzen.

 

Was am Ende bei allen Erzählungen und Geschichten herauskam: Die Menschen hier sind, neben allen Schwierigkeiten, die das Leben eben manchmal so mit sich bringt, stolz auf ihren schönen Landstrich und auf ihre scheinbar nicht enden wollende Küste und die Nationalparks im Landesinneren. Sie sind stolz auf ihr Leben und ihr Land und sie stehen dazu! Und sie wissen auch um die Schwierigkeiten des Landes und versuchen (für sich) das Beste daraus zu machen. 

 

Und ich habe wieder einmal erlebt, dass es sinnlos ist, mich meinen Vorurteilen hinzugeben, die ich – ja, ich gebe es zu – das eine oder andere Mal anfänglich hatte. Es ist sinnlos, andere Menschen zu bewerten, nur weil man selbst der Meinung ist, es anders – ja irgendwie richtiger – zu machen. Welch ein Blödsinn! Das Leben formt uns, wir werden sowohl von Familie als auch Gesellschaft mit Werten ausgestattet, die alle ihre Vorteile haben, aber eben auch unser Denken einschränken, es in bestimmte Bahnen leiten. Und bewerten wir die Menschen um uns herum nicht stets und permanent? Oder vergleichen wir nicht andere mit uns oder uns und unsere Leistung, unser Aussehen, unser Verhalten mit dem der anderen? Dies kann sicher auch teilweise zur persönlichen Weiterentwicklung führen aber eben – bei Nichtreflexion ­– auch manchmal in Enge und Vorurteile.

 

So eine Auszeit, wie ich sie gerade mache oder aber eine Reise, in welcher Form auch immer, erweitert den Horizont immer wieder aufs Neue. Man wird nicht nur inspiriert durch Landschaft, Menschen und Gebräuche sondern verlässt damit auch zu sehr »eingefahrene« Wege. Ich blicke über meinen Tellerrand hinaus und habe dabei die Chance zu lernen, dass das Leben voll von Parallelwelten ist, nicht nur im Außen sondern auch im Persönlichen, im Menschlichen.

 

Wir können den Weg der Liebe, des (Ur-)Vertrauens und des Verständnisses gehen, oder aber wir bewegen uns auf dem Weg der Angst, der Skepsis, der Bewertungen und Beurteilungen und verbleiben in unserem scheinbar so schönen und bequemen Leben. Vorurteile entstehen aus einem anderen Werteverständnis und aus Angst und Unsicherheit. Die Entscheidung, welchen Weg wir einschlagen, liegt bei uns! Immer wieder aufs Neue.

 

Mein Fazit der vergangenen Tage: Die Italiener lieben es laut, sie lieben es voll und mögen es bunt. Sie lieben die Gemeinschaft und es stört sie nicht im Geringsten, wenn es auch mal eng um sie herum wird. Und sie sind stolz auf ihr Leben und ihr Land – glücklicherweise nicht alle auf ihre Politik. Ist das nun eine Bewertung? Nein, das ist meine Meinung. Und ich stelle fest (mit einem lachenden und einem tränenden Auge) ... Ich bin eben keine Italienerin. Manchmal aber, da möchte ich mir noch eine Scheibe mehr von der Leichtigkeit, dem Familienbewusstsein, dem Hang nach Zusammengehörigkeit und der Kunst des Genießens – das, was die Italiener in meinen Augen einfach drauf haben – abschneiden! Mehr davon!

 

Und hier könnt Ihr in die neuesten Bildimpressionen klicken. Viel Freude beim Schauen. 

 

 

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