Es kommt halt immer darauf an, was man daraus macht!

Sommerliche Farbspiele ...
Sommerliche Farbspiele ...

Nachhaltige Begegnungen kann es auch an unscheinbaren Autobahn-Auffahrten geben. Gestern traf ich Sharon, eine sympathische Frau aus Prag, die sich vor ein paar Tagen spontan mit ihrem PKW auf den Weg in Richtung Sizilien gemacht hat, um dort ihre Sommerferien zu verbringen. Wir begegneten uns an der letzten Wendemöglichkeit vor einer Autobahnauffahrt in Salerno und waren beide einer verkehrten Abbiegung gefolgt. Sharon sagte, sie sei bereits an der Amalfiküste hinter mir gefahren und erkannte mich mit meinem grün-weißen Bus sofort wieder. Auch sie hatte sich übrigens am Tag davor in das Getümmel von Neapel begeben, wohl aber eher unbeabsichtigt und war dennoch begeistert vom durchaus strukturierten Chaos dieser Stadt. Sie ist halb Engländerin, halb Deutsche und unterrichtet englische Sprache an einer internationalen Schule in Prag.

 

»Es kommt halt immer darauf an, was man daraus macht!« hat sie mir auf meine Frage hin, wie es sich denn so in Prag leben lässt, geantwortet. Und da konnte ich ihr nur vollkommen zustimmen. Denn ähnlich empfinde auch ich es auf meiner Reise durch Italien. Und dies ist ein Satz, der meiner Meinung nach in alle Lebenslagen passt, denn wir reisen ja durch unser Leben.

 

Dabei geht es ums fokussieren. Worauf lege ich in den verschiedenen Lebenssituationen den Fokus? Geht es uns schlecht, sind wir schlechter Stimmung oder haben wir das Gefühl, dass uns übel mitgespielt wurde, neigen wir dazu, uns genau darauf zu fokussieren. Regelrecht »verbeißen« können wir uns in solche Zustände. Dann ist es nicht so leicht, den Blickwinkel zu ändern, dann sind wir »Opfer«. Ich behaupte sogar, wir fühlen uns nicht selten »wohl« in diesem »Schlamassel«. Vielleicht nicht immer bewusst. Und dann soll bitteschön irgendwann der Retter kommen, der, der uns unserer Meinung nach entweder in diesen Schlamassel getrieben hat, oder besser noch der, der uns von außen rettet, also scheinbar nichts mit der Situation zu tun hat, in die wir da geraten sind. Gemeinsam, sozusagen »als Opfer- und Retter-Team« kann man dann auch ganz prima Stimmung gegen den scheinbaren »Verfolger« machen. Und dann kann es »à la Drama-Dreieck« so richtig schön rund gehen, und es geht schon längst nicht mehr um die Sache an sich. 

 

Ich habe mal eine Aussage von jemandem gehört, der meinte, es gehe ihm »ganz schön schlecht«. Und das war wahrscheinlich keine bewusste Aussage, vielmehr kam das »schön« darin wohl eher aus einem unbewussten Zustand. Obwohl er sich scheinbar unwohl fühlte, konnte er partout keinen Ausweg sehen, um etwas an seinem Zustand verändern.

 

Selten sehen wir solche Zustände als Herausforderung oder Chance. In einem Artikel der Zeit Online wird darüber berichtet, dass »schon das griechische Wort krisis nicht eine hoffnungslose Situation, sondern den Höhe- oder Wendepunkt einer gefährlichen Lage bezeichnet.« Es beinhaltet also die Chance zur Veränderung. Aber allein um die Dinge zu wissen, schafft leider noch keine Veränderung.

 

Manchmal, da höre ich auch in Coachings von Klienten, am Ende eines Gespräches, »Wissen sie, also eigentlich weiß ich das ja alles.« Und dann frage ich, was es eigentlich ist, was sie davon abhält, etwas anders zu machen, wenn sie es bereits wissen. Denn ich bin überzeugt, hinter diesem eigentlich steckt etwas sehr wertvolles, vielleicht sogar eine Schatzkammer, die alles beinhaltet, was es benötigt, um glücklich und zufrieden zu sein und der Schlüssel dazu hat den Namen »eigentlich«.

 

Um etwas wirklich nachhaltig zu verändern, bedarf es eines längeren Zeitraumes, in der durchaus Disziplin und Durchhaltevermögen gefragt sind.

Um etwas zu verändern, müssen wir bereit sein, unsere Komfortzone zu verlassen, die Zone also, in der uns alles schon so bekannt ist und in der es – beinahe ohne unser Zutun – ganz bequem läuft. Und sei es, dass wir das, was wir tun, aus einer alten Veränderung heraus tun, für die es ebenfalls irgendwann früher Disziplin und »Üben, Üben, Üben« erforderte, nur haben wir es über die Zeit des »bequemen Tuns« wieder vergessen. 

 

So ist das Leben eben. Man darf es nehmen wie es kommt! Wir haben die freie Entscheidungsmöglichkeit, etwas anders zu machen. Ich sage ja nicht, dass es immer einfach ist. Auch ich tue mich manchmal schwer, mich bewusst in Veränderungen zu geben. Manchmal warte auch ich darauf, dass da jemand kommt, der mich bitte mal an die Hand nimmt und mir zeigt, wie das Leben eben geht. Aber dann mache ich mir die Situation bewusst und stelle dabei fest, dass ich mir auch nicht so gern vorschreiben lasse, was ich zu tun habe. Ergo bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder darin bleiben und warten, dass es anders wird oder aber – was mir letztlich viel lieber ist – schauen, was ich daraus machen kann. So wie Sharon meine auch ich »Es kommt halt immer darauf an, was man daraus macht!«

 

Man kann übrigens, um das nicht zu vergessen, auch lernen, den Fokus von vornherein auf das Positive legen. Ein Kollege von mir hat einmal gesagt: »Die Medaille hat immer zwei Seiten – schau für welche du dich entscheidest, und wenn du dich für eine Seite entscheidest, dann tue es bewusst, mit allen Konsequenzen.«

 

Seit gestern bin ich im Cilento angekommen, in Palinuro ... und fahre heute weiter, mal sehen wo es mich hintreibt, bei all der Sommerhitze, wahrscheinlich an den Strand. Aber das sei für heute nur nebenbei gesagt.

 

Habt einen schönen Tag und verlebt ihn bewusst! 

 

 

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