Zuhause ist ein Gefühl

Zuhause ist ein Gefühl ...
Zuhause ist ein Gefühl ...

Jetzt, wo ich bald davor stehe, diesen schönen Ort in der südlichen Toskana zu verlassen, in dem ich 2 Wochen in fast vollkommener Ruhe verbracht habe, überkommt mich eine mir altbekannte innere Unruhe und eine leise Stimme flüstert mir zu: »Ich will nicht weg, ich will bleiben!«

 

Dies mag weniger an diesem Ort hier liegen (obwohl paradiesisch schön), sondern womöglich daran, dass ich mich wieder auf den Weg machen werde, um weiter in Richtung Süden zu fahren, neues italienisches Vokabular im Gepäck, ans Meer, um mir den warmen Wind ins Gesicht pusten zu lassen und meine Augen auf das Blau des Himmels zu richten – dabei leise vor mich hinzusummen »Azzurro« ... 

 

Darauf freue ich mich also und doch ist da diese zarte vehemente Stimme, die auf sich (und mich) aufmerksam machen möchte. Dahinter verbirgt sich ebenso eine Sehnsucht nach »irgendwo sein, irgendwo bleiben, nicht wieder loszufahren« und doch gleichzeitig nach »ich will die Welt erkunden, will etwas Neues sehen und kennenlernen«. Zwei Seelen wohnen, ach(!) in meiner Brust. Da kreuzt auch Goethe wieder einmal meinen Weg.

 

»Zuhause ist ein Gefühl«. Dieses Satzgeschenk bekam ich von einer Frau, die ich sehr schätze und mag und die erfahren hat, was Lebensfreude eigentlich bedeutet, darunter sicher auch, jeden Tag aufs Neue am Leben teilhaben zu dürfen. Diesen Satz greife ich heute für meine Gedanken auf.

 

Wenn Zuhause ein Gefühl ist, ist es auf jeden Fall ein mächtiges, ein großes, ein sehnsuchtsvolles  Gefühl.

Wenn Zuhause ein Gefühl ist, ist das Zuhause also auch in uns, denn Gefühle entstehen in uns. Zwar bedürfen diese Gefühle eines gewissen Reizes, eines Auslösers und diversen Erfahrungen, Erinnerungen, vielleicht sogar Werte, aber sie gehören zu uns – diese Gefühle. Und auch das »innere Kind« spielt hierbei eine nicht unbedeutende Rolle. 

 

Wenn dieses – wodurch auch immer – angeregte, gereizte Gefühl sich also einen Weg über unsere Synapsen und »Hirn-Verdrahtungen« entlang der Nervenbahnen hinauf ins Bewusstsein und somit »ins Freie« schafft, dann kann auch so ein »Zuhause-Gefühl« verknüpft mit der Sehnsucht nach einem bestimmten Zustand des Seins entstehen und vielleicht, vielleicht kommt so diese flüsternde Stimme zustande. Mir ist schon klar, dass das jetzt wenig wissenschaftlich dargestellt ist, vielmehr ist der Ansatz ein philosophischer. Aber ich möchte mich hier auch nicht als Naturwissenschaftlerin beweisen sondern mich derzeit eher den Gedanken, Gefühlen und der Philosophie widmen.

 

Wenn Zuhause also ein Gefühl ist, dies aber nicht immer nur mit ausschließlich schönen Erinnerungen verknüpft ist, wie wir wissen, warum sehnen wir uns dann nach Zuhause? Warum lässt uns eine innere Stimme aufhorchen, warum fühlen wir uns durch sie ermahnt oder aufgerüttelt? Warum fragen wir uns in manchen Situationen ob wir zufrieden, ob wir glücklich sind?

 

Ich glaube man kann es auch »eine Sehnsucht nach Ankommen« nennen. Kann dies doch in der Tiefe bedeuten, aus einem vollkommenen Gefühl der Zufriedenheit agieren zu können. Das, was man tut, hat dann vielleicht einen – nicht immer tieferen – Sinn, wohl aber eine Bedeutung. Nicht mehr zu suchen oder sich ständig fragen, ob es richtig oder falsch ist, was man tut oder nach einem »mehr, höher, weiter, schneller« zu streben. 

 

Für mich ist Zuhause übrigens auch dann ein – fast schon banales – Gefühl, wenn ich z.B. an einem Samstag durch Arbeitsgeräusche (hämmern, sägen, klopfen) draußen im Garten oder Wald plötzlich an frühere Zeiten der Kindheit erinnert werde, die auch heute noch an gewissen Tagen (gefüllt mit der Luft der Jahreszeit) eine Sehnsucht an erlebtes Zuhause hervorrufen. Ohne, dass ich dort jemals wieder leben wollte, kann ein Zuhause also ein Gefühl sein, das tief in mir verankert zu sein scheint und plötzlich – aus heiterem Himmel (welch schönes Wortspiel) mit Sehnsucht und Freude auftauchen kann. 

 

Das Zuhause hat dann viel weniger mit dem äußeren Rahmen zu tun, dem wir so viel Wert beimessen, sicher auch um uns abzulenken oder um es perfekt machen zu wollen, das Haus, das Grundstück, die wohleingerichtete neue Küche, das neue Sofa, die Balkonpflanzen, oder sonst was.

 

Wenn wir ganz mit uns im Kontakt sind, dann sind wir Zuhause. Und dann kann es sein, dass auch dort zunächst einmal aufgeräumt werden muss, ausgemistet werden will, Altes losgelassen werden möchte, damit Neues entstehen und sich entwickeln darf. Im Kontakt mit uns und der Lebensfreude.

 

 

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