Resümee einer Auszeit-Beginnerin

Irgendwie platt ...
Irgendwie platt ...

Heute vor 2 Monaten habe ich meine Auszeit begonnen und ich wage einen zweiten Rückblick.

 

Hier in der Casa Carla, in der ich vorhabe noch eine weitere Woche zu verbringen, komme ich mehr und mehr zur Ruhe ... und merke darüber, wie erschöpft ich in der Tiefe meines Seins eigentlich bin. Ich kann gut durchschlafen, obwohl ich den ganzen Tag lang meinem Leitspruch von Astrid Lindgren folge, nämlich »einfach nur dazusitzen und vor mich hinzuschauen.« Und nicht immer fällt es mir leicht meinem Bedürfnis nach absoluter Ruhe nachzukommen, gibt es doch hier so unendlich viele schöne und auch inspirierende Dinge zu tun. Für mich allerdings ist die Ruhe Balsam. Sie führt zunehmend zum Erwachen meiner Kreativität und ich fühle mich, allein schon ob der unglaublich schönen Natur, die mich hier umgibt, jeden Tag neu inspiriert, nach wie vor ohne zu wissen, wohin mich dies führen mag.

 

Jeden Morgen neu, entscheide ich mich meist dafür, doch lieber auf meiner Terasse Ausschau nach dem was kommen mag, zu halten. Man muss dabei aushalten können, dass da eben manchmal – zumindest äußerlich – scheinbar nichts geschieht. Doch seid gewiss, innerlich geschieht jede Menge. Und ja, ich gebe zu, es kommen nicht täglich nur schöne Dinge in der Ruhe zum Vorschein, die betrachtet werden wollen. Es ist eben wirklich ein bisschen wie ... Bilanz ziehen. 

 

Ein kleines – äußerliches – Highlight gab es aber gestern Abend. Meine Gastgeberin Carla nahm mich mit zur »fast Generalprobe« des Palios nach Siena. Der Palio di Siena ist eines der härtesten Pferderennen der Welt. Palio bezeichnet in Italien allgemein einen Wettkampf zwischen benachbarten Gebieten, der – wie in Siena – mit Pferden ausgetragen wird. Auf dem Piazza del Campo in Siena herrschte – 4 Tage vor dem Rennen wahrscheinlich eher noch geringer – Ausnahmezustand und eine Stimmung wie im Fußballstadion, nur dass hier nicht nur 2 Mannschaften gegeneinander antreten werden, sondern 17 sogenannte »Contraden«. Und dies zweimal pro Jahr – schon seit dem Mittelalter. Das erste Spektakel findet am 02. Juli statt. Ein paar Impressionen habe ich für Euch bereitgestellt. 

 

Ansonsten beschäftige ich mich auch ein wenig mit meiner Vergangenheit, sortiere Fotos – und stelle darüber immer wieder fest, was ich schon alles erleben durfte –, schreibe, denke, dichte (versuche mich zumindest darin), schaue und merke dabei, dass ich nicht immer gut mit und zu mir war. Aber wer ist das schon im Leistungsgetümmel unserer Gesellschaft? Italien ist – zumindest für mich – Entspannung pur und man kommt, wenn man sich denn voll auf die Mentalität dieser angenehmen Menschen und das Leben hier einlässt – durchaus von ganz alleine »runter«. Wovon eigentlich? Von der Verbissenheit, dem Leistungsdruck, dem alles perfekt machen zu wollen – noch nicht mal immer zu müssen –. Man muss Geduld haben hier und man hat hier die großartige Chance sich in Gelassenheit zu üben. Ich bin ja eh eine Verfechterin der Pflicht-Auszeiten ... nicht erst geworden. Eben um sich zu besinnen, um Achsamkeit zu üben – nicht nur im Kopf – vielmehr im Ganzen.

 

Was also haben mir die bisherigen zwei Monate Auszeit gebracht? Ich habe schon eingiges gesehen und vieles erlebt, ich hatte schöne und schräge Begegnungen, und letztlich ... ja letztlich habe ich festgestellt, dass mein Bedürfnis mit jedem neuen Schritt und der weiteren Reise in Richtung Süden, nach Ruhe und einfach sein, nicht verplant sein, momentan zumindest immer tiefer wird.

 

 

Und wisst Ihr was ich gerade direkt neben meinem Notebook sehe? Ein Glühwürmchen. Was gibt es Schöneres als den Moment mit allem was ist vollends zu genießen?

 

 

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