Italienisch für Anfänger (Teil 1) ...

Ankunft am Lago di Garda
Ankunft am Lago di Garda

Dies ist ein Restaurant ... Ah ja, alles klar. Heute möchte ich mir Trento anschauen. Nach vielen Serpentinen und langer Fahrt endlich angekommen war mein Bedürfnis nach einem Cappuccino groß. Hätte ich mir natürlich auch denken können, die Tische im Restaurant waren draußen zum Lunch eingedeckt, da kommt es nicht so gut an, nur einen Cappuccino zu trinken und nichts zu Essen zu bestellen. Aber die Verlockung war so groß, dass ich nicht weiter darüber nachgedachte. Würde ich das in Deutschland auch so machen? Sicher nicht, dort gehe ich in ein Café oder in eine Bar (oder bereite mir den Kaffee zuhause selbst zu).

 

Mit etwas Abstand bin ich dankbar für diese erste italienische Lerneinheit (selbst wenn ich zunächst etwas irritiert war) und stelle fest, dass es so gar keinen Grund gibt, mich darüber zu ärgern. Nur weil ich hier ein paar Monate verbringen möchte, muss ich nicht von der ersten Sekunde an freundlich behandelt werden. Im Gegenteil, mir ist es viel lieber, dazu zu lernen und die Menschen und Verhaltensregeln in diesem Land kennenzulernen. 

 

Eine andere Begebenheit kurz zuvor auf der Fahrt vom Parco Adamello nach Trento hatte ich an einer Tankstelle. Ich wunderte mich etwas über zwei unterschiedliche Diesel-Preise und fragte den herbei eilenden Tankwart, warum es denn verschiedene Preise gäbe. Noch bevor er antwortete, begann er flink zu tanken – ich war erfreut über so einen zuvorkommenden und schnellen Service – und erklärte mir, dass Selfservice vier Cent weniger kosten würde als der Service. Ich würde mal sagen, das war Italienisch für Anfänger Teil 2. 

 

Aber immerhin haben sich in einem Bergdorf ebenfalls auf der Etappe drei Männer gleichzeitig darum gekümmert, als ich nach einem Verlängerungskabel für meinen Bus fragte. Und schon standen sie mehr oder minder gleichzeitig lamentierend und diskutierend über der Werkbank, um besagtes Kabel eigens für mich mit den Steckern dafür herzustellen. Auch zwei hinzukommende Kunden, die eigentlich einen anderen Wunsch hatten, haben sich ereifert, ihr Wissen darüber preiszugeben. 15, 20 oder 25 Meter und die Stärke des Kabels, das musste erstmal erörtert werden. Für welche Zwecke? Ach so ja, ... Camping. Und wieder die Frage »Sei qui da sola?« Dieses Mal als Antwort »Nein, ich besuche meine Familie«. Das ist Teil 3 von Italienisch für Anfänger: Über so viel italienische Hilfsbereitschaft muss berichtet werden. 

 

Nun bin ich am Lago di Garda angekommen. Eigentlich wollte ich in Riva di Garda haltmachen. So viele Menschen haben mich für heute jedoch abgeschreckt. Also bin ich weitergefahren und irgendwo hinter Limone links abgefahren. Nun stehe auf dem Campingplatz mit meinem Bus direkt am See. Leider soll das Wetter schon wieder umschlagen. Abwarten. 

 

 

Kommentare: 4 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Andreas (Donnerstag, 23 Mai 2013 20:58)

    Hallo Anja,
    Ruth und ich waren genau vor einem Jahr in Bella Italia(westlich von Torino in denfranzösischen Alpen,einfach traumhaft,ruhig und wenig Tourirummel)Unsere Lektion war:in jedem Fall immer den Bon(egal Supermarkt,Gastro ,what ever)einzustecken und aufbewahren.Die Guardia Zivil hat uns "Miami Vice mäßig" nach einer Gastronomie aufgelauert.War ne coole Nummer von denen,hatten zum Glücken den Kassenbon dabei.Gibt sonst auch eher Ärger für den Wirt!Dir alles Liebe ,viel Spass an den Italos und deren unglaublichen Leckereien!!!!
    toll deine Seite
    Andreas

  • #2

    Tiana (Freitag, 24 Mai 2013 11:38)

    Meine Liebe,

    wie schade, dass wir uns in der Schweiz verpasst haben. Vielleicht auf deiner Heimreise?
    Reinhard und ich schauten gerade aus dem Fenster (frag nicht. es regnet) und hatten den gleichen Gedanken: Hoffentlich hat Anja besseres Wetter...

    Und dann habe ich noch eine schöne Inspiration für dich:
    http://rulestobehappy.tumblr.com/

    Ganz liebe Grüße
    Tiana

  • #3

    Dorothee (Freitag, 24 Mai 2013 15:57)

    Liebe Anja, ich habe über Deine drei Lektionen in Italienisch für Anfänger dreimal herzlich gelacht!Diese Situationen haben "Situationskomik" für mich, vielleicht, weil sie einen anderen kuturellen Umgang mit Situationen spiegeln, als wir es tun, und diese beiden unterschiedlichen Weisen, damit umzugehen, sich eben in diesen Siuationen gespiegelt haben. Also, da wollte scheint"s ein italienischer Kellner Dich zum Essen bewegen, klar der erste Stop in Italien will gefeiert sein und man möchte Dich mit den italienischen Köstlichkeiten verwöhnen! Unfreundlich? Geschäftstüchtig? chamant? Entscheidend ist, wie wir es selber betrachten und "bewerten" und dann entsprechend mit der Situation umgehen können, leicht, lustig, akzeptierend, revoltierend... Und wie sieht es mit dem selbstgemachten Kabel aus, passt es? Ja, so was kriegt man nicht in einem bayerischen Baumarkt... Hier ist der Regen gerade in Schnee übergegangen, nun ist der Ofen dran. Wie schön, dass Dein Blog Reisebegleitung ermöglicht, es ist, wie wenn ich kurz durch ein "Guckloch" schauen dürfte. Es gibt übgrins ein wunderbares griechisches Wort für den "rechten Augenblick": kairos, im Gegensatz zu chronos, der den Ablauf im Sinn hat. Habe ich bei Klaus Eurich gelernt, Achtsamkeit im Coaching. Sei geherzt! Dorothee

  • #4

    Erika (Montag, 27 Mai 2013 16:05)

    Hallo liebe Anja,
    ja, diese Italienisch Lektionen, wie aufregend was da noch alles kommt.Und ich frische meine anderen durch dich inspiriert gerade wieder auf. Bin bei unita 4 angekommen(Quanti siete in famiglia?). Vermutlich verweile ich dort recht lange, bis ich dich hoffentlich in bella Italia besuchen komme.
    Hier ist es so bitterkalt und heute ist auch noch das warme Wasser ausgefallen. Mit dem Campingbus würde ich jetzt bestimmt nicht jammern. Was habe ich für ein komfortables Leben.
    Übrigens, may a long time... hat mich viele Jahre begleitet und ich freue mich dass meine Erinnerung durch dich angestoßen wurde.
    Allerliebste Grüße
    Erika