Ich bin ein Gänseblümchen …

Ich bin ein Gänseblümchen …
Ich bin ein Gänseblümchen …

... lautet ein Song von der Band »Ganz schön feist«. Auf meiner heutigen Wanderung habe ich mich u. a. der Betrachtung der Gänseblümchen hingegeben. Dabei habe ich festgestellt, dass es nicht nur wunderschöne sondern auch sehr vielschichtige Blumen sind. So eine Gänseblume ist in den Blättern und im Stiel eher zart und wirkt auf den ersten Blick zerbrechlich. Im Innern jedoch, dem gelben Kern der Blume ist es dick, stark und kräftig und wenn man genau hinschaut, hat es den Anschein, dass diese Kraft alles andere als zerbrechlich ist und aus der Mitte heraus bis in die zarten Blätter wirkt. Natürlich lässt sich so eine Blume sehr schnell bei Nichtachtung zertreten, zerfahren oder gar zerrupfen – Wer kennt das nicht: »Er liebt mich, er liebt mich nicht, er ...« – aber bei wem geht so ein Spiel schon immer so gut aus? Wenn es nicht hinkommt, pflücken wir einfach eine neue Blume und zerrupfen sie mit verträumter Hingabe aufs Neue, solange bis es eben passt oder passend gemacht wird.

Irgendwie passte die Anatomie des Gänseblümchen heute sogar auch ein wenig zu meiner Stimmung. Schon seit ein paar Tagen steckte mir etwas hinter den Augenlidern – irgendwie war mir sogar ein wenig nach Heulen zumute. Das ist leider auch gar nicht so einfach offen zuzugeben. Aber liegt nicht genau darin die Stärke, eben auch mal die Schwäche preiszugeben? Und eben diese mir selbst gegenüber auch einzugestehen? Hey, jetzt bist du hier unterwegs, hast alle (gefühlte) Zeit der Welt ... was um Himmels Willen vermiest dir eigentlich gerade deine positive Stimmung? Das Gänseblümchen war es jedenfalls nicht.


Vielleicht ist es die fehlende Struktur. Jemand, die wie ich in den letzten 10 Jahren mehr als durchgetaktet war, für die Planung und Struktur zum täglich Brot gehörte, ist plötzlich unterwegs mit Vorfreude im Herzen, endlich mal keinen Plan in der Tasche zu haben, außer die grobe Richtung Italien und Südeuropa. Ist doch eigentlich kein Wunder, oder? Ich habe mich aufgemacht zu reisen – mit mir zu sein, um meinem Leben wieder neue Möglichkeiten zu eröffnen und um Zeit zum Schauen und Denken und Leben zu haben. Nach wie vor freue ich mich (wie ein Kind), dass ich es getan habe. Dabei stelle ich mitunter aber auch fest, dass es eine gewisse Portion Mut benötigt, so einen Schritt gemacht zu haben.

Der kanadische Weltenbummler Steve Zikman sagt dazu »... Mit einem Mal sehen wir Dinge, die wir vorher nie gesehen haben (oder habt Ihr schon mal voller Inbrunst ein Gänseblümchen betrachtet?), denken uns Dinge aus, wo wir vorher nie auf die Idee gekommen wären ... Reisen führt zu uns selbst. Es macht uns echt.« Während die Autorin Miriam Beard es etwas anders aber wie ich glaube, auch sehr treffend auf den Punkt bringt: »Reisen ist ein tiefgreifender Wandel, dem wir uns unterwerfen, ein fundamentales Umdenken in Bezug auf das Leben.«

 

 

Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Annika (Donnerstag, 16 Mai 2013 20:40)

    Wahrnehmen und fühlen der Dinge, die einem selbst wichtig sind und die einem gut tun, und das sind für jeden einzelnen andere, ist meiner Meinung nach das, was das Reisen auf diese besondere Art und Weise ausmacht...
    Genieße jeden Moment, jede Grenzerfahrung und jedes Gänseblümchen, was dir auf deinem Weg begegnet, wo immer er lang führt...
    Meiner hat mich gerade an den Lac du Salagou bei Clermont l' Herault geführt, nachdem ich bei Eiseskälte und strömendem Regen die letzten zwei Tage verbracht habe und kurz (aber wirklich nur kurz ;-))überlegt hatte, nach Hause zu fahren. Nun scheint die Abendsonne in den Bus...
    Ich grüße dich und verfolge weiter, wo dein Weg dich hinführt!!! :-)